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Industriemetalle auf der Überholspur

26.07.2017 | 11:10 Uhr | Weinberg, Eugen, Commerzbank AG
Energie

Der vom API berichtete starke Rückgang der US-Rohölbestände um 10,2 Mio. Barrel - die Bloomberg-Umfrage rechnet beim heutigen DOE-Bericht mit einem Rückgang um 3,1 Mio. Barrel - ließ den Brentölpreis gestern zeitweise um über 4% steigen und erstmals seit Anfang Juni über der Marke von 50 USD je Barrel schließen. Doch würden wir diese Daten nicht als Zeichen einer Nachfragestärke überinterpretieren. Wir führen den jüngsten Lagerabbau vor allem auf deutlich geringere Importe zurück.

Vor allem versucht zuletzt Saudi-Arabien, durch geringere Öllieferungen in die USA den Lagerabbau dort zu beschleunigen und dadurch die Preise kurzfristig steigen zu lassen. So sind die US-Rohölimporte aus Saudi-Arabien in der Woche zum 14. Juli mit nur 524 Tsd. Barrel täglich auf den tiefsten Stand seit Juni 2010 gefallen. Im ersten Halbjahr lagen sie mit durchschnittlich 1,15 Mio. Barrel täglich mehr als doppelt so hoch.

Man könnte dabei von einer optischen Täuschung sprechen, weil sich die Handelsströme verschieben und sich langfristig nichts ändert. Denn aktuell ist nicht mehr Saudi-Arabien der Grenzproduzent und Preissetzer, sondern die US-Schieferölproduzenten. Daher wird der Preisanstieg nur eine Ausweitung deren Produktion bewirken.

Doch statt diesen gordischen Knoten zu durchschlagen und dem Markt die Preisfindung zu überlassen, versucht Saudi-Arabien mit allen Mitteln den Ölpreis steigen zu lassen, wenn nötig wohl auch im Alleingang. Diese für Saudi-Arabien ungewöhnlich kurzsichtige Haltung sehen wir vor allem in dem Wunsch nach einem erfolgreichen Börsengang von Saudi Aramco begründet.


Edelmetalle

Im Zuge des hohen Risikoappetits der Marktteilnehmer stehen die Edelmetalle seit gestern zumeist unter Druck. Vor allem belastet durch stark steigende Anleiherenditen zum Beispiel von 10-jährigen deutschen Bundesanleihen oder US-Staatsanleihen und auf Rekordniveau notierenden US-Aktienmärkten fällt Gold heute Morgen auf rund 1.245 USD je Feinunze. Es handelt damit etwa 15 USD niedriger als zu Wochenbeginn.

Als weiterer Belastungsfaktor entpuppt sich der US-Dollar. Dieser holt seine starken Verluste von gestern wieder auf, als der EUR-USD-Wechselkurs zeitweise über 1,17 auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren stieg und der US-Dollar-Index auf ein neues 13-Monatstief fiel. Hiervon profitierte der Goldpreis allerdings nicht. Gold in Euro gerechnet fiel aufgrund der Währungsentwicklung wieder zurück auf 1.070 EUR je Feinunze.

Der Preisrückgang gestern wurde von umfangreichen ETF-Abflüssen begleitet. Die Bestände der von Bloomberg erfassten Gold-ETFs wurden um 7,5 Tonnen abgebaut. Seit Monatsbeginn sind Abflüsse von 54 Tonnen zu verzeichnen, womit fast alle Zuflüsse des gesamten letzten Quartals wieder rückgängig gemacht wurden. Die Abflüsse erfolgten dabei nahezu ausschließlich aus dem SPDR Gold Trust. Heute werden sich die Marktteilnehmer wohl auf die Sitzung der US-Notenbank Fed konzentrieren. Wir erwarten jedoch keine neuen Erkenntnisse von der Fed, zumal es nach der Sitzung heute keine Pressekonferenz gibt und nur ein Statement veröffentlicht wird.


Industriemetalle

Ein hoher Risikoappetit der Marktteilnehmer, der sich auch in steigenden Aktienmärkten und Anleiherenditen widerspiegelte, und ein erneut schwacher US-Dollar gaben den Metallpreisen gestern deutlichen Auftrieb. Mit einem Plus von zwischenzeitlich über 4% war Kupfer der größte Gewinner. Die Preisrally setzt sich heute Morgen zunächst fort und Kupfer steigt um weitere knapp 3% auf 6.400 USD je Tonne, den höchsten Stand seit Mai 2015. Offenbar hat das Überschreiten der Marke von 6.000 USD viele Käufer angelockt.

An der SHFE springt Kupfer heute zeitweise um über 5% nach oben. Alle anderen Industriemetalle legen ebenfalls zumeist deutlich zu. Nickel handelt erstmals seit 3½ Monaten wieder über der Marke von 10.000 USD je Tonne. Immer wieder werden positive Konjunkturaussichten in China als Grund für den Preisanstieg genannt und der IWF hatte vorgestern seine Wachstumserwartung für China für dieses und nächstes Jahr leicht angehoben.

Wir teilen diesen Optimismus nicht und erwarten vielmehr ein langsameres Wachstum in China im zweiten Halbjahr. Der Preisanstieg der Metalle dürfte auch weiter stark spekulativ getrieben sein. Schon in der letzten Woche hatten die spekulativen Finanzinvestoren an der LME ihre Wetten auf steigende Kupferpreise deutlich ausgeweitet und so zum Preisanstieg beigetragen. Auch bei Nickel wurden im großen Stil Netto-Long-Positionen aufgebaut. In den letzten beiden Wochen wurden sie um 43% ausgeweitet, was den zeitweise fast 1.000 USD-starken Preisanstieg erklärt.



Agrarrohstoffe

Die Preise für Weizen, Mais und Sojabohnen standen an der CBOT gestern unter Druck. Weizen verbilligte sich um 3% auf 474 US-Cents je Scheffel, Mais um gut 2% auf 382 US-Cents je Scheffel und Sojabohnen um knapp 2% auf 993 US-Cents je Scheffel. Auslöser waren die ergiebigen Regenfälle in weiten Teilen der Anbaugebiete des Mittleren Westens der USA am vergangenen Wochenende. Zudem sind in den kommenden Tagen in den Maisanbaugebieten durchschnittliche bis unter dem Durchschnitt liegende Temperaturen angesagt.

Auch in den bislang von Hitze und Trockenheit besonders betroffenen Sommerweizengebieten in den nördlichen Prärien soll es abkühlen und Niederschläge geben. Die Ergebnisse einer Crop Tour durch Nord-Dakota und angrenzende Gebiete Minnesotas und Süd-Dakotas zeigten unterdurchschnittliche Erträge bei den dortigen Sommerweizenpflanzen. Inwiefern es noch zu einer merklichen Verbesserung der Erträge kommt, bleibt abzuwarten. Denn nicht alle Anbauregionen wurden von den Niederschlägen heimgesucht und der Regenmangel ist teilweise noch immer akut.

Die Gefahr einer weiteren flächendeckenden Verschlechterung des Pflanzenzustands scheint aber zumindest gebannt. Die kurzfristig orientierten Marktteilnehmer hielten in der letzten Woche noch immer beträchtliche Netto-Long-Positionen bei Weizen und Mais. Diese dürften aufgrund der jüngsten Wettermeldungen zumindest teilweise abgebaut worden sein, was den Preisrückgang unterstützt haben dürfte.


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