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Blickpunktthema Seltene Erden

10.05.2011  |  Sven Streitmayer (LBBW)
- Seite 4 -
Nachfrageentwicklung

Vor dem Hintergrund des starken Preisanstiegs und der zunehmend schwierigen Versorgung von Unternehmen außerhalb Chinas mit Seltenen Erden wird häufig darüber spekuliert, dass es zu weit reichenden Substitutionseffekten kommen könnte. Wir teilen diese Ansicht aus zwei Gründen nicht. Zum einen ist der Anteil der REO-Kosten an den Gesamtkosten der Endprodukte zumeist sehr gering, so dass selbst massive Preiszuwächse bei den Seltenen Erden nur moderat durchschlagen. Zum anderen lassen sich die REO aus technologischen Gründen in einem Großteil der Anwendungsgebiete nicht oder nur durch qualitativ deutlich schlechtere Alternativen substituieren. Folgerichtig dürfte sich die Nachfrage nach Seltene Erden auch weiterhin weitestgehend preisunelastisch verhalten.

Mit Blick auf die zukünftige Nachfrageentwicklung der Seltenen Erden rechnen wir auf der Grundlage von Roskill-Schätzungen, wie oben bereits erwähnt, bis 2014 mit einem jährlichen Bedarfswachstum zwischen 7 und 15%. Auf Branchenebene sehen wir die Batterieherstellung mit einem Verbrauchsanstieg von 15% p.a. im selben Zeitraum als größten Wachstumstreiber der REO-Nachfrage, gefolgt von Magneten (+13%), der Metallurgie (+11%), Poliermitteln (+10%), Katalysatoren (+8%) und Gläsern (+3%).

Als wesentliche Wachstumsimpulse für Seltene Erden betrachten wir indes den von der chinesischen Regierung geplanten starken Ausbau der Windkraft, von heute rund 26 GW auf möglicherweise 150 GW in 2020 sowie die zügige Verbreitung vom Hybrid und Elektrofahrzeugen. Pro durch Windkraftanlagen mit NeodymEisen-Bor- Magneten erzeugte GW benötigt man ca. eine Tonne Neodym. 2010 wurden ca. 22.400 t des Metalls gefördert. Sollte es den Windkraftanlagenbauern außerhalb Chinas nicht gelingen sich genügend REO zu sichern, könnten sich einige Unternehmen gezwungen sehen auf weniger effiziente Technologien umzusteigen. Skurrilerweise scheint sich gerade aus der Furcht vor Versorgungsengpässen ein neuer “Nachfragetreiber“ zu entwickeln, der derartige Knappheitssituationen noch verschärfen könnte: der Aufbau einer großvolumigen Lagerhaltung bei Staaten und Unternehmen, wie es sich im Reich der Mitte abzeichnet.


Schätzung der Marktsalden

Für unsere Schätzung der zukünftigen AngebotsNachfrage-Salden (vgl. Abb.) haben wir neben den oben erläuterten Nachfrageprognosen (Ø 9% p.a.) eine Art Best Case Szenario für das zu erwartende Minenangebot herangezogen. Hierbei gehen wir davon aus, dass alle uns bekannten Minenprojekte, für die uns Daten vorliegen, wie geplant mit der Produktion beginnen werden. Als zusätzliche Annahme ist dem Modell ein weiterer Rückgang der chinesischen Exporte auf nur noch 25.000 t REO im Jahr 2011 und 20.000 t in den Folgejahren zugrunde gelegt. Per saldo zeigen die Projektionen unter den genannten Bedingungen, dass die Angebotsknappheit außerhalb Chinas noch bis mindestens Ende 2011 anhalten sollte. Für das Gesamtjahr 2011 steht demnach ein Marktdefizit in einer Größenordnung von etwa 10.000 t bzw. etwa 17% der Gesamtnachfrage ex China zu befürchten.

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Dagegen könnten die Erschließung neuer und die Reaktivierung alter Lagerstätten die bestehenden Knappheiten bereits ab 2012 signifikant lindern und in den Folgejahren sogar zu Überschüssen führen. Bei den Einzelmetallen dürften vorerst insbesondere die Elemente Praseodym, Neodym, Lanthan und abgeschwächt Yttrium Angebotsdefizite aufweisen. An dieser Stelle sei jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die hier diskutierten Marktprojektionen keine quantitativen Vorhersagen der tatsächlichen künftigen Entwicklung darstellen, sondern lediglich als Orientierungsrahmen für die zentralen Einflussfaktoren, Wachstumstreiber sowie für potenzielle Versorgungsengpässe dienen sollen.


Fazit

Aus unserer Sicht ist für die kommenden Jahre von einer anhaltend hohen bzw. wachsenden Nachfrage nach Seltenen Erden auszugehen. Die Erdbeben-Katastrophe in Japan (größter Abnehmer außerhalb Chinas) hat bisher keine nachhaltigen Auswirkungen auf die Nachfrage nach REO gehabt. Selbst unter der Prämisse, dass sich die dortige Wirtschaft nicht all zu schnell erholen dürfte, werden die japanischen Unernehmen u.E. bestrebt sein ihre zukünftige Versorgung zu sichern und entsprechend ihre Lager mit REO auffüllen.

Dessen ungeachtet wird die Exportpolitik Chinas und der Erfolg oder Misserfolg der neuen Minenprojekte darüber entscheiden wie lange das Angebotsdefizit an den Märkten außerhalb der Volksrepublik noch anhält. Entspannung ist vermutlich frühestens ab 2012 zu erwarten, sofern die australische Lagerstätte Mount Weld plangemäß in die Produktion einsteigt. Eine drastische Verbesserung der Angebotssituation verspricht zudem die für Ende 2013 avisierte Wiedereröffnung des Mountain Pass Deposit.

Langfristig sehen wir die Versorgungslage der leichten Seltenen Erden als gesichert an, da weitere Minen außerhalb Chinas mit der Förderung von REO beginnen sollten. Alleine durch ein Projekt im grönländischen Kvanefjeld werden womöglich bereits ab 2015 bis zu 100.000 t Seltene Erden pro Jahr gefördert werden. Die Preise der leichten Seltenen Erden dürften somit früher oder später unter Druck kommen. Dagegen dürften die Preise der schweren Seltenen Erden auf hohen Niveaus verharren, da besonders die Nachfrage nach diesen Stoffen stark bleiben wird und zugleich die meisten neuen Minenprojekte nur geringe Vorkommen an schweren Seltenen Erden aufweisen.


© Dimitri Widmann, Sven Streitmayer
Commodity Analysten

Quelle: Landesbank Baden-Württemberg, Stuttgart



Literatur:

USGS (2010): Historical Statistics for Mineral and Material Commodities in the United States: Rare Earths.
USGS (2008-2011): Mineral Commodity Summaries: Rare Earths.
USGS (2008): Minerals Yearbook Rare Earths.
ISI und IZT (2009): Rohstoffe für Zukunftstechnologien.
Roskill und IMCOA (2009): Rare earths - a golden future or overhyped?






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