Kupfer – das neue Silber?
Während Silber bereits explodiert ist, entsteht im Schatten der Märkte der nächste große Rohstoff-Schock. Kupfer läuft auf eine historische Angebotslücke zu, genau in dem Moment, in dem Elektrifizierung, Energiewende und Künstliche Intelligenz den Bedarf strukturell nach oben treiben. Einer der relevantesten Rohstoffe wird knapp, während seine Bedeutung für die neue Weltordnung explodiert und der Markt hat diese Realität bis heute nicht eingepreist.Silber steckt klar in einem historischen Bullenmarkt. Der Preis ist in kürzester Zeit explodiert und hat zwischenzeitlich sogar die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar überschritten. Diese Bewegung war begleitet von extremer Volatilität – ein typisches Zeichen für einen hochgehebelten Papiermarkt, in dem Preise schneller fallen können, als sich Fundamentaldaten ändern.
Genau deshalb ist die Unterscheidung entscheidend: Physisches Silber ist kein Papiersilber. Während Futures und Derivate von Liquidationen und Margin Calls getrieben werden, bleibt der physische Markt strukturell eng. Parabolische Anstiege zeigen, dass ein Großteil der kurzfristigen Fantasie bereits eingepreist ist.

Für langfristig orientierte Sachwertinvestoren geht es deshalb nicht um die nächste schnelle Bewegung im Chart, sondern um die Frage, wo der nächste strukturelle Engpass entsteht – und damit die nächste große Chance?
Kupfer: Unterschätzter Rohstoff der Künstlichen Intelligenz
Die Antwort führt zu einem Metall, das deutlich weniger emotional aufgeladen ist als Gold oder Silber aber für die moderne Welt ungleich wichtiger: Kupfer.
Silber profitiert aktuell von mehreren Faktoren gleichzeitig: monetäre Unsicherheit, Inflationserwartungen, geopolitische Spannungen und eine wachsende industrielle Nachfrage. Gleichzeitig steigt mit zunehmendem Preisniveau die Wahrscheinlichkeit starker Rücksetzer, so wie wir Sie bereits Ende Januar eindruckvoll erlebt haben, als Silber innerhalb eines Tages um satte 35 Prozent einbrach. Historisch betrachtet enden parabolische Anstiege fast immer in hoher Volatilität.
Interessant ist dabei ein oft übersehener Aspekt: Ab einem Silberpreis von rund 134 US-Dollar beginnt Substitution wirtschaftlich sinnvoll zu werden (siehe nächster Chart). In industriellen Anwendungen kann Silber dann zunehmend durch günstigere Metalle wie Aluminium ersetzt werden. Auch das setzt dem Aufwärtspotenzial mittelfristig Grenzen.

Für Anleger bedeutet das: Silber bleibt langfristig interessant – doch der asymmetrische Chancenraum verschiebt sich. Kupfer hat hingegen keine monetäre Komponente. Kupfer ist entscheidend für die Infrastruktur des 21. Jahrhunderts.
Ohne Kupfer funktionieren weder Stromnetze noch Elektromobilität, Rechenzentren, erneuerbare Energien oder moderne Industrieprozesse. Die Elektrifizierung der Welt ist ohne Kupfer schlicht unmöglich. Und der Bedarf ist enorm. Ein Blick auf den Verkehrssektor verdeutlicht die Dimension:
Ein klassischer Verbrenner enthält rund 22 Kilogramm Kupfer
Ein Hybridfahrzeug bereits etwa 40 Kilogramm
Ein reines Elektroauto benötigt im Schnitt über 80 Kilogramm Kupfer
Und dabei ist die gesamte Lade- und Netzinfrastruktur noch nicht berücksichtigt. Transformatoren, Hochspannungsleitungen, Schnellladestationen und Speicherlösungen sind extrem kupferintensiv. Während die Nachfrage strukturell steigt, gerät das Angebot zunehmend unter Druck.
Prognosen gehen davon aus, dass die Welt bis 2040 mit einem Kupferdefizit von rund 10 Millionen Tonnen konfrontiert sein könnte (siehe nächster Chart). Das entspricht etwa einem Drittel der heutigen Jahresnachfrage. Das zeigt der folgende Chart der Financial Times.

Gleichzeitig wird erwartet, dass die globale Kupfernachfrage von derzeit rund 28 Millionen Tonnen auf etwa 42 Millionen Tonnen ansteigt. Getrieben wird dieser massive Zuwachs vor allem durch die fortschreitende Elektrifizierung des Verkehrs, den weltweiten Ausbau der Stromnetze, die anhaltende Urbanisierung insbesondere in Asien sowie den insgesamt stark steigenden Energiebedarf. Ein zusätzlicher, zunehmend bedeutender Faktor ist der rasante Ausbau der Künstlichen Intelligenz, der enorme Mengen an Strom – und damit Kupfer – erfordert.
Besonders bemerkenswert ist dabei der rasant steigende Kupferbedarf von KI-Rechenzentren, der bis zum Jahr 2040 um mehr als 120 Prozent zulegen könnte. Rechenzentren gehören zu den kupferintensivsten Infrastrukturen überhaupt – von der Hochspannungsanbindung über Kühl- und Verteilungssysteme bis hin zur internen Verkabelung. Dem steht eine Angebotsseite gegenüber, die kaum in der Lage ist, flexibel zu reagieren: so wird bis 2040 ein Angebotsdefizit von ca. 14 Millionen Tonnen erwartet.



