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Wie die USA künftig als LNG-Anbieter den Gasmarkt verändern

24.01.2014  |  Eugen Weinberg (Commerzbank)
Die USA wollen künftig verflüssigtes Erdgas (LNG) an den Gasmärkten in Übersee anbieten. Auch wenn das zusätzliche US-Angebot verglichen mit den Mengen des zweiten Aufsteigers am LNG-Markt, Australien, klein ausfällt, dürfte es langfristig die internationalen Preise dämpfen, denn das US-Angebot ist nicht ölpreisgebunden und von größerer Flexibilität. Da die USA zusätzlich via Pipeline ihre Gasexporte ausweiten werden, wird der Henry Hub Preis wohl leicht steigen. Der Rückkopplungseffekt dürfte jedoch aufgrund der hohen Verfügbarkeit von Gas begrenzt sein. Die hohen Produktions- und Transportkosten von LNG sprechen zudem gegen eine Angleichung der internationalen Preise.

Noch bis Mitte des letzten Jahrzehnts hatten die Experten der US-Energiebehörde EIA mit einem auf Jahre hinweg steigenden Gasimportbedarf der USA gerechnet. Aufgrund der Befürchtung eines zugleich fallenden Gasangebots aus Kanada wurde kräftig in neue Importkapazitäten investiert: Fünf neue Einfuhrstraßen für verflüssigtes Erdgas (LNG) wurden insgesamt geschaffen, von denen die letzte erst Ende der Dekade fertig gestellt wurde.

Doch bekanntermaßen hat der Schiefergasboom zu einer Trendwende am US-Gasmarkt geführt und die US-Gasimporte schrumpfen lassen (Grafik 1). In ihrem jüngsten Ausblick für den amerikanischen Energiemarktstellt die US-Energiebehörde EIA nun in Aussicht, dass die USA ab dem Jahr 2016 per saldo LNG exportieren werden. Wir schauen uns im Folgenden an, was die Trendwende für die globalen Märkte bedeutet und welche Rückkopplungseffekte auf den US-Markt zu erwarten sind.

Der Anstieg der Schiefergasproduktion ist nach den Boomjahren ins Stocken geraten. Das ist aber keineswegs einer geringeren Verfügbarkeit geschuldet; im Gegenteil, im Herbst hatte die US-Energiebehörde ihre Schätzungen für die nachgewiesenen Gasreserven nochmals um fast 10% angehoben. Mit einer Erhöhung um mehr als 30 Billionen Kubikfuß war dies nach dem Vorjahr die zweithöchste Anhebung seit 1977. Mit knapp 350 Billionen Kubikfuß werden die US-Reserven heute 80% höher eingeschätzt als vor zehn Jahren (Grafik 2).

Ausschlaggebend für die stagnierende Produktion dürfte vielmehr die Sättigung des US-Marktes sein, infolge derer die Preise am Markt stark unter Druck gerieten. Kaum überraschend ist es daher, dass sich die amerikanischen Produzenten neue Absatzmärkte im Ausland suchen wollen. Da das Wachstumspotenzial in den über Pipeline angeschlossenen Auslandsmärkten (Kanada und Mexiko) allerdings begrenzt ist, wollen sich die Produzenten über die Verflüssigung von Erdgas neue Absatzmärkte in Übersee zu erschließen.


Ein langer Weg bis zur Genehmigung eines Verflüssigungsterminals

Dass bislang nur ein Verflüssigungsterminal die volle Genehmigung hat, ist auch auf die langwierigen Verfahrenswege zurückzuführen. Grundsätzlich sind zwei wichtige Hürden zu nehmen:

1) die Genehmigung zum Export von LNG durch das US-Energieministerium, die auf die Bedeutung des Rohstoffs im Außenhandel abstellt. Dabei gilt ein einfaches Genehmigungsverfahren für Länder, die mit den USA ein Freihandelsabkommen haben, weil in diesem Fall ein "öffentliches" Interesse vorliegt. Südkorea ist das einzige Land mit einem FTA-Abkommen mit den USA, das größere Mengen LNG importiert. Das größere Nachfragepotenzial wird aber in Ländern gesehen, die kein Freihandelsabkommen mit den USA haben. Grundsätzlich können Exportlizenzen zurückgezogen werden, aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist eher gering.

2) die Erlaubnis zum Bau einer Verflüssigungsanlage, welche die "Federal Energy Regulatory Commission" (FERC) erteilt. Dabei steht die Konstruktion der Anlage im Mittelpunkt und deren Auswirkungen auf die Umwelt. Der Verfahrensweg ist aufwendig, teuer und zeitintensiv.

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Bereits vor fünfzig Jahren wurde LNG als neue Transporttechnologie in Betrieb genommen. Aber vor allem in den letzten Jahren hat der Vertriebsweg deutlich an Bedeutung gewonnen. Im vergangenen Jahr stellte der LNG-Handel 32% des weltweiten Gashandels. Gut 70% des weltweiten LNG-Handels entfiel dabei auf Asien, wo wiederum Japan und Südkorea für drei Viertel der Importe stehen.

Aber auch die USA haben schon einen großen Fußabdruck in diesem Markt hinterlassen: neben den geringfügigen LNG-Ausfuhren, die in der Vergangenheit von Alaska nach Japan flossen, die aber wegen der Erschöpfung der Reservoirs zuletzt deutlich gesunken sind, hatten die USA vor allem auf der Nachfrageseite ihre Position aufgebaut: Mit einer Kapazität von rund 140 mmpta (1) haben die Vereinigten Staaten nach Japan die zweitgrößten Kapazitäten zur Wiederverdampfung, wobei deren Auslastung aufgrund des gesunkenen Importbedarfs im letzten Jahr fast bei Null lag.

Doch nun wollen die USA als Anbieter den globalen LNG-Markt betreten. Im Herbst lagen in den USA gut 30 Anträge zur Genehmigung von Verflüssigungsanlagen vor, teilweise an bestehenden Wiederverdampfungsanlagen, teils an neuen Standorten. In Summe würden sich die Kapazitäten laut IEA auf mehr als 250 Mio Kubikmeter pro Jahr bzw. rund 33 Mrd. Kubikfuß pro Tag belaufen, was der Hälfte der derzeitigen US-Produktion entspräche.

Offensichtlich ist das Interesse groß, an dem derzeit ausgesprochen hohen Preisabstand zwischen den zumeist Ölpreis-indexierten LNG-Preisen und den niedrigen Henry Hub Preisen zu verdienen. Allerdings wird wohl nur ein kleiner Teil der geplanten Kapazitäten realisiert werden.

Die meisten Anlagen sind am Golf von Mexiko geplant. Auch das Pilotprojekt, der Sabine Pass LNG Terminal, liegt auf der Grenze zwischen Louisiana und Texas am Fluss Sabine. Der LNG-Terminal verfügt bereits über Wiederverdampfungsanlagen und eine entsprechende Infrastruktur. So gibt es eine Hafenanlage mit Platz für zwei LNG-Tanker. Insgesamt sind bereits bis zu 6 Verflüssigungsstraßen geplant, und für vier Straßen sind bereits volle Genehmigungen erteilt (Kasten). Laut dem Jahresbericht der International Gas Union zum LNG Markt waren viele Unternehmen zurückhaltend, mit dem Betreiber Cherniere feste Verträge abzuschließen, da Cherniere bislang in diesem Projektfeld wenig Erfahrung hat.

Nach einem ersten Abschluss mit British Gas folgten auch andere Interessenten. Laut Chenieres Zeitplan soll im vierten Quartal 2015 die erste Verflüssigungsstraße in Betrieb genommen werden.

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