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Öl runter, Gold runter

21.08.2015 | 11:33 Uhr | Weinberg, Eugen, Commerzbank AG
Energie

Die Ölpreise befinden sich weiter in der Defensive. Brent fällt am Morgen auf 46 USD je Barrel, das niedrigste Niveau seit Mitte Januar. WTI hält sich noch knapp über dem gestern bei 40,2 USD je Barrel verzeichneten 6½-Jahrestief. Brent steht vor dem siebten Wochenrückgang in den letzten acht Wochen, WTI sogar vor dem achten Wochenrückgang in Folge, was der längsten Serie von Wochenverlusten seit 29 Jahren entspricht.

Gestern sorgte eine Hurrikanwarnung kurzzeitig für Unterstützung, welche aber nur von kurzer Dauer war. Laut US-Hurrikanzentrum hat sich östlich der Karibik der erste Wirbelsturm der diesjährigen Saison im Atlantik gebildet. Noch lässt sich allerdings nicht sagen, ob dieser Kurs auf den Golf von Mexiko nimmt und damit zu einer Bedrohung für die dortige Öl- und Gasproduktion wird. Dennoch könnte dadurch der Markt für die mit der Hurrikansaison verbundenen Angebotsrisiken sensibilisiert werden. Ob dies allerdings ausreicht, einen weiteren Rückgang der Ölpreise zu verhindern, ist eher fraglich.

Der nochmalige Einbruch des von Caixin erhobenen Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in China im August dürfte die Nachfragesorgen bei den Marktteilnehmern verstärken, zumal der Ölmarkt deutlich üverversorgt ist. Die OPEC wird laut dem Beratungsunternehmen Oil Movements in den vier Wochen zum 5. September 420 Tsd. Barrel pro Tag weniger Rohöl liefern als in den vorherigen vier Wochen. Dies dürfte aber eher auf eine saisonal niedrigere Nachfrage in Asien zurückzuführen sein als auf eine freiwillige Einschränkung des Angebots.


Edelmetalle

Diejenigen, welche vor etwa vier Wochen den Abgesang auf Gold eingestimmt hatten, dürften sich verwundert die Augen reiben. Denn von seinem Ende Juli verzeichneten 5½-Jahrestief ist Gold mittlerweile um fast 100 USD gestiegen. Allein in den letzten drei Handelstagen legte Gold um 50 USD auf heute Morgen knapp 1.170 USD je Feinunze zu. Ganz so unnütz ist das gelbe Edelmetall also doch nicht, wenn es an den Märkten turbulent wird. Denn die Aktienmärkte befinden sich inzwischen nicht nur in China, sondern weltweit auf Talfahrt.

Gestern verzeichneten die US-Aktieinindizes die stärksten Tagesrückgänge seit 18 Monaten. Der Dow Jones Industrial Average schloss auf dem niedrigsten Stand seit 10 Monaten. Die Aktienmärkte in Asien verloren nach der Bekanntgabe eines auf ein 6½-Jahrestief gefallenen chinesischen Einkaufsmanagerindex heute ebenfalls deutlich. Der DAX hat allein in dieser Woche bereits mehr als 5% verloren und handelt auf dem niedrigsten Stand seit Januar. Von daher verwundert es nicht, dass die Anleger den sicheren Hafen Gold wiederentdecken.

In den letzten beiden Handelstagen verzeichneten die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs Zuflüsse von 7,1 Tonnen, was dem stärksten 2-Tageszufluss seit Ende Juni entspricht. Wir warnen allerdings davor, die Preisentwicklung der letzten Tage fortzuschreiben. So hat der Geldmarkt die Fed-Zinserhöhungserwartungen stark zurückgenommen. Ein Zinsschritt im September ist laut Fed Fund Future nahezu ausgepreist, eine Zinserhöhung bis zum Jahresende wird nur noch zu 75% erwartet. Sollten die Zinserwartungen wieder drehen, kann Gold wieder unter Druck geraten.



Industriemetalle

Obwohl die Nachfrage nach Aluminium in diesem Jahr stärker als bei den anderen Industriemetallen steigen sollte, bleibt der Markt massiv überversorgt. Der Grund dafür ist eine massive Ausweitung der Primärproduktion, die dem Internationalem Aluminiuminsitut (IAI) zufolge im Juli ihren Rekord aus dem Mai von 4,92 Mio. Tonnen eingestellt hat und 10,8% höher lag als im
Vorjahr. Seit Jahresbeginn ist die Produktion mit 33,5 Mio. Tonnen um 10,3% ggü. dem Vorjahreszeitraum gestiegen.

Fast der gesamte Anstieg entfiel dabei auf China, welches mittlerweile 55% der Weltproduktion ausmacht. Seit mittlerweile sechs Jahren ist China ein Netto-Exporter von Aluminium. Die Netto-Exporte von Rohaluminium und Aluminiumprodukten betrugen im Vorjahr 3,5 Mio. Tonnen. Sie dürften in diesem Jahr übertroffen werden, denn bereits in der ersten Jahreshälfte hat China netto 2,2 Mio. Tonnen Aluminium(produkte) exportiert. Ein wesentlicher Grund für die hohen Exporte Chinas waren die hohen physischen Prämien (zusätztlich zum LME-Preis), die u.E. vor allem auf eine künstliche Verknappung am Aluminiummarkt durch Händler und Produzenten zurückzuführen waren. Deshalb wurden in China auch viele stillgelegten Schmelzen wieder reaktiviert.

Mittlerweile sind die Prämien jedoch massiv von über 400 USD auf teilweise unter 100 USD je Tonne gesunken, weshalb bei den aktuellen Preisen (einschließlich der Prämien) rund die Hälfte der weltweiten Produktion unprofitabel sein dürfte. Dies bietet zwar langfristig Unterstützung nach unten. Der Bereinigungsprozess von Überkapazitäten dürfte jedoch noch längere Zeit dauern und das Überangebot somit weiter auf den Aluminiumpreisen lasten.


Agrarrohstoffe

Der Rohzuckerpreis hält sich in den letzten Tagen stabil bei 10,60 US-Cents je Pfund und damit nur unweit seines unlängst erreichten 7-Jahrestiefs. Die Internationale Zuckerorganisation ISO hat am Mittwoch neue Prognosen zur Versorgungslage veröffentlicht. Die Überschussschätzung für 2014/15 wurde von 2,22 Mio. auf 3,37 Mio. Tonnen angehoben.

Laut ISO sind die globalen Lagerbestände für Zucker in den letzten 5 Jahren aufgrund der Überschüsse um 25 Mio. Tonnen angewachsen. Die ISO sieht trotz eines erwarteten Defizits am globalen Zuckermarkt von 2,49 Mio. Tonnen für das Jahr 2015/16 daher keinen Grund zur Sorge, da der Markt weiterhin reichlich versorgt bleibt. Die globale Zuckerproduktion 2015/16 soll sich um 1,1% auf 171 Mio. Tonnen abschwächen, der weltweite Konsum jedoch um 2,4% auf 173 Mio. Tonnen zunehmen. Denn Hersteller für Limonade, Ketchup und Schokolade haben angekündigt, wieder mehr Zucker anstatt alternative Süßungsmittel in der Produktion verwenden zu wollen.

Das Defizit im Jahr 2016/17 könnte laut ISO sogar auf 6,2 Mio. Tonnen ansteigen. Bei den Prognosen der ISO sind allerdings noch keine Folgen des Wetterphänomens El Niño eingeflossen, die die Zuckerproduktion in den nächsten beiden Erntejahren weiter abschwächen könnten. So kommt es schon jetzt zu Trockenperioden in Thailand, dem weltweit zweitgrößten Zuckerexportland. Es bleibt daher abzuwarten, welchen Einfluss El Niño hat und ob der Druck auf den Zuckerpreis dadurch nachlässt.


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