Ausblick 2011 für Getreide, Sojabohnen, Baumwolle

Baumwolle: Angebotsknappheit dürfte 2011 allmählich nachlassen
Mit einem Preisanstieg um mehr als 90% gehörte Baumwolle zu den Rohstoffen mit der besten Preisentwicklung im vergangenen Jahr. Ende Dezember wurde bei knapp 160 US-Cents je Pfund ein Rekordhoch erreicht. Hinter der Verteuerung steht eine spürbare Verknappung des Angebots. Laut US-Landwirtschaftsministerium sollen die Baumwollvorräte im weltgrößten Exportland USA zum Ende des laufenden Erntejahres im Juli auf ein Rekordtief von 414 Tsd. Tonnen fallen. Weltweit betrachtet sollen die Lagerbestände auf das niedrigste Niveau seit 15 Jahren absinken (Grafik 8).
Während im Erntejahr 2009/10 noch ein globales Marktdefizit von 3,6 Mio. Tonnen bestand, dürfte der Baumwollmarkt in diesem Erntejahr laut USDA nur noch ein marginales Defizit aufweisen. Die globale Baumwollproduktion soll dabei dank höherer Ernten in den USA und Indien um 14% auf 25,2 Mio. Tonnen steigen. Dem steht ein Angebotsdefizit von knapp 4 Mio. Tonnen in China gegenüber. Ein neues Risiko für das Angebot stellen die Überflutungen beim viertgrößten Exporteur Australien dar. Für Australien wurde seitens des USDA mit einem Anstieg des Erntevolumens auf mehr als das Doppelte und damit auf ein Rekordniveau von knapp 900 Tsd. Tonnen gerechnet. Diese Ernteschätzung dürfte nach unten revidiert werden.

Nach dem rasanten Preisanstieg sollte Baumwolle bei der Konkurrenz um Anbauflächen in diesem Jahr insbesondere gegenüber Sojabohnen eine gute Ausgangsposition haben. Wenn sich dies auch in einer deutlich höheren Produktion niederschlägt, könnte sich 2011 die Angebotslage entspannen. Diese Erwartung spiegelt sich bereits in der Terminkurve wider, welche deutlich niedrigere Notierungen der später fälligen Terminkontrakte ausweist. Besonders in den USA dürfte die Entscheidung über die Flächenutzung im bevorstehenden Frühjahr häufig zugunsten von Baumwolle ausfallen. Trotz der Flächenausweitung um 20% lag die mit Baumwolle bestellte Anbaufläche im vergangenen Jahr noch immer 25% unter dem Durchschnittsniveau von 2000 bis 2006. Auch weltweit dürfte es zu einer deutlichen Flächenausdehnung kommen, vor allem auf der südlichen Halbkugel, etwa in Brasilien und Australien.
Die in den letzten Monaten gegenüber Kunstfasern deutlich stärkere Verteuerung von Baumwolle wird zu einem Verlust an Marktanteilen führen. Die nachlassende Dynamik bei den US-Baumwollexporten in den vergangenen Wochen lässt zudem erkennen, dass das hohe Preisniveau nicht spurlos an der Nachfrage vorbeigeht (Grafik 9). Ein möglicher Angebotsüberhang im Erntejahr 2011/12 sollte ein Wiederauffüllen der stark abgeschmolzenen Lager ermöglichen. Wir rechnen damit, dass der Baumwollpreis im ersten Quartal 2011 seinen Hochpunkt erreicht und danach im Jahresverlauf kontinuierlich nachgibt. Bis zum Ende des
Jahres rechnen wir mit einem Preisrückgang auf 110 US-Cents je Pfund. Im Jahresdurchschnitt dürfte der Preis 125 US-Cents betragen. Das Preisniveau bleibt damit im historischen Vergleich nach wie vor hoch.
Auf einen Blick







