Getreide, Ölsaaten, Baumwolle: Sommerliches Auf und Ab

Bereits seit vielen Wochen wird der Preisrückgang auch von einem deutlichen Abbau der zuvor auf den höchsten Stand seit März 2014 ausgedehnten Netto-Long-Positionen der kurzfristig orientierten Marktteilnehmer begleitet und unterstützt. Ohne negative Nachrichten von der Angebotsseite dürfte sich diese Entwicklung noch fortsetzen. Noch allerdings ist insbesondere die US-Ernte nicht eingebracht, die südamerikanischen noch nicht einmal gesät und daher alle Prognosen für 2016/17 noch unsicher. Der schnelle Wechsel in den Wetterprognosen hat zuletzt wieder einmal die Anfälligkeit des Marktes für kurzfristige Korrekturen demonstriert.
Wir erwarten für Q4 2016 in Chicago einen Sojabohnenpreis von 1000 US-Cents je Scheffel. Der Rapspreis hatte den Preisanstieg bei Sojabohnen im Frühjahr kaum mitgemacht, sich allerdings zuvor auch besser gehalten, als Sojabohnen über das Jahr 2015 deutlich verloren.

Gegenüber der Berg- und Talfahrt bei Sojabohnen nehmen sich die Preisbewegungen bei Raps denn auch klein aus. Allerdings liegt Raps gegenüber Jahresbeginn leicht im Minus. Das lässt sich auch mit einem zuletzt besseren Ausblick, insbesondere für die kanadische Ernte 2016/17 erklären. Das USDA hat seine Prognose hierfür auf 16,4 Mio. Tonnen angehoben, was allerdings noch immer einen Rückgang um 4,6% gegenüber dem Vorjahr bedeutet. In einer Reuters-Umfrage von Mitte Juli wurde im Mittel sogar eine Produktion von 18 Mio. Tonnen erwartet, was die zweithöchste Ernte hinter dem Rekord von 2013/14 bedeuten würde. Dies könnte den Rückgang in der größten Produktionsregion, der EU, ausgleichen helfen.
Hier ist mit einem nochmaligen Rückgang der Produktion vom Vorjahresniveau von 21,6 Mio. Tonnen zu rechnen (Grafik 9). Der anfängliche Optimismus der EU-Kommission, dass dies anders sein könnte, ist nun durch die Lage in Frankreich, Deutschland und Polen verflogen, wo die Erwartungen wie bei Weizen witterungsbedingt gestutzt werden mussten. In ihren Juli-Prognosen reduzierte denn die EU-Kommission ihre Schätzung für die EU-Rapsernte 2016 nochmals auf 20,5 Mio. Tonnen. Gleichzeitig ist auch - nicht genveränderte - Importware aus der Ukraine, dem Hauptlieferanten der EU, aufgrund der dort eingeschränkten Rapsfläche dieses Jahr knapper.
Es bleibt also bei der Einschätzung eines engen Rapsmarktes, laut USDA und IGC sogar bei einem weiteren Defizit 2016/17. Dies sollte die Preisentwicklung weiter unterstützen. Für Q4 2016 erwarten wir daher einen Rapspreis in Paris von 380 EUR je Tonne.
Baumwolle:
Die Aussicht auf mindestens zwei Defizitjahre am Baumwollmarkt in der gerade beendeten und der neuen Saison sorgen für Preisauftrieb bei Baumwolle (Grafik 10). Im Juli schoss der Preis in New York auf fast 75 US-Cents und damit ein 2-Jahreshoch nach oben, als das USDA in seinen neuen Prognosen einen unerwartet kritischen Blick auf die Versorgung mit Baumwolle präsentierte.
Der Ausbau der Netto-Long-Positionen der kurzfristig orientierten Marktteilnehmer auf ein 2-Jahreshoch dürfte dabei unterstützend gewirkt haben. Sowohl für 2015/16 als auch für 2016/16 hob das USDA seine Defizitprognosen um jeweils rund 350 Tsd. Tonnen an - und das obwohl die Schätzung für die US-Produktion 2016/17 angehoben wurde. Diese soll gegenüber 2015/16 gut 22% zulegen. Das sich aus einer höheren als im Vorjahr und höher als bisher geschätzten US-Fläche und besseren Erträgen ergebende Plus gegenüber der Vormonatsschätzung wurde durch Kürzungen in Indien und Pakistan mehr als ausgeglichen.
Absolut soll aber auch in Indien und Pakistan die Produktion nach dem witterungsbedingten Einbruch im Vorjahr 2016/17 wieder steigen, auch wenn zu geringe Niederschläge besonders im wichtigsten indischen Produktionsstaat Gujarat derzeit Sorgen bereiten. So kommen aus dem Land zuletzt Stimmen, die Fläche und Produktion deutlich unter Vorjahr erwarten.
Gleichzeitig setzte das USDA zuletzt die Nachfrage höher an, vor allem in China. Auch das International Cotton Advisory Committee erwartet nach 2015/16 mit 2016/17 ein weiteres Defizitjahr. Wie das USDA schätzt es das Defizit 2015/16 auf rund 2,6 Mio. Tonnen, liegt bei dem Defizit 2016/17 aber mit rund 1 Mio. Tonnen nur etwa halb so hoch wie das USDA.

Das rege Interesse an der Ware aus den staatlichen chinesischen Lagerhäusern wird derzeit ebenfalls als Faktor genannt, der die internationalen Preise stützt, denn es wird als Anzeichen eines etwas steigenden Verbrauchs in China gewertet. Die bisher seit Mai in Auktionen angebotenen 1,6 Mio. Tonnen haben fast vollständig Käufer gefunden. Die eigentlich bis August dauernden und für eine Menge von insgesamt etwa 2 Mio. Tonnen Baumwolle vorgesehenen Auktionen wurden gerade wegen des Interesses und der niedrigeren zollreduzierten Importquoten um einen Monat verlängert.
Im Vorjahr war das Interesse an staatlichen Auktionen noch sehr gering gewesen. Nur ein Bruchteil der Ware war abgenommen worden, weil die Spinnereinen eigene Lagerbestände abbauten und auf niedrigere Preise in den Auktionen hofften - was sich allerdings nicht bewahrheitete. Dieses Jahr stiegen die Preise in den Auktionen wegen der regen Nachfrage sogar um 20%. Eine Verlängerung der diesjährigen Auktionen wird allerdings das Problem, dass nur recht wenig hochwertige Baumwolle zur Veräußerung bereit steht, nicht lösen können. Nach dieser dürfte weltweit die Nachfrage relativ stärker sein als nach Baumwolle insgesamt.
Deswegen schätzt das USDA die US-Exporte auch auf 4-Jahreshoch. Der weltweite Verbrauch an Baumwolle soll allerdings weitgehend stagnieren. Das ICAC geht auch für Chinas Verbrauch wegen hoher Preise (Grafik 11) und der Konkurrenz künstlicher Fasern von einem weiteren Rückgang aus, während das USDA einen leichten Anstieg einstellt. Daher ist das USDA auch optimistisch, dass die chinesischen Importe zumindest nicht weiter sinken, während das ICAC auch hier einen weiteren Rückgang eingestellt hat. Einigkeit besteht aber darüber, dass Vietnam und Bangladesch inzwischen China als den größten Importeur abgelöst haben und ihre Importe kräftig ausdehnen werden. Die Baumwolle verarbeiten sie zu Garnen, von denen dann ein nicht unerheblicher Teil wiederum nach China exportiert wird.
Der Preisauftrieb der letzten Zeit hat mit dem weiteren absehbaren Defizit und den Unsicherheiten über die Witterung der nächsten Wochen gewichtige fundamentale Gründe. Allerdings kann sich insbesondere die Wetterkomponente auch rasch in den gegenteiligen Effekt drehen. Auch dürfte einem höheren Preisniveau wegen des damit verbundenen Verlusts an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber künstlichen Fasern recht enge Grenzen gesetzt sein.
Während also ein höheres Preisniveau als vor einigen Wochen durchaus gerechtfertigt ist, wäre ein zwischenzeitlicher Rückschlag nicht verwunderlich. Auch die inzwischen wieder hohen Netto-Long-Positionen der kurzfristig orientierten Marktteilnehmer bergen das Risiko einer Korrektur. Mittelfristig bleibt aber das Aufwärtspotenzial durch die Defizite am Weltmarkt bestehen, die die weltweiten Reserven - wenn auch von hohem Niveau aus - abschmelzen lassen. Für das 4. Quartal prognostizieren wir einen Baumwollpreis von 75 US-Cents je Pfund.




