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Wie die USA künftig als LNG-Anbieter den Gasmarkt verändern

24.01.2014  |  Eugen Weinberg (Commerzbank)
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Die Weichen für den Export von LNG sind also gestellt. Doch welche reiseffekte wird der US-Export auf die internationalen Preise haben, die derzeit soweit auseinander liegen wie selten zuvor (Grafik 3)? Der erste Teil der Antwort ist leicht zu geben: Angleichen werden sich die Preise (vorerst) nicht. Denn der Export von LNG lohnt sich für die US-Produzenten nur, wenn die noch immer hohen Kosten der Transportlogistik gedeckt sind, die sich aus Verflüssigung, Transport und Wiederverdampfung zusammensetzen.

Zwar können die USA von der Nutzung freier Wiederverdampfungsanlagen profitieren und so Kostenersparnisse von bis zu 40% gegenüber Neuanlagen erzielen. Dennoch liegen die Kosten für die Verflüssigung je verkaufter Einheit - 9% der Produktion wird während des Prozesse selbst verfeuert - laut Schätzungen des Beratungsunternehmens NERA auch in den USA bei immerhin gut 2,1 USD je mmBtu, verglichen mit Kosten von 2,80 USD im Nahen Osten bzw. 4,2 USD in Ozeanien.

Hinzu kommen die Kosten der Verschiffung: diese variieren von 1,50 USD je mmBtu von der Golfküste nach Europa bis 2,80 USD je mmBtu nach Indien /China. Die dritte Kostenkomponente sind die Kosten der Wiederverdampfung, die bei rund 0,8 USD je mmBtu starten. In Summe würden die Kosten demnach im günstigsten Fall gut 4 USD je mmBtu betragen; die Internationale Energieagentur hat in ihrem jüngsten World Energy Outlook 2013 die Herstell- und Transportkosten von den USA nach Europa für das Jahr 2020 im günstigsten Fall auf 4,3 USD je mmBtu bzw. 5,3 USD nach Japan beziffert (jeweils in 2012 US-Dollar).

Eine Angleichung der internationalen Gaspreise kann man also ausschließen. Aber wie stark werden sich die Preise annähern? Schaut man nur auf die Nachfrageseite würde man zunächst mutmaßen, dass der hohe Preisabstand Bestand haben könnte. Denn vor allem weil Gas zu den sauberen Energieträgern zählt, gehen die meisten Experten von einer deutlich steigenden Nachfrage aus, insbesondere in den Schwellenländern.

In China beispielsweise rechnet die IEA mit einer Verdoppelung der Gasnachfrage bis 2020 (Grafik 4) Auch wenn mit der Schiefergasförderung die heimische Gasproduktion massiv vorangetrieben wird und zugleich das vorhandene Pipelinenetz erweitert bzw eine zusätzliche Rohrleitung aus Myanmar gebaut werden soll, wird China zunehmend auf LNG-Importe angewiesen sein. Gas wird aber auch im Nahen Osten immer gestärkt nachgefragt. Dieser Trend sollte sich fortsetzen, so dass dieser im Jahr 2025 sogar mehr Gas nachfragen dürfte als die Europäische Union.

Die Nachfrageperspektiven sind also gut. Werden die US-Exporte die Angebotsseite verändern? Betrachtet man rein die (genehmigten) Volumina, die in den nächsten fünf Jahren durch die USA auf den Markt kommen, wohl eher nicht: Die vier Verflüssigungsstraßen des Sabine Pass Terminals machen im Jahr 2017 weniger als 5% des weltweiten Angebots aus (Grafik 5).

Vor allem in Australien werden indiesem Zeitraum ebenfalls massiv Kapazitäten aufgebaut, und zwar mehr als dreimal so viel wie in den USA. Es ist sogar zu erwarten, dass Australien im Jahr 2020 mit dem bislang größten LNG-Anbieter Katar gleichziehen wird, der derzeit über 25% des globalen Marktes stellt.

Dennoch wird das US-Angebot Bewegung in den Markt bringen, den anders als bei dem übrigen LNG-Angebot sind die Angebotspreise nicht an die Ölpreisentwicklung gebunden. Vielmehr ist die Basis für die bislang abgeschlossenen Verträge der Abnahmepreis Henry Hub plus einem Zuschlag für Verarbeitung und Transport. Damit wird also das bestehende Preisgefüge am LNG-Markt aufgebrochen. Das könnte den Preis durchaus drücken, wie Grafik 6 mit den stilisierten Angebots-Nachfragebeziehungen zeigt.


Wie bestimmen sich die LNG-Preise in Asien bislang?

In Asien sind die LNG-Preise grundsätzlich an den Ölpreis gebunden. Referenzpreis ist in der Regel der durchschnittliche japanische Importpreis, der sogenannte "Japanese Crude Cocktail". Verhandlungssache ist aber, wie sich aus dem Ölpreis der LNG-Preis ableitet. Grundsätzlich enthält ein mmBtu Gas 16,67% der Energieeinheiten einesBarrels Rohöl, das ist das sogenannte 6:1 Heizverhältnis. In den Verträgen liegt das Umrechnungsverhältnis (die "slope") aber in der Regel zwischen 14 und 15%. Dabei wird dieser Umrechnungsfaktor manchmal abhängig von Ölpreisniveau definiert wird. Zudem enthalten die Verträge oft fixe Zuschläge.

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Wie stark der Preiseffekt sein wird, hängtzweifellos auch davon ab, wie hoch die Rückkoppelungseffekte auf den amerikanischen Gaspreis sind. Auf die grundsätzlich komfortablen Produktionsperspektiven angesichtsder reichlichen Verfügbarkeit hatten wir anfangs schon hingewiesen. Dennoch dürfte ein höheres Absatzpotenzial bzw. eine höhere Nachfrage zu steigenden Preisen führen, zumal gleichzeitig die Pipelineimporte aus Kanada weiter fallen und die Pipelineexporte vor allem nach Mexiko steigen werden (Grafik 7).

Das Beratungsunternehmen NERA hat im Auftrag des US-Energieministeriums versucht, die Preiseffekte zu quantifizieren. Mit Beginn der LNG-Ausfuhren im Jahr 2015 wird in der Spitze mit einem Preiseffekt von 0,33 USD je mmBtu gerechnet. Allerdings dürfte der Effekt mit zunehmenden LNG-Ausfuhren zunehmen. Nach fünf Jahren wird mit einem Preisanstieg von maximal 1,1 USD je mmBtu gerechnet, falls die internationale Nachfrage hinreichend schnell wächst und zugleich die übrige Welt nur ein begrenztes zusätzliches Angebot stellt.

Betont wird in dieser Studie auch noch einmal, dass der Preiseffekt durch den notwendigerweise hinreichend großen Preisabstand zur Deckung der Transportkosten begrenzt ist. Sollte die Preise über dieses Maß steigen, würden die asiatischen Käufer kein US-Gas mehr abnehmen.

Das im internationalen Vergleich niedrige US-Gaspreisniveau ist also eine Voraussetzung für den US-LNG-Export. Doch auch in den USA sind die niedrigen Gaspreise nicht ganz unabhängig von dem hohen Ölpreisniveau. Denn zuletzt wurde vor allem dort gebohrt, wo neben Gas auch die sogenannten NGLs (flüssige Erdgaskondensate) zu fördern sind. Die damit zu erzielenden Erlöse haben implizit die Kosten der Gasproduktion gesenkt.

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Auf einen Blick

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