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Getreide, Ölsaaten, Baumwolle: Sommerliches Auf und Ab

10.08.2016  |  Eugen Weinberg (Commerzbank)
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Der höhere Stellenwert, der dem Agrarsektor durch die seit Dezember amtierende Regierung unter Präsident Macri beigemessen wird, hat gemeinsam mit der Abwertung der Landeswertung Peso bereits zu einem Anstieg der Exporttätigkeit gesorgt - zumal auch die Exportsteuer auf Weizen komplett abgeschafft wurde. Aus Argentinien dürfte also weiter viel Ware kommen.

Insgesamt sind daher für die weltweite Versorgung mit Weizen über die nächsten Monate derzeit kaum Risiken erkennbar. Entsprechend schwer dürfte es dem Preis fallen, sich merklich zu erholen. Die kurzfristig orientierten Marktteilnehmer halten inzwischen rekordhohe Netto-Short-Positionen, zeigen sich also für die weitere Preisentwicklung sehr skeptisch. Ein Preisauftrieb könnte eher vom Maismarkt ausgelöst werden und dann von einem Stimmungsumschwung und in der Folge von Shorteindeckungen verstärkt werden.

Unsere Prognose für den Weizenpreis in Chicago im vierten Quartal lautet auf 450 US-Cents je Scheffel. In Paris dürften die Notierungen weiterhin unter dem Eindruck einer enttäuschenden EU-, und dabei besonders der französischen Ernte stehen. Dies hat bereits seit Wochen dafür gesorgt, dass sich der Weizenpreis in Paris besser entwickelt als in Chicago. Wir bleiben daher bei unserer Prognose eines Weizenpreises in Paris in Q4 2016 von 175 EUR je Tonne.


Mais:

Der Maispreis in Chicago hat den Preisanstieg von April bis Mitte Juni um ein Viertel wieder vollständig verloren - und sogar auf ein Niveau nachgegeben, das mit 325 US-Cents je Scheffel nur noch knapp über der Notierung im Herbst 2014 liegt. Letzte Woche sank er sogar zwischenzeitlich auf ein 7-Jahrestief.

Das hat vorrangig mit dem Ausblick auf eine sehr hohe Ernte 2016/17 zu tun. Für die USA schätzt das USDA die Produktion auf 369 Mio. Tonnen. Dies wäre fast 7% mehr als im Vorjahr, ein neuer Rekord und läge weit über der zunächst im Februar getroffenen Annahme von 351 Mio. Tonnen. Damals war das USDA allerdings auch nur von 90 Mio. Morgen Maisfläche ausgegangen, während nun tatsächlich 94 Mio. Morgen mit Mais bestellt wurden (Grafik 4).

Die Wetterberichte aus dem Mai und Juni, wonach ein heißer und trockener Sommer bevorstehe, wurden inzwischen von sehr viel gemäßigteren Prognosen abgelöst, so dass für die rekordhohe Ernte derzeit kaum Gegenwind besteht. Tatsächlich sind die Pflanzenbewertungen bei Mais sehr gut und mussten auch zuletzt nicht merklich nach unten korrigiert werden (Grafik 5).

Dass die globale Erzeugung 2016/17 gegenüber der letzten Ernte um 5% steigen soll, liegt neben den USA auch an der EU und der Ukraine. In beiden Ländern dürfte sich die Ernte nach dem durch Dürre im (Früh-)Sommer 2015 bedingten Einbruch im Vorjahr erholen.

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In der EU soll die Produktion immerhin von 58 Mio. Tonnen 2015 auf 64 (USDA) oder 65,5 Mio. Tonnen (EU-Kommission) steigen (Grafik 6). Vor allem richten sich die Hoffnungen aber auch auf die südliche Halbkugel und hier Südafrika und Südamerika. Insbesondere in Brasilien soll die wegen Trockenheit von 85 Mio. Tonnen 2014/15 auf 70 Mio. Tonnen 2015/16 eingebrochene Produktion bei wenig veränderter Fläche wieder auf 80 Mio. Tonnen zulegen. Für Argentinien erwartet das USDA 2016/17 sogar eine Rekordernte, die vor allem aus einer Ausdehnung der Fläche resultieren soll.

Ein Flächenplus von 20-25% wird als Anpassung auf die durch den Regierungswechsel neuen politischen Gegebenheiten für möglich gehalten. Auch für die Welt als ganze erwartet das USDA - wie auch der IGC - eine Ernte von über einer Milliarde Tonnen, die nahe an den Rekord aus 2014/15 heranreichen soll.

Dass allerdings auch eine solch hohe globale Ernte die laufende Nachfrage laut USDA nur gerade decken dürfte - der IGC äußerte sich hier mit einer Überschussschätzung von 7 Mio. Tonnen zuletzt allerdings optimistischer -, sollte dem Maispreis zumindest einen Boden einziehen, zumal auch im Vorjahr die Bilanz nur knapp ausgeglichen war. Unvorhergesehene Ausfälle können den Markt schnell in ein Defizit rutschen lassen. Die erheblichen Überschüssen aus den beiden Jahren davor werden dann nicht beliebig lange zur Beruhigung eines aufkommenden Knappheitsgefühls herhalten können.

Bis auf weiteres wird die Versorgungssituation aber sehr entspannt gesehen. Nachdem die kurzfristig orientierten Marktteilnehmer einige Monate lang in ihren Positionierungen stärker auf Preisauftrieb setzten, haben sie im Juni die Richtung gewechselt und setzen inzwischen wieder mehrheitlich auf fallende Preise. Dieser Richtungswechsel dürfte den Preisabschwung in Chicago noch verstärkt haben.

Die höhere US-Fläche und die gleichzeitig geringeren Gefahren für die US-Maiserträge lassen uns unsere Prognose für den Maispreis in Q4 2016 absenken. Wir rechnen nun für Q4 2016 mit einem Maispreis in Chicago von 370 US-Cents je Scheffel, also einem Anstieg vom gegenwärtigen Niveau. Sollten sich die US-Erträge als deutlich höher als derzeit vom USDA prognostiziert erweisen, könnte das dem Preisanstieg bei Mais allerdings den Garaus machen und dies auch den Weizenpreis weiter belasten.

Europäischer Mais ist von dem dramatischen Preiseinbruch bei US-Mais ab der zweiten Junihälfte nur begrenzt mit nach unten gezogen worden (Grafik 7). Während sich US-Mais um rund ein Viertel verbilligte, gab europäischer Mais nur um 9% nach. Dabei dürften auch die sich verschlechternden Ernteprognosen für EU-Weizen von Bedeutung gewesen sein. Allerdings dürfte in diesem Jahr mehr minderwertiger Weizen in Konkurrenz zu Mais seinen Weg in den Futtertrog finden. Wir behalten daher unsere Prognose eines Maispreises in Paris von 170 EUR je Tonne im vierten Quartal 2016 bei.

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Sojabohnen und Raps:

Sojabohnen notieren inzwischen wieder deutlich unter 1000 US-Cents je Scheffel und nahe eines 3½ -Monatstiefs. Der Preis hat mehr als die Hälfte des zwischen Ende Februar und Ende Juni verzeichneten steilen Anstiegs um über 30% wieder eingebüßt. Die Prognosen eines heißen und trockenen Sommers in den US-Anbaugebieten haben inzwischen einem gemäßigteren Ausblick Platz gemacht. Gemeinsam mit einer höher als erwarteten Ist-Fläche in den USA macht dies eine wieder sehr hohe US-Ernte wahrscheinlich.

Die Überschwemmungen in Argentinien scheinen verdaut und die Prognosen für die Ernte werden zuletzt sogar wieder etwas angehoben. Der Streik der LKW-Fahrer, der die Belieferung der Häfen bedrohte, ist nach kurzer Dauer beendet worden. Und nachdem die extrem optimistischen Erwartungen an die brasilianische Ernte 2015/16 auf rund 97 Mio. Tonnen nach unten geschraubt werden mussten, wird für 2016/17 schon wieder die Prognose einer Ernte von über 100 Mio. Tonnen in den Ring geworfen, etwa vom USDA und der Beratungsfirma Safras&Mercado. Allerdings könnte der Preisrückgang die unterstellte weitere Flächenausdehnung bremsen oder aufhalten. Erst ab Oktober wird in Brasilien für 2016/17 ausgesät.

Damit haben sich in den letzten Wochen einige der Wolken über dem insgesamt sehr sonnigen Angebotsausblick wieder verzogen. Während allerdings das USDA einen Anstieg der globalen Produktion 2016/17 auf ein neues Rekordhoch von 326 Mio. Tonnen erwartet, bleibt der IGC zunächst mit 321 Mio. Tonnen noch vorsichtiger, aber ganz nahe am bisherigen Rekord von 2014/15.

Auf der Nachfrageseite wird am Sojabohnenmarkt wieder besonders die Importnachfrage Chinas im Fokus stehen. Über deren Entwicklung besteht derzeit keine Einigkeit. Während das USDA für 2016/17 einen weiteren kräftigen Anstieg um 4 Mio. Tonnen auf 87 Mio. Tonnen eingestellt hat, ist das auf Ölsaaten spezialisierte Analysehaus Oil World skeptischer. Es erwartet, dass die Sojabohneneinfuhren Chinas 2016/17 mit 80 Mio. Tonnen erstmals seit 15 Jahren sinken werden. Als Grund sieht es vor allem Verkäufe aus den Lagerbeständen. Zudem soll sich die eigene Produktion erholen. Diese deckt allerdings nur einen kleineren Teil des Verbrauchs.


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