LME-Stahlfutures - ein Update

Aus der Sicht von Stahlverbrauchern, -produzenten und Stahlhändlern erbringt der Terminhandel von Stahl erst dann einen Mehrwert, wenn er die folgenden Voraussetzungen erfüllt: (i) der an der Börse ermittelte Stahlpreis stellt einen zuverlässigen Referenzwert für alle Parteien dar, indem er einen hohen Gleichlauf zu den Preisen an den physischen Märkten aufweist. (ii) Gewährleistung einer ausreichenden Marktliquidität, damit einzelne Transaktionen überhaupt erst und/oder möglichst preisneutral am Markt platziert werden können. (iii) physische Erfüllbarkeit der Kontrakte ist angesichts der geringen Ausübungsquote keine zwingende Voraussetzung, erhöht aber die Konvergenz der Terminpreise mit den Preisen am physischen Markt.

Status Quo: Konvergenz besteht, Liquidität dürftig
Tatsächlich hat sich die Preisentwicklung der LMEStahlfutures bereits nach wenigen Handelswochen den Preisentwicklungen an den physischen Märkten angenähert. So zeigt etwa der Vergleich zwischen den Terminpreisen der LME und den tatsächlich gezahlten Preisen für türkischen bzw. russischen Exportstahl bereits heute eine relativ gute Korrelation (Abb. Mitte). Erfreulich ist auch, dass die beiden regional spezifischen Stahlkontrakte (Mittelmeerraum und Fernost), nach anfänglich fast identischen Preisen inzwischen einen Spread aufweisen, der die unterschiedlichen Marktbedingungen (hinsichtlich Angebot und Nachfrage) der jeweiligen Regionen reflektieren sollte. Die Marktliquidität der Stahlfutures ist gemessen am Handelsvolumenindes noch sehr gering. So wurden im gesamten Monat Mai von beiden Kontrakten zusammen rund 500 lots (rund 33.000 t) umgesetzt. Zwar entspricht dies einer Steigerung des Handelsvolumens von rund 40% ggü. dem Vormonat.
Der Vergleich zu den bereits etablierten Basismetallkontrakten zeigt jedoch, dass die Liquidität im Stahlhandel bislang noch weit unterhalb der Möglichkeiten (und Anforderungen) liegt. So verzeichnete der Aluminiumfuture - der mit Abstand meist gehandeltste LME-Kontrakt - im Mai ein Handelsvolumen von rund 3,6 Mio. lots (90 Mio. t), während Aluminium Alloy - der jüngste Metallkontrakt an der LME - immerhin auf etwa 41.000 gehandelte Kontrakte kommt.

Fazit:
Gelungener Start, Marktakzeptanz benötigt Zeit Vor dem Hintergrund der neuerlichen Preisexplosion bei Stahl und Stahlprodukten sowie dem daraus resultierenden Medienecho hätte das Timing für den Beginn des lange diskutierten Stahlterminhandels besser nicht sein können. Ob die Aufnahme von Stahl in den Futureshandel tatsächlich den erhofften Nutzen für Verbraucher, Produzenten und Händler bringt - nämlich einen zuverlässigen und anerkannten Referenzpreis für die Stahlindustrie und deren Abnehmer zu stellen und damit eine effektive Möglichkeit zur Absicherung von Stahlpreisrisiken via Hedging zu
schaffen - muss erst noch bewiesen werden.
Die Grundlagen hierfür sind mit dem Handelsstart im Februar gelegt worden und der bisherige Handelsverlauf stimmt - zumindest im Hinblick auf die bereits zu beobachtende Konvergenz der Stahlpreise - hoffnungsvoll. Die bislang geringe Liquidität ist u.E. weniger auf mangelndes Interesse seitens der Marktakteure zurückzuführen, als vielmehr Ergebnis der typischen “First Mover“-Problematik: “Jeder will Erster am Markt sein, aber niemand hat den Mut, als Pionier voranzugehen“.
© Sven Streitmayer
Commodity Analyst
Quelle: Landesbank Baden-Württemberg, Stuttgart
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