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Panikverkäufe lassen Öl- und Metallpreise abstürzen

25.08.2015 | 12:12 Uhr | Weinberg, Eugen, Commerzbank AG
Das derzeitige Geschehen in China hält die Finanz- und Rohstoffmärkte weltweit in Atem. Es ist zwar klar, dass was in China passiert weltweit hohe Wellen schlagen kann. Wir warnen jedoch davor, aus den Turbulenzen am chinesischen Aktienmarkt gleich Schlüsse über den Zustand der chinesischen Konjunktur zu ziehen. Schließlich ist der Aktienmarkt in den zwölf Monaten bis Mitte Juni um 150% gestiegen, während sich gleichzeitig die Wachstumsraten der chinesischen Wirtschaft bereits deutlich verlangsamt hatten.


Energie

Die Ölpreise erlebten gestern einen regelrechten Absturz. Brent verbilligte sich um 6%, WTI um mehr als 5%. Brent fiel im Tief bei auf 42,23 USD je Barrel. WTI kostete zeitweise weniger als 38 USD je Barrel. Rohöl ist damit so preiswert wie zuletzt vor 6½ Jahren. Heute erholen sich die Preise zwar leicht. Verglichen mit den jüngsten Verlusten ist dies aber kaum der Rede wert.

Der gestrige Preisrutsch hatte nur bedingt etwas mit einer Neueinschätzung der fundamentalen Lage am Ölmarkt zu tun. Gestern wurde vor allem aus Angst vor einem Konjunktureinbruch in China ohne Rücksicht auf Verluste auf breiter Front verkauft. Dass Öl innerhalb des Rohstoffuniversums mit am meisten nachgab, könnte auf Äußerungen des iranischen Ölministers zurückzuführen sein. Dieser gab zu verstehen, dass sein Land unter allen Umständen die Ölproduktion erhöhen werde, um Marktanteile nicht dauerhaft zu verlieren.

Beim derzeitigen Preisniveau von weniger als 35 USD je Barrel für Bakken-Öl dürften viele kleinere US-Schieferölproduzenten nicht mehr kostendeckend arbeiten. Diese hatten den Preisanstieg auf 60 USD je Barrel im Frühjahr zum Anlass genommen, wieder verstärkt nach Öl zu bohren und sehen sich nun mit deutlich niedrigeren Preisen konfrontiert. Ohne neue externe Geldquellen dürften sie auf kurz oder lang aus dem Markt ausscheiden. Diese Marktbereinigung dürfte zu einem merklichen Rückgang der US-Ölproduktion führen und eine Preiserholung im späteren Jahresverlauf ermöglichen.


Edelmetalle

Gold erwies sich gestern als Fels in der Brandung, während die anderen Edelmetalle stark unter Druck gekommen sind. Dabei haben Silber und Platin ihre Gewinne der Vortage abgegeben und fielen unter die psychologisch wichtigen Marken von 15 USD bzw. 1.000 USD je Unze.

Die Preisschäche bei Palladium war noch deutlicher ausgeprägt: Das weiße Metall ist heute Morgen mit knapp 530 USD je Unze auf den tiefsten Stand seit September 2010 gefallen. Insgesamt ist der Palladiumpreis damit seit dem Hoch im September 2014 um über 40% eingebrochen. Zwar kann man den Rückgang durch eine starke industrielle Verwendung von Palladium und vor allem die Bedeutung des Autosektors erklären – mehr als drei Viertel der Nachfrage entfällt auf die Autokatalysatoren, während Schmuck- und Investmentnachfrage weniger als 10% ausmachen. Jedoch ist das Ausmaß des Preisrückgangs überzogen. Denn trotz einer Verlangsamung der Autokonjunktur wird die Nachfrage in diesem Jahr steigen.

Die physisch gedeckten Palladium-ETFs haben in den letzten drei Wochen zwar Abflüsse in Höhe von 50 Tsd. Unzen verzeichnet. Seit Quartalsbeginn stehen aber noch immer Zuflüsse von 15 Tsd. Unzen zu Buche. Wir führen den Preisrückgang hauptsächlich auf spekulative Verkäufe zurück.



Industriemetalle

Das Geschehen bei den Industriemetallen ist aktuell stark von der Panik der Marktteilnehmer und hoher Preisvolatilität geprägt. Man kann es exemplarisch am Nickelmarkt sehen. Der LME-Nickelpreis ist gestern um bis zu 10% auf knapp 9200 USD je Tonne gefallen, ein Niveau, was sogar während der Weltwirtschaftskrise 2008/09 nur kurzfristig unterschritten wurde.

Von den Höchstkursen Anfang 2014 nach der Einführung des Exportverbots Indonesiens für unbehandelte Erze ist der Preis mittlerweile um 55% gefallen. Dabei nutzen die chinesischen Händler die günstigen Preise zunehmend zum Kaufen und die Importnachfrage zieht massiv an. So hat China im Juli laut Zollbehörde 46,3 Tsd. Tonnen Nickelraffinade importiert. Nur im Juli 2009, als die chinesische Regierung massive strategische Bestände aufgebaut hatte, wurde etwas mehr Nickel importiert. Vor allem die Dynamik ist dabei verblüffend. Wir würden die Vorhersagekraft des Marktes, der aktuell eine massive Nachfrageschwäche in China einpreist, nicht überbewerten.

Wir sind überzeugt, dass die Metallhändler die Nachfrage recht gut im Vorfeld einschätzen können. Und weil sich die fundamentale Lage nicht innerhalb weniger Tage dramatisch verändert, geben die recht aktuellen Juli-Daten einen guten Hinweis auf die aktuelle Nachfrage in China. Auch ein Preisaufschlag an der SHFE ggü. der LME deutet weiter auf eine robuste Importnachfrage Chinas hin. Wir halten den Preisrückgang bei Nickel um knapp ein Drittel seit Mai fundamental für unbegründet und rechnen mittelfristig mit steigenden Preisen.


Agrarrohstoffe

US-Mais und US-Weizen gehörten zu den wenigen Rohstoffen, welche den gestrigen Handelstag mit positivem Vorzeichen beendeten. Eine wichtige Rolle dürfte dabei der deutlich schwächere US-Dollar gespielt haben, welcher US-Getreide auf den Weltmärkten konkurrenzfähiger macht. Spiegelbildlich dazu gerieten EU-Weizen und EU-Mais an der Euronext in Paris unter Abgabedruck. Mit gut 170 EUR je Tonne markierte der meistgehandelte Weizenterminkontrakt ein 9½-Monatstief. EU-Mais war mit weniger als 170 EUR je Tonne zeitweise so billig wie zuletzt vor zwei Monaten.

Dass EU-Weizen und EU-Mais preislich nahezu gleichauf liegen, ist ungewöhnlich. Normalerweise ist Weizen deutlich teurer als Mais. Dass dies anders ist, hängt mit der unterschiedlichen Versorgungslage bei Weizen und Mais zusammen. Aufgrund der rekordhohen Weizenernte in Frankreich sind die dortigen Silos reichlich gefüllt. Die für die physische Auslieferung der Weizen-Terminkontrakte relevanten Silos nehmen schon seit einigen Wochen keinen Weizen mehr an.

Anders sieht dagegen das Bild bei Mais aus. Dort werden aufgrund des zu trockenen und zu heißen Wetters in Europa die Ernteprognosen immer weiter nach unten revidiert. Gestern senkte die für Agrarprognosen zuständige Behörde der EU-Kommission, MARS, ihre Schätzung für den erwarteten durchschnittlichen Ernteertrag für Mais um weitere 4,6% auf 6,4 Tonnen je Hektar. Dies entspricht einem um 20,5% niedrigeren Ertrag als im Vorjahr und lässt auf einen entsprechenden Rückgang der EU-Maisernte schließen.


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