Die Rohölpreise haben am Donnerstagmorgen im frühen Handel spürbar nachgegeben. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, folgten die Kursverluste auf eine Erklärung des Vermittlerstaates Katar, wonach die indirekten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran in Doha am Mittwoch mit „positiven Fortschritten“ abgeschlossen wurden. Im Fokus der zweitägigen Gespräche stand die Stabilisierung des Schiffsverkehrs durch die strategisch wichtige Straße von Hormus, über die vor dem Konflikt rund ein Fünftel des weltweiten Ölangebots transportiert wurde.
Infolge der nachlassenden Sorgen vor Versorgungsengpässen sanken beide wichtigen Ölsorten auf den niedrigsten Stand seit vier Monaten. Die Terminkontrakte für die Nordseesorte Brent fielen um 73 Cent beziehungsweise 1,02% auf 70,84 US-Dollar je Barrel. Gleichzeitig verzeichnete die US-Leichtölsorte West Texas Intermediate (WTI) ein Minus von 83 Cent oder 1,21% und notierte bei 67,75 US-Dollar je Barrel, nachdem beide Benchmarks bereits am Vortag Verluste von über einem Prozent hinnehmen mussten.
Nach Angaben aus Verhandlungskreisen befassten sich die Delegationen in der katarischen Hauptstadt in erster Linie mit den Bedingungen für den Seeverkehr sowie mit der Freigabe eingefrorener iranischer Gelder. Teheran strebt dabei eine internationale Anerkennung seiner Kontrolle über die Seestraße an und hatte angekündigt, nach Ablauf einer gebührenfreien Phase ab Mitte August Abgaben von passierenden Schiffen zu verlangen. Die Verhandlungen verdeutlichen jedoch auch die Fragilität des am 17. Juni geschlossenen vorläufigen Waffenstillstands, der den viermonatigen Konflikt vorerst pausierte.
Obwohl die Öllieferungen durch die Meeresstraße zuletzt wieder zunahmen, warnen Marktbeobachter vor einer vorschnellen Euphorie. Eine vollständige und sichere Wiederöffnung der Route wird voraussichtlich viel Zeit in Anspruch nehmen, da hierfür komplexe Absprachen zur Minenräumung, die Koordinierung von Schiffsbewegungen sowie aufwendige Reparaturen an der beschädigten Infrastruktur notwendig sind. Zudem belasten die während des Konflikts stark dezimierten globalen Ölbestände den Markt weiterhin, weshalb Experten mit einer längeren Phase bis zur vollständigen Stabilisierung rechnen.
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