Ausblick 2011 für Getreide, Sojabohnen, Baumwolle

Wir rechnen daher mit dauerhaft hohen Weizenpreisen. Der durchschnittliche Weizenpreis für 2011 an der CBOT dürfte 8 USD je Scheffel betragen. Das Preishoch dürfte dabei vor Beginn der Ernte im zweiten Quartal erreicht werden. Bei LIFFE-Weizen rechnen wir für 2011 mit einem Durchschnittspreis von 250 EUR je Tonne. In der ersten Jahreshälfte ist aufgrund der stark abgeschmolzenen EU-Weizenvorräte ein weiterer Preisanstieg auf 275 EUR je Tonne zu erwarten. Mit dem neuen Angebot nach der Ernte dürften sich die Preise im zweiten Halbjahr etwas entspannen. Sollte es zu erneuten Ernteausfällen kommen, sind im Jahresverlauf Preise von 9 USD je Scheffel bzw. 300 EUR je Tonne nicht auszuschließen.
Mais: Niedrige Lagerbestände und starke Nachfrage sprechen für weiteren Preisanstieg
Der Maispreis an der CBOT konnte in der zweiten Jahreshälfte 2010 mit etwa 80% ähnlich stark zulegen wie Weizen und erreichte zu Jahresbeginn bei mehr als 6 USD je Scheffel den höchsten Stand seit Mitte 2008. Angesichts der mit 8,5 Wochen (Grafik 4) bereits recht niedrigen weltweiten Lager-Verbrauchs-Relation zu Beginn des Wirtschaftsjahres 2010/11 im September hat die Aussicht auf ein weiteres Defizitjahr die Preise stark steigen lassen. Eine geringer als zunächst angenommene Anbaufläche im weltgrößten Exportland USA sowie Abwärtsrevisionen bei den dortigen Flächenerträgen waren hierfür der Hauptgrund. Dies könnte die US-Lagerbestände am Ende des laufenden Wirtschaftsjahres auf ein 15-Jahrestief fallen lassen. Das USDA erwartet einen Rückgang der Reichweite der US-Maisvorräte auf 3,2 Wochen des Verbrauchs. Niedriger war die Reichweite nur Ende 1995/96.
Auch die Wandlung Chinas zum Netto-Importeur hat die Preisphantasie beflügelt. Im Kalenderjahr 2010 addieren sich die Importe Chinas aus den USA auf etwa 1,5 Mio. Tonnen. Selbst wenn sich die Annahmen des US Grains Council für die chinesischen Maisimporte von mehr als sieben Mio. Tonnen im Jahr 2011 als zu hoch erweisen sollten, ist für 2011 von einem Anstieg der Importe nach China auszugehen. Hinzu kommt die zunehmende Verwendung von Mais bei der Herstellung von Biokraftstoffen. Noch steht eine Entscheidung darüber aus, ob die im letzten Herbst durch die US-Umweltbehörde EPA von 10% auf 15% erhöhte Beimischungsverpflichtung von Ethanol zu Benzin auch für Fahrzeuge gelten soll, die vor 2007 produziert wurden. Dies würde dem Trend zu einer höheren Verarbeitung von Mais zu Ethanol - in 2010/11 dürfte der Anteil bei knapp 40% der US-Maisernte liegen - weiteren Vorschub leisten (Grafik 5).

Die genannten Aspekte sollten dafür sorgen, dass die Anbaufläche für Mais in den USA deutlich ausgeweitet wird. Ersten Schätzungen zufolge dürften in diesem Jahr mehr als 90 Millionen Morgen mit Mais bestellt werden, was in den letzten Jahrzehnten lediglich im Jahr 2007 der Fall war. Da auch die Nachfrage insbesondere aus den Bereichen Futtermittel und Biokraftstoffe robust bleiben dürfte, ist trotz einer wahrscheinlichen Angebotsausweitung nicht von einem nennenswerten Anstieg der Lagerbestände auszugehen. Dies gilt auch vor dem Hintergrund drohender Ernteausfälle in Südamerika aufgrund der Trockenheit infolge des Wetterphänomens La Nina. Das argentinische Landwirtschaftsministerium hat seine Prognose für die Maisernte in diesem Jahr deutlich nach unten revidiert. Ging man bislang von einer Rekordernte in Höhe von 26 Mio. Tonnen aus, so soll das Erntevolumen nur noch 20 Mio. Tonnen betragen. Argentinien ist nach den USA der weltweit zweitgrößte Maisexporteur. Die Angebotsknappheit bleibt somit auch im Jahr 2011 bestehen, was für einen anhaltend hohen Maispreis spricht. Wir rechnen für 2011 mit einem durchschnittlichen Preisniveau von 6,3 USD je Scheffel.
Sojabohnen: Stagnierendes Angebot trifft auf steigende Nachfrage
Zwar sind in der zweiten Jahreshälfte 2010 auch die Preise für Sojabohnen um 50% gestiegen, gegenüber dem Anstieg bei Weizen und Mais fiel der Zuwachs aber deutlich moderater aus. Damit könnten Sojabohnen im kommenden Frühjahr bei der Konkurrenz um Anbauflächen insbesondere gegenüber Mais und Baumwolle häufig das Nachsehen haben, obwohl der Preis an der CBOT mit knapp 14 USD je Scheffel auf einem 2½ Jahreshoch notiert. Eine Ausweitung des Angebots ist daher unwahrscheinlich. Schon für das laufende Erntejahr bestehen auf der Angebotsseite Abwärtsrisiken, da die Regenarmut der vergangenen Wochen infolge des Wetterphänomens La Niña zu Ernteneinbußen in Südamerika führen wird (Grafik 6).
Zwar dürfte in Brasilien eine rekordhohe Anbaufläche mit Sojabohnen bestellt worden sein, die Rekordernte von 69 Mio. Tonnen aus dem Jahr 2010 jedoch allenfalls knapp erreicht werden. Im drittgrößten Exportland Argentinien könnte die bevorstehende Ernte aktuellen Schätzungen zufolge sogar um bis zu einem Fünftel niedriger ausfallen als das im Jahr 2010 erzielte Rekordvolumen von 54,4 Mio. Tonnen. Unter dem Strich könnten somit im Vergleich zum Vorjahr 10-15 Mio. Tonnen auf der Angebotsseite fehlen. Selbst die Rekordernte im Jahr 2010 von 92 Mio. Tonnen im weltgrößten Exportland USA dürfte daher nicht ausreichen, um einen Rückgang der Reichweite der weltweiten Lagerbestände auf weniger als neun Wochen des Verbrauchs zu verhindern. In den USA liegt die Reichweite sogar bei weniger als drei Wochen.
Auf der Nachfrageseite wird der Trend zu mehr Fleischverbrauch und damit einem höheren Bedarf an Futtermitteln in den Schwellenländern Bestand haben. Dies gilt insbesondere für China, welches bereits knapp 60% der weltweiten Sojabohnenimporte auf sich vereinigt. Für das laufende Erntejahr rechnet das USDA mit einem Importvolumen Chinas von 57 Mio. Tonnen. Seit dem Jahr 2000 sind die chinesischen Sojabohneneinfuhren im Jahresdurchschnitt um 17% gestiegen (Grafik 7). Die Aussicht auf eine weiter steigende Nachfrage bei einem bestenfalls stagnierenden Angebot sollte den Sojabohnenpreis weiterhin unterstützen. Wir rechnen für 2011 mit einem durchschnittlichen Preisniveau von 14 USD je Scheffel.





