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Edelmetalle Aktuell

15.08.2008  |  Wolfgang Wrzesniok-Roßbach
Gold

Nicht nur die drei wichtigsten Platinmetalle, auch das Gold ging in den vergangenen zehn Tagen auf Tauchstation. Während das gelbe Metall zu Beginn der letzten Woche noch bei 914 $ notiert hatte, wurde acht Tage später nur um Haaresbreite eine 7 an der ersten Stelle des Goldkurses vermieden. Mit 801,50 $ lag der Preis an diesem Dienstag auf dem niedrigsten Niveau seit Ende Dezember. Und es lag damit vor allem weit unter dem 1980er Höchstkurs, der seinerzeit bei 850 $ gelegen und dann fast auf den Tag genau 28 Jahre lang Bestand hatte.

Verantwortlich für die Verluste war wieder einmal der Preisverfall bei Öl (damit sinken die Gefahren einer steigenden Inflation) und ein sich deutlicher befestigender Dollar (das macht Gold für nicht in Dollar rechnende Käufer teurer). Ersteres fiel übrigens im Berichtszeitraum zeitweise um 15 $ auf “nur“ noch 112,50 $ je Barrel zurück, der Dollar notiert - auch jetzt noch - deutlich unter der Marke von 1,50. Das Durcheinander im Kaukasus hatte auf den Goldpreis im Übrigen keine Auswirkungen. Seine Rolle als Indikator für (politische) Krisen hat das gelbe Metall schon seit einer ganzen Weile eingebüßt.

Wie geht es nun weiter? Wir glauben, dass das schlimmste erst einmal ausgestanden ist. Viele der weniger standfesten Spekulanten und Investoren dürften in den letzten Tagen ausgestiegen sein (und so schnell auch nicht mehr auf den Markt zurückkehren). Die physische Nachfrage springt dagegen eindeutig an, die Tendenz wird sich ab September sogar noch verstärken; die Produktion steigt, wenn überhaupt, per saldo nur langsam an und das Aufkommen an Sekundärmaterial sinkt eher.

Vor diesem Hintergrund scheinen Kurse über 875 $ jetzt wahrscheinlicher zu sein als Kurse unter 775 $ je Unze. Außerdem könnte jetzt eine Basis für eine “gesündere“ und langfristig stabilere Entwicklung des Goldpreises gelegt sein. Industriekunden würden wir daher empfehlen, sich z.B. mit Hilfe von Terminkäufen entsprechend zu positionieren.

Unsere Kollegen in Hongkong berichten nach dem Preisverfall der letzten Tage über eine stark anziehende physische Nachfrage, sowohl von der Schmuckseite her, wie auch von industriellen Anwendern. Ein Beleg dafür ist, dass, nachdem in der jüngeren Vergangenheit aufgrund des hohen Altgoldanfalls stets Metall aus Hongkong exportiert werden musste, nun erstmals wieder aktiv Metall importiert wird.

Hier in Europa sehen wir aufgrund der Sommerferien in wesentlichen Verbraucherregionen trotz der günstigeren Kurse bisher nur ein verhaltenes Industriegeschäft. Anders sieht es dagegen bei Anlagebarren aus. Hier haben Kunden den Preisrückgang genutzt, um noch einmal kräftig nachzulegen. Beliebt waren bei den Investoren dabei alle größeren Barren, angefangen bei der Unze bis hin zu einem Gewicht von einem Kilogramm.

Angesichts dieser Entwicklungen besteht die Hoffnung, dass die schlechten Nachrichten von der physischen Seite erst einmal der Vergangenheit angehören. Was diese angeht, musste sich der Markt in dieser Woche noch einiges gefallen lassen. So berichtete das World Gold Council, dass die Importe nach Dubai in zweiten Quartal um 2,1% gefallen seien, die Importe in die Emirate insgesamt um 4,7% auf jetzt noch 265 Tonnen. Aus Indien wurde in dieser Woche bekannt, dass die Einfuhren im Juli gegenüber dem Vorjahr sogar um 56% gefallen seien. Im ersten Halbjahr seien die Importe auf den Subkontinent um sage und schreibe 2/3 auf nur noch 139 Tonnen gesunken. Damit besteht trotz des jüngsten Rückgangs der Preise keinerlei Hoffnung, das 2007er Rekordergebnis bei den Einfuhren in Höhe von 774 Tonnen noch einmal zu erreichen.

Während die Verkäufe an die Endkunden im ersten Halbjahr also rückläufig waren, gab es von der Produktionsseite gemischte, in der Summe aber eher auf einen Anstieg hindeutende Nachrichten. So wurde aus China berichtet, dass die Ausbringung um fast 6% auf 130 Tonnen gestiegen sei. Der Wert des in diesem Zeitraum produzierten Goldes sei in lokaler Währung gegenüber dem Vorjahr sogar um 89% gestiegen. Das südafrikanische Statistikbüro gab dagegen bekannt, dass die Goldproduktion am Kap im Juni im Vergleich zum Vorjahr um 12,3% gefallen sei. Damit dürfte sich 2008 der Abstand zwischen China, der seit dem letzten Jahr neuen Nummer 1 der goldproduzierenden Länder, und dem erstmals seit 1905 nun nur noch zweitgrößten Produzenten Südafrika weiter vergrößern.


Silber

Nach den vielen (aus Anleger- und Produzentensicht) negativen Nachrichten von den anderen Metallen war die Tendenz beim Silber natürlich vorgezeichnet. Alleine gelassen von Spekulanten und von industriellen Endverbrauchern in den westlichen Ländern fiel die Notierung von 17,40 $ je Unze bis zum Dienstagmorgen auf gerade einmal noch 13,99 $ zurück. Dabei kamen die Vorgaben wieder einmal vom Gold, so auch bei der anschließenden Erholung, die bis heute wieder Kurse um die Marke von $ 15 herum brachte.

Was die weiteren Aussichten angeht, könnte zumindest von der Charttechnik her erst einmal noch “schlimmer“ kommen. Richtige Unterstützung gibt es nämlich erst bei 13,50 $ und danach dann bei nur noch 12.50 $ je Unze. Aber auch wenn man, so wie wir, kein besonderes Vertrauen in die langfristige fundamentale Lage des weißen Metalls hat, ist der Rückgang von 19,50 $ auf 14 $ in weniger als vier Wochen derart spektakulär, das es jetzt erst einmal auf eine Stabilisierung hinauslaufen sollte.


Platin

Der Platinpreis setzte gleich zu Beginn der Berichtsperiode seinen jüngsten Abwärtstrend ungebremst fort. Von den 1.620 $ je Unze am vergangenen Montag, immerhin der tiefste Kurs seit Ende Januar, sackte er ungehindert auf 1.525 $ je Unze durch. Der psychologische Schaden durch diesen weiteren Rückschlag war immens, hatte das Metall mit dieser letzten Bewegung endgültig die gesamten Kursgewinne, die es nach Bekanntwerden der Stromprobleme in Südafrika im Januar erreicht hatte, wieder abgegeben.

Nach dem Erreichen dieses vorläufigen Tiefs zeigte der Platinpreis dann aber doch erst einmal eine Gegenreaktion auf die seit Mitte Juli andauernden Verluste. Er wurde dabei beflügelt durch einen landesweiten, eintägigen Streik in Südafrika, mit dem u. a. auch die Bergleute gegen die steigenden Lebenshaltungskosten protestieren wollten. Anglo Platinum gab z.B. bekannt, dass in der größten Mine der Gesellschaft rund 30% der Arbeiter an dem Ausstand teilgenommen hätten und dass es auch zu Produktionsausfällen gekommen sei.

Viel und lange geholfen hat der Ausstand dem Platinpreis letztlich aber nicht, auch das Übernahmeangebot von Xstrata für Lonmin (Details s. u.) wurde nur kurz von den Händlern als positiver Impuls betrachtet. Der Platinpreis stieg innerhalb von 24 Stunden wieder auf 1.640 $ je Unze an. Die Schwäche der´Rohstoffmärkte und die zumeist schlechten Nachrichten aus der (Auto-)Industie sorgten anschließend aber dafür, dass die negative Stimmung wieder überhand nahm. Bis Dienstag fiel die Notierung für das weiße Metall deshalb deutlich zurück. Zeitweise lag sie nur noch bei 1.469 $ je Unze und damit auf dem niedrigsten Stand seit Mitte Dezember letzten Jahres.





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