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Industriemetalle: Eine Frage der Perspektive

01.12.2009  |  Sven Streitmayer (LBBW)
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Aktuelles Preisniveau versus Fundamentals

Zu guter Letzt soll das aktuelle Metallpreisniveau im Lichte der wichtigsten fundamentalen und monetären Einflussfaktoren untersucht werden. Als zentrale Marktdeterminanten wurden die LME-Lagerbestände, der EURUSD-Wechselkurs, der Ölpreis (WTI) sowie die Aktienmärkte (S&P 500) identifiziert. In einem nächsten Schritt haben wir mit Hilfe einer Regressionsanalyse den statistischen Zusammenhang der einzelnen Marktfaktoren mit den LME-Notierungen von Kupfer, Aluminium, Nickel, Zink und Blei ermittelt.

Auf diese Weise lässt sich für jede der betrachteten Determinanten ein korrespondieres Metallpreisniveau bestimmen (Tab. oben). So impliziert beispielsweise der aktuelle Stand der Lagerbestände für sich genommen einen Kupferpreis von rund 4.300 USD/t, während der derzeitige EURUSD-Kurs alleine einen Preis von knapp 7.600 USD/t rechtfertigen würde. Im Mittel zeigen die vier Marktindikatoren einen fairen Wert des roten Metalls von rund 5.600 USD/t an.

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Da die Wirkungsweisen und Zusammenhänge der Metallpreisbestimmung ein komplexes, im Zeitablauf variierendes System darstellen, sollten die errechneten “Modellpreise“ gleichwohl nicht als exakte Wissenschaft bzw. Prognose verstanden werden. Vielmehr geben sie eine Orientierungshilfe, um das aktuelle Metallpreisniveau vor dem fundamentalen Umfeld beurteilen zu können. Um zu einer abschließenden Bewertung zu gelangen, haben wir für alle fünf Metalle jeweils den Mittelwert der aus den zentralen Einflussfaktoren abgeleiteten Modellwerte gebildet und diese dem tatsächlichen Preisniveau von heute gegenüber gestellt (Abb. Mitte).

Demnach notieren Blei (+43%), Kupfer (+24%) und Zink (+10%) aktuell über dem fundamental “gerechtfertigten“ Niveau, während Aluminium (+0,1%) und Nickel (-13%) als fair bzw. unterbewertet einzustufen sind. Interessanterweise entspricht die so erhaltene Rangfolge dem Ranking aus der inflationsbereinigten Betrachtung (Fünfjahreszeitraum). Gleichwohl spricht auch aus fundamentaler Perspektive wenig für eine allgemeine Metallpreisblase. So weisen gerade einmal zwei der fünf betrachteten Basismetalle eine signifikante Überbewertung ggü. den ermittelten “Soll-Werten“ auf. Es liegt somit näher, dass insbesondere die Preise von Kupfer, Blei und Zink im Rahmen einer “normalen“ Erholung etwas über das Ziel hinausgeschossen sind, nicht jedoch einer völlig irrationalen Übertreibung unterliegen.

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Fazit

Die Bewertung des Preisniveaus von Kupfer, Aluminium und jedem anderen Metall ist letztlich immer eine Frage der Perspektive und lässt sich somit auch nicht mit absoluter Gewissheit beantworten. Nichtsdestotrotz deutet derzeit wenig auf das Vorliegen einer generellen Metallpreisblase hin. Gemessen am Gesamtmarkt wiesen weder der Vergleich mit der historischen Entwicklung, noch der langfristige reale Preistrend oder die Fair Value-Betrachtung extreme Abweichungen nach oben auf. An einzelnen Metallmärkten sind dagegen durchaus gewisse Überbewertungen zu registrieren. Dies gilt insbesondere für die Notierungen von Blei, Kupfer und (eingeschränkt) Zink, weshalb wir hier noch den ein oder anderen deutlichen Rücksetzer in den kommenden Monaten erwarten.

Im Falle von Aluminium und Nickel erscheint das aktuelle Preisniveau aus längerfristiger Sicht - trotz hoher Lagerbestände - hingegen noch relativ günstig.





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