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Ölblase II (Teil 1): Kampf den Spekulanten

21.08.2009  |  Eugen Weinberg (Commerzbank)
- Seite 4 -
Die Einführung bzw. Verschärfung der Regulierung bei an der CBOT gehandelten Getreide und Ölsaaten zeigte ein ungewöhnliches Bild. Diese haben sich im Gegensatz zu den Energieträgern, Metallen oder Genussmittel relativ schwach entwickelt. Gemessen am S&P GSCI Getreide-Index sind die Preise für Weizen, Mais und Sojabohnen in diesem Jahr um durchschnittlich 16% gefallen. Im Vergleich dazu ist der S&P GSCI Industriemetallindex um 65%, der S&P GSCI Genussmittelindex um 48% und der WTI-Ölpreis um 47% gestiegen (Grafik 8). Wir sehen darin eine Bestätigung dafür, dass das geringere spekulative Interesse auch zu einem allgemein niedrigeren Preisniveau führt. Ein anderes Phänomen ist, dass in Abwesenheit von übermäßiger Spekulation sich die Getreidepreise eher wie zyklische Güter entwickeln (Grafik 9).

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Zum anderen könnte die CFTC ihre Ausnahmeregelungen überprüfen, wonach einige Händler, die sich sowohl zu spekulativen Zwecken am Ölmarkt engagieren als auch zwecks Absicherung physischer Geschäfte, als kommerzielle Händler eingestuft werden. Diese Einstufung ist in vielerlei Hinsicht wichtig, weil dies zum einen die regelmäßig veröffentlichte Positionierung verzerrt. Zum anderen werden die Händler, die “gutgläubige“ Absicherungsgeschäfte betreiben, von vielen Restriktionen ausgenommen, wie z.B. Positionslimitierung.

Insgesamt ist es wünschenswert, dass die Transparenz des regelmäßig veröffentlichen Berichts zur Marktpositionierung von der CFTC erhöht wird. Neben der besseren Einstufung der verschiedenen Händler sollte vor allem die mögliche Abwicklung der außerbörslichen Geschäfte über die offiziellen Clearing-Häuser erheblich dazu beitragen. Dies ist umso wichtiger, weil der Großteil des Handels mit Rohstoffderivaten außerbörslich stattfindet, wo die Aufsichtsbehörden bisher wenig Einblick haben.

Wir glauben, dass die Maßnahmen der CFTC einen starken nachhaltigen negativen Einfluss auf den Ölpreis haben werden. Vor allem ist dies durch die Tatsache bedingt, dass die meisten Anleger gewollt oder ungewollt auf steigende Preise setzen. Zum einen setzen die großen institutionellen Anleger meist auf passive indexbasierte Handelsstrategien bzw. Produkte, die sie als Bestandteil eines diversifizierten Portfolios betrachten. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um “long only“ Produkte, die “buy-and-hold“ Strategie verfolgen.

Zum anderen setzen die Anleger überwiegend auf steigende Preise, wobei einerseits die starke Nachfrage aus den Schwellenländern und andererseits die eingeschränkten Produktionssteigerungen und die Verteuerung der Produktion als Gründe angeführt werden. Reduziert man also den Einfluss der Finanzmarktteilnehmer insgesamt, führt dies zu einem stärkeren Abbau der Long-Positionen, weil die meisten Anleger auf dieser Seite investiert sind. Der Rückzug dieser Anleger sollte wiederum in niedrigeren Preisen resultieren.

Bereits die Spekulationen auf die negativen Effekte der regulatorischen Veränderungen und einen darauf resutierenden Preisverfall dürften zu einer stärkeren Aktivität der Leerverkäufer und einer Umschichtung aus WTI in andere Rohöl-Futures führen. Darauf, dass dies bereits geschieht, deutet u.E. auch die positive Preisdifferenz zwischen Brentöl und WTI-Rohöl hin. Für dieses Phänomen werden meist knappe Lagerkapazitäten in Cushing genannt, dem Liefer- und Lagerort für WTI-Rohöl.

Allerdings hat dieses Argument insbesondere in diesem Jahr stark an Glaubwürdigkeit eingebüßt, nachdem die Ölunternehmen ihre Lagerkapazitäten stark ausgeweitet haben und mittlerweile rund 50 Mio. Barrel in der Region um Cushing gelagert werden können. Die Rohöllagerbestände in Cushing liegen laut US-Energieministerium gegenwärtig bei “lediglich“ 33,3 Mio. Barrel. Wir sehen daher eine weitere Erklärung für diese Differenz. Zum einen tragen die spekulativen Leerverkäufe im Hinblick auf die kommenden regulatorischen Veränderungen bei WTI-Rohöl dazu bei.

Zum anderen schichten Anleger möglicherweise vom in den USA notierenden WTI-Rohöl in Brentöl um, was haupsächlich an der ICE in London gehandelt wird. Die europäischen Behörden werden nach Ansicht des Marktes die regulatorischen Bestimmungen nicht so stark verschärfen wie die US-Behörden. Dies belegen zahlreiche Äußerungen und Reaktionen in der Vergangenheit. So waren sogar angeblich die mutmaßlichen Marktmanipulationen am Gasmarkt durch den Hedge-Fonds Amaranth ohne laxe Bestimmungen in London nicht möglich.

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