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Jeff Currie warnt: USA steuern auf historische Ölkrise im Juli zu

10:00 Uhr  |  Redaktion
Der renommierte Rohstoffexperte und Volkswirtschaftler Jeff Currie, ebenfalls ehemaliger Rohstoff-Chefstratege bei Goldman Sachs, warnt in einem aktuellen Interview vor einer drastischen Zuspitzung der globalen Energieversorgung. Seiner Analyse zufolge könnten die strategischen Ölreserven der USA bereits im Juli einen kritischen Tiefpunkt erreichen. Während die Finanzmärkte die aktuelle Lage noch weitgehend ignorieren, betont Currie, dass die USA derzeit massiv Öl aus der Zukunft „leihen“, um das aktuelle Defizit zwischen Angebot und Nachfrage zu decken. Dieses Auszehren der Notfallreserven bei gleichzeitigem Export von Ölprodukten stelle ein erhebliches Risiko für die nationale Sicherheit und die Stabilität der Raffinerien dar.



Ein zentraler Punkt der Warnung betrifft die Straße von Hormus und die damit verbundenen logistischen Sackgassen. Currie zeigt sich skeptisch gegenüber Hoffnungen auf eine schnelle Normalisierung des Handels. Er argumentiert, dass selbst im Falle eines politischen Abkommens Versicherungsgesellschaften und Reedereien monatelang zögern würden, Schiffe durch die Region zu schicken. Die Bedrohung durch kostengünstige, hochtechnologische Drohnen habe die Spielregeln verändert. Als warnendes Beispiel nennt er das Rote Meer, wo der Schiffsverkehr für westliche Flaggen trotz internationaler Präsenz seit zwei Jahren massiv eingeschränkt bleibt.

Geopolitisch sieht Currie eine massive Verschiebung der Machtverhältnisse zugunsten Chinas. Während der Westen mit steigenden Kosten für fossile Brennstoffe kämpft, hat Peking seine Position durch den massiven Ausbau der „Elektronen-Wirtschaft“ (Solar, Batterien, E-Mobilität) und riesige strategische Vorräte abgesichert. Der Experte beschreibt eine neue Weltordnung, in der Länder wie Russland, der Iran und Venezuela faktisch als Rohstoffkolonien Chinas fungieren. Dieser Block bilde zunehmend ein geschlossenes Versorgungssystem, das sich den westlichen Sanktionen und dem Einflussbereich des US-Dollars entzieht.

Diese Entwicklung markiert laut Currie das Ende des sogenannten „Grand Bargain“, der seit 1944 die Weltwirtschaft stützte. Das Versprechen der USA, die globalen Seewege zu schützen, solange der Welthandel in Dollar abgewickelt wird, sei brüchig geworden. Sollten die USA diesen Schutz nicht mehr gewährleisten können oder wollen, droht der Verlust des „exorbitanten Privilegs“ des Dollars. Die Folge wäre eine Entdollarisierung der Schwellenländer, was zu massiv steigenden Kreditkosten und einer dauerhaft höheren Inflation innerhalb der Vereinigten Staaten führen könnte.

Abschließend prognostiziert der Volkswirtschaftler eine radikale „Rache der Old Economy“ an den Finanzmärkten. Nach einem Jahrzehnt, in dem Kapital fast ausschließlich in Tech-Giganten und digitale Geschäftsmodelle floss, erzwinge die physische Knappheit nun eine Rotation zurück zu Sachwerten. Investitionen in Kupfer, Öl, Stromnetze und Infrastruktur seien unumgänglich, um die technologische Entwicklung, einschließlich der Künstlichen Intelligenz, überhaupt aufrechtzuerhalten. Currie ist überzeugt, dass wir uns am Beginn einer Transition befinden, die umfassender und tiefgreifender sein wird als alles, was die Märkte in den letzten 30 Jahren erlebt haben.


© Redaktion RohstoffWelt.de


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