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Falkenhafte Fed setzt Gold und Silber unter Druck

29.10.2015 | 11:26 Uhr | Weinberg, Eugen, Commerzbank AG
Energie

Eine plausible und überzeugende Erklärung für den starken Ölpreisanstieg gestern – der WTI-Ölpreis ist um über 6% bzw. 3 USD und der Brentölpreis um fast 5% bzw. über 2 USD je Barrel gestiegen – fehlt weiterhin. Die von den Medien angeführten US-Lagerbestandsdaten kann man als Erklärung fast ausschließen. Zum einen haben sie kaum neue Anhaltspunkte geliefert. Zum anderen fand der Löwenteil des Anstiegs bereits vor deren Veröffentlichung statt.

Es ist möglich, dass eine große Kauforder oder Computerhandel die Bewegung ausgelöst hat und diese von technischen Anschlusskäufen verstärkt wurde. Auffällig ist dabei, dass nicht einmal die immense USD-Stärke – nach der Fed-Sitzung fiel der EUR-USD-Wechselkurs gestern Abend um 1,7% – den Preisanstieg umkehren konnte. Dies könnte dafür sprechen, dass der Preisanstieg von vielen Marktteilnehmern als fundamental gerechtfertigt angesehen wird. Die Frage ist somit auch, ob der Preisrückgang zuvor nicht übertrieben war und nun lediglich korrigiert wurde.

Ähnliche starke Gegenbewegungen auf vorherige Preisrückgänge hat es bspw. auch Ende August und Anfang Oktober gegeben. Zumindest sprechen die aktuellen Nachrichten von den Ölunternehmen für einen langfristigen Preisanstieg. "Des einen Leid ist des anderen Freud" so könnte man die aktuelle Lage im Ölsektor beschreiben. Denn die Probleme der US-Schieferölproduzenten und die Verluste führender konventioneller Ölproduzenten werden eine massive Kürzung der Investitionen zu Folge haben. Damit wird zumindest der Produktionsanstieg in den kommenden Jahren stark gebremst.


Edelmetalle

Der Goldpreis stieg gestern zunächst auf ein 2-Wochenhoch von 1.183 USD je Feinunze, geriet am Abend aber kräftig unter Druck und fiel in der Nacht auf gut 1.150 USD zurück. Silber erreichte gestern zunächst ein 4-Monatshoch von 16,36 USD je Feinunze, handelt aktuell aber wieder unterhalb von 16 USD. Auslöser für den Preisrutsch bei Gold und Silber war ein unerwartet falkenhafter Begleitkommentar der US-Notenbank Fed und ein im Zuge dessen deutlich festerer US-Dollar. Dieser wertete gegenüber dem Euro um fast zwei US-Cent auf.

Die Fed hat die Märkte gestern Abend auf eine Zinserhöhung im Dezember vorbereitet. So zeigt sie sich weniger besorgt um die globalen Turbulenzen, schließlich hat sich die Lage an den Emerging Markets beruhigt. Zudem spricht sie jetzt davon, "ob es angemessen ist, den Leitzins auf der nächsten Sitzung zu erhöhen". Die Wahrscheinlichkeit dafür ist laut Fed Fund Futures auf knapp 50% gestiegen.

Wir hatten in den letzten Tagen mit Verweis auf die hohen Netto-Long-Positionen der spekulativen Finanzanleger davor gewarnt, dass die Preise für Gold und Silber unter Druck geraten dürften, wenn die Fed Signale für eine bevorstehende Zinserhöhung gibt. Diese Netto-Long-Positionen dürften jetzt teilweise geschlossen werden. Der Goldpreis in Euro hält sich dagegen bei 1.060 EUR je Feinunze. Aufgrund der Aussicht auf eine Aufstockung bzw. Verlängerung von "QE" durch die EZB im Dezember dürfte sich der Goldpreis in Euro der näherrückenden Zinswende in den USA entziehen.


Industriemetalle

Der Aluminiumpreis an der LME in London fiel gestern zeitweise auf 1.460 USD je Tonne und markierte damit den tiefsten Stand seit Juni 2009. Allein seit Mitte des Monats hat sich Aluminium somit um über 8% verbilligt. Die Londoner Notierung wird vom Verfall der Aluminiumpreise in China mit nach unten gezogen. Denn an der SHFE in Shanghai kostete das Leichtmetall gestern zwischenzeitlich weniger als 10.300 CNY je Tonne (rund 1.620 USD je Tonne), was dem niedrigsten Niveau seit fast sieben Jahren entsprach.

Seit Monatsbeginn ist der Aluminiumpreis in Shanghai um knapp 12% gefallen. Mittlerweile sind offenbar auch die spekulativen Finanzanleger auf den fahrenden Zug aufgesprungen und setzen verstärkt auf fallende Preise. Darauf deutet der starke Anstieg des sog. open interest an der SHFE hin, welches auf den höchsten Stand seit August 2011 gestiegen ist. Und an der LME wurden in der letzten Woche die Netto-Long-Positionen der sog. Money Manager auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Datenreihe im August 2014 abgebaut. Die spekulativen Finanzinvestoren verstärken damit den bestehenden Abwärtstrend.

Für die Produzenten wird der Preisrückgang durch den Anstieg der physischen Prämien etwas gedämpft. So sind laut Metal Bulletin die Aufschläge auf den LME-Preis in Europa seit Monatsbeginn um 42% auf 92,5 USD je Tonne gestiegen. Für nachhaltig höhere Preise sind unseres Erachtens umfangreiche Produktionskürzungen erforderlich. Die Bekräftigung von Rusal, die Produktion um rund 200 Tsd. Tonnen kürzen zu wollen, ist dafür aber nicht ausreichend.




Agrarrohstoffe

Der Zuckerpreis stieg gestern zeitweise auf ein 8-Monatshoch von 14,8 US-Cents je Pfund. Damit reagierte der Markt auf Meldungen, dass in Brasilien erstmals seit fast einem Jahrzehnt wieder in die Ethanolindustrie investiert wird. Laut einem Bericht von Reuters bauen mindestens 9 größere Ethanolproduzenten neue Produktionskapazitäten und weiten bereits vorhandene aus. Die Produzenten profitieren vom schwachen Brasilianischen Real und der damit gestiegenen Nachfrage aus dem Ausland.

Auch die inländische Nachfrage hat zuletzt angezogen, nachdem das staatliche Ölunternehmen Petrobras die Abnahmepreise angehoben hat. Zusätzlich Unterstützung fand die Nachfrage nach Ethanol durch höhere Steuern auf Benzin in Brasilien. Abzuwarten bleibt jedoch die Nachfragesituation im Rest der Welt. Der in der letzten Woche stark gestiegene Rohzuckerpreis hat zur Folge, dass Weiterverarbeiter mit geringeren Margen zu rechnen haben. Die Preisdifferenz zwischen Weißem Zucker und Rohzucker bewegte sich diese Woche um die 70 USD je Tonne und damit fast 10 USD tiefer als noch Anfang des Monats.

Eine bisher gut laufende Zuckerrohrernte in der Region Center-South in Brasilien könnte ebenfalls kurzfristig den Zuckerpreis belasten. Auch die sich scheinbar eintrübende Nachfrage aus China darf nicht außer Acht gelassen werden. Die chinesische Regierung will die Importe stärker überwachen und hat dazu eigens ein neues Lizenzsystem eingeführt.


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