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Nickelhausse auf wackligem Fundament

27.04.2010  |  Sven Streitmayer (LBBW)
Markt: Nickelpreis stürmt auf Zweijahreshoch

Entgegen unserer Erwartung vollzog der Nickelpreis in den vergangenen 10 Wochen eine rasante Aufwärtsbewegung, in deren Zuge die Notierung an der Londoner Metallbörse von unter 20.000 USD/t in der Spitze auf über 27.000 USD/t geklettert ist. Dies ist zugleich der höchste Stand seit gut zwei Jahren. Gegenüber dem Jahresbeginn verzeichnete das Legierungsmetall damit einen Preiszuwachs von knapp 50% (auf Eurobasis sogar 60%) bzw. rund 8.600 USD. Die hohe Dynamik ist um so bemerkenswerter, da sie nahezu vollständig abgekoppelt vom Gesamtmarktgeschehen statt fand. So legten etwa die Preise für Kupfer und Aluminium im selben Zeitraum nur um etwa 4% zu, während sich das ebenfalls zur Stahlherstellung verwendete Zink sogar um gut 6% verbilligte. Ursächlich für die gänzlich unerwartete Nickelhausse ist aus unserer Sicht eine Kombination aus Produktionsausfällen, beschleunigter Nachfrage und erhöhter spekulativer Aktivität.


LME-Lagerbestände vollziehen Trendwende

Die erheblichen Produktionseinbußen infolge des seit mehr als neun Monaten anhaltenden Arbeitskampfes in den kanadischen Minen des weltweit zweitgrößten Nickelförderers Vale haben den Nickelmarkt zuletzt - weit früher als angenommen - in ein temporäres Angebotsdefizit zurückkehren lassen. Dies hat zugleich die Trendwende bei den massiv angewachsenen Lagerbeständen herbeigeführt. Seit ihrem Allzeithoch Anfang Februar sind die LME-registrierten Nickelbestände daher um knapp 20.000 t bzw. 12% auf derzeit 146.000 t gefallen. Zwar entspricht dies noch immer etwa 40 Tagen des Weltverbrauchs, womit die LME-Lager weiterhin üppig gefüllt sind. Ein Großteil der Bestände (91%) liegt jedoch als "full-plate metal" vor, welches in der Edelstahlproduktion nur als Notlösung Verwendung findet, wenn die Verfügbarkeit von Stahlschrott und den höherwertigen Nickelarten ("briquettes") im LME-System eingeschränkt ist.

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Spekulatives Interesse nimmt deutlich zu

Mit der Trendwende bei den Lagerbeständen und der damit verbundenen Verbesserung der fundamentalen Marktlage hat sich auch das Stimmungsbild unter den Finanzinvestoren zuletzt stark gewandelt. Bestand bis vor einigen Monaten noch Konsens darüber, dass die Preisperspektiven von Nickel aufgrund der Überschuss-Situation zu den schwächsten aller NEMetalle gehören, hat sich das Marktsentiment inzwischen um 180 Grad gedreht. Entsprechend registrierte der Nickelmarkt in den vergangenen Wochen einen massiven Zufluss von spekulativem Kapital, was in dem deutlichen Anstieg des Open Interest zum Ausdruck kommt. So ist die Anzahl offener Kontrakt seit dem Tiefpunkt im Januar um knapp 20% auf aktuell rund 100.000 Lots angewachsen.

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