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Edelmetalle Aktuell

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Ein wenig Vorsicht ist dennoch angebracht. Die Käufer sowohl von ETFs, wie auch Terminkontrakten haben in den letzten Wochen zwar massiv Silber gekauft, die physische Nachfrage nach Barren und Münzen hat damit aber nicht Schritt halten können. Bei den Barren gibt es aktuell z.B. keinerlei Lieferfristen. Auch liegt der industrielle Verbrauch derzeit nicht so hoch, wie man angesichts etlicher positiver Unternehmensnachrichten vermuten könnte. Im Gegenteil, bei Granalien, der im industriellen Bereich verwendeten Form des Metalls, gibt es derzeit sogar ein Überangebot.

Kurzfristig wird der letztgenannte Punkt aber keinen Einfluss auf die Preisgestaltung haben. Das weiße Metall notierte zeitweise nämlich an einem wichtigen Chartpunkt, dessen Durchbrechen weitere Gewinne bringen könnte. Falls es deshalb in absehbarer Zeit die Marke von 41,40 $ nachhaltig übersteigen kann, könnte es leicht zu noch mehr spekulativer Nachfrage und damit zu weiteren Kursgewinnen kommen. Auf der anderen Seite liegt ein kritischer Chartpunkt bei 40,50 $ je Unze. Falls diese Marke nicht hält kann die Notierung auch noch einmal 1-2 Dollars verlieren, allerdings ohne, dass dabei der in letzter Zeit herausgebildete längerfristige Aufwärtstrend gebrochen würde.


Platin

Der Platinpreis, der sich im zweiten Quartal bestenfalls seitwärts bewegte und oft genug auch erhebliche Rückschläge zu verkraften hatte, konnte im Juli eine vorsichtige Trendwende einleiten. Die Notierung stieg dabei in der Spitze auf 1.815 $ je Unze an, dieser Kurs, es war der höchste der letzten sechs Wochen, wurde am frühen Mittwochmorgen erreicht.

Wichtiger Faktor für die Kursgewinne in den letzten 24 Stunden war nach Angaben von Analysten die Streikandrohung der südafrikanischen Bergarbeiter im Goldsektor. In diesem Zusammenhang wurde die Befürchtung geäußert, dass die Streiks auch die Platinminenindustrie erfassen könnten.

Während das Land am Kap nur noch der viertgrößte Goldproduzent weltweit ist und damit längst nicht mehr so maßgeblich wie noch in der Vergangenheit, sieht es bei den Platinmetallen schon anders aus. Beim Platin selbst ist Südafrika bekanntermaßen der mit Abstand wichtigste, bei den kleinen Platinmetallen sogar fast alleiniger Produzent. Und auch beim Palladium hat das Land am Kap einen bedeutenden Marktanteil als Nr. 2 hinter Russland.

Ein branchenweiter Streik bei den Platinproduzenten hätte deshalb tatsächlich erhebliche Auswirkungen. Wir haben allerdings aus Südafrika bisher keinerlei Bestätigung dafür gesehen, dass ein Streik in den Platinminen tatsächlich drohen könnte und würden das Thema im Moment deshalb nicht überbewerten.

Allerdings schließt das im Moment weitere Kursgewinne trotzdem nicht aus. Durch den Anstieg der letzten Tage und besonders auch der vergangenen Nacht hat sich nämlich das charttechnische Bild deutlich aufgehellt. Sollte es nun noch einmal 10 Dollars klettern, würde es endgültig aus der seit Anfang Mai andauernden Konsolidierungsphase ausbrechen. Dann wären zunächst der Höchstkurs von Juni bei rund 1.850 $ und dann das im April erreichte Jahreshoch von 1.885 $ je Unze die nächsten Ziele.

Die industrielle Nachfrage nach Platin kann man derzeit bestenfalls als gemischt ausfallend bezeichnen. Sommerferien, schon vorab gekaufte Vorräte und Rückschläge bei den Autoabsatzzahlen in einigen Märkten hinterlassen unserer Meinung nach auf der Nachfrageseite deutliche (Brems-)Spuren.

Aber auch was Anleger und Spekulanten angeht, waren diese sich zumindest anfänglich alles andere als sicher, ob sie zusätzlich zu Gold und Silber auch auf Platin setzen sollten. So gab es an den Terminbörsen in New York und Tokio zunächst erhebliche Abgaben, dies drehte sich erst - dann allerdings sehr deutlich - in der vergangenen Woche. Auch die Käufer von ETFs haben das weiße Metall in den vergangenen vier Wochen nur in geringem Maße gekauft. Zu guter Letzt gibt es auch bei den Investmentbarren aktuell keine größere Nachfrage, über die man berichten könnte. Sämtliche Stückelungen sind ohne Lieferfristen sofort verfügbar.

Was den Ausblick angeht, würden wir Anlegern in der derzeit insgesamt doch eher undurchsichtigen Lage raten, das Platin zu meiden und das trotz des gar nicht so schlechten charttechnischen Umfelds. Erst nach einem Rückschlag, der bei neuen schlechten Nachrichten aus der Wirtschaft im zweiten Halbjahr durchaus möglich erscheint, sollte man über einen Einstieg nachdenken.


Palladium

Deutlich zuversichtlicher als beim Platin scheinen sowohl kurzfristig agierende Spekulanten, wie auch längerfristig orientierte Investoren beim Palladium zu sein. Beide Gruppe haben zwischen dem Monatsanfang und dem Ende der letzten Woche über 11 Tonnen Metall und dem Markt damit einen nicht zu vernachlässigenden Anteil einer Jahresproduktion entzogen. Angesichts weiterer Kurssteigerungen im Laufe dieser Woche dürften sich diese Positionen noch weiter erhöht haben.

Es gab dabei im Markt Gerüchte, dass sich Inhaber von spekulativen Minuspositionen eindecken mussten, nachdem der Preis einen wichtigen Chartpunkt nach oben durchbrochen hatte. Ein Teil der Käufe habe auch mit geschriebenen Kaufoptionen im Zusammenhang gestanden, für die in den steigenden Markt hinein Deckungskäufe getätigt werden mussten.

Sollte der Preis in einem nächsten Schritt nun auch noch den langjährigen Höchstkurs vom Februar überspringen, ist nicht auszuschließen, dass die Märkte die Marke von 1.000 $ je Unze ins Visier nehmen.

Angesichts dessen, dass das Wachstum bei den Autoverkäufen vor allem in Regionen mit palladiumhaltigen Abgasreinigungsanlagen stattfindet, gäbe es für eine solche Entwicklung sogar eine fundamentale Begründung.


Rhodium, Ruthenium, Iridium

Die kleinen Platinmetalle haben in den letzten Wochen wieder einmal an der Seitenauslinie gestanden. Relativ am meisten passierte dabei noch beim Rhodium, das nach einer längeren Durststrecke wieder verstärkte Nachfrage aus Asien verzeichnete. Wir schließen nicht aus, dass dieser Trend in nächster Zeit anhalten wird und dass der Preis in der Folge auch wieder die Marke von 2.000 $ testen könnte.

Ruthenium hat sich praktisch nicht verändert, mit jetzt 165 $ - 180 $ wurde allerdings der Geldkurs etwas nach unten genommen.

Überhaupt keine Veränderung gab es beim Iridium, das unverändert bei 1.025 $ - 1.075 $ notiert.


© Wolfgang Wrzesniok-Roßbach
Heraeus Metallhandelsgesellschaft mbH





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