Aluminium - Konsolidierung zum Jahresende
Konsolidierung seit Ende des dritten QuartalsSeit Jahresanfang ist der Preis für LME-Aluminium um 10,4% gestiegen. Damit gehört das Leichtmetall neben Nickel (+17,5%) und Zink (+5,5%) zu den Gewinnern unter den Basismetallen im bisherigen Jahresverlauf. Der Durchschnittskurs von LME-Aluminium für das Jahr 2014 liegt aktuell bei 1.868 USD/t. Eine anhaltend starke Nachfrage auf der einen Seite sowie das durch Kapazitätsreduzierungen verringerte Angebot andererseits ließen die Notierungen bei abnehmenden Lagerbeständen im ersten Halbjahr deutlich anziehen.
Der Jahreshöchststand wurde mit 2.089 USD/t Anfang September erreicht. Zum Ende des dritten Quartals begann eine Seitwärtsbewegung der Preise, deren Fortsetzung wir auch bis zum Jahresende erwarten. Sorgen um die weitere konjunkturelle Entwicklung in China und die Wiederinbetriebnahme vorübergehend aus dem Markt genommener Kapazitäten setzten den Preisbewegungen nach oben in den letzten Wochen Grenzen.
Unverändert positive Nachfrageperspektiven
Auch in diesem Jahr dürfte der weltweite Bedarf an Aluminium um 6% bis 7% gewachsen sein. Die wesentlichen Impulse gehen derzeit vom Transportsektor in den USA bzw. China aus. Auch der nordamerikanische Häusermarkt sorgt für positive Nachfrageimpulse, während der Bausektor in China zuletzt an Schwung verloren hat. Das Reich der Mitte steht für rund 45% der globalen Aluminiumnachfrage. Rund ein Viertel davon entfällt auf den Bausektor.
Im nächsten Jahr sollte sich das Wachstum auf den Fahrzeugmärkten fortsetzen, wenngleich mit einer etwas nachlassenden Dynamik. Weiterhin deutlich zunehmen dürfte der Aluminiumanteil in der Fahrzeugproduktion. Entsprechende Marktanalysen gehen insgesamt von einer Verdoppelung der Nachfrage seitens der amerikanischen Automobilindustrie in den nächsten zehn Jahren aus.

Höhere Preise verlocken zu mehr Angebot
In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres ist das weltweite Aluminiumangebot Angaben des IAI (International Aluminium Institute) zufolge um rund 3% gestiegen. Der Zuwachs geht auf das Wachstum von knapp 8% in China zurück, während die Produktion im Rest der Welt um 1,8% zurückging.
In den letzten drei Jahren sind außerhalb Chinas Kapazitäten von über 3 Mio. Tonnen aus dem Markt genommen worden. Dies entspricht mehr als 10% der letztjährigen Produktion ex China. Das gestiegene Preisniveau in Verbindung mit hohen Prämien hat den Druck auf die Produzenten zuletzt reduziert. Hinzu kommt der deutliche Rückgang des Ölpreises, der sich ebenfalls kostenmindernd auf die sehr energieintensive Erzeugung von Aluminium auswirken dürfte.
Als Folge sind insbesondere in China zu den neu geplanten Kapazitäten auch stillgelegte Hütten in nennenswertem Umfang wieder in Betrieb genommen worden. Die Ausfuhr von Primäraluminium aus China wird zwar durch eine entsprechende Exportsteuer begrenzt. Einen indirekten Einfluss auf den globalen Primärmarkt könnte das steigende Angebot jedoch über den Export von Aluminiumhalbzeug haben. Dieser nahm im Oktober um rund 20% gegenüber dem Vorjahresmonat zu.

Prämien erreichen neue Höchststände
Die positive Nachfrageentwicklung und die Angebotsanpassungen außerhalb Chinas haben die physischen Prämien deutlich ansteigen lassen. In Japan, das die Benchmark für viele asiatische Länder darstellt, gehen die Produzenten beispielsweise mit Prämien von 435 USD bis 440 USD pro Tonne in die Verhandlungen für das erste Quartal 2015. Die Bestände in den LMELagerstätten haben weiter abgenommen. Ein unmittelbarer Rückschluss auf die Verfassung der physischen Märkte sollte daraus jedoch nicht geschlossen werden.
Marktberichten zufolge gibt es nämlich eine zunehmende Bewegung aus den LME-Lagerhäusern in Lagerstätten mit günstigeren Konditionen. Diese tauchen allerdings in den öffentlichen Statistiken nicht auf. Nach wie vor ist ein wesentlicher Teil der Bestände in Finanztransaktionen gebunden. Angesichts einer abflachenden Terminkurve sowie perspektivisch tendenziell steigender Zinsen dürfte die Attraktivität dieser Transaktionen jedoch abnehmen, wodurch mittelfristig zusätzliches Angebot auf den Markt kommen würde.

Fazit
Insgesamt ist der weltweite Aluminiumbedarf unverändert hoch. Auch wenn die Unsicherheiten bezüglich der Nachfrage in China im Hinblick auf die abnehmende Dynamik der Konjunktur insgesamt sowie speziell des Bausektors zuletzt zugenommen haben, sollte sich die Nachfrage auch im Reich der Mitte insgesamt robust zeigen. Dafür sprechen nicht zuletzt konjunkturstimulierende Programme wie bspw. Infrastrukturinvestitionen.
Durch den Preisanstieg in Verbindung mit den hohen Prämien ist der Druck auf die Produzenten weitere Kapazitätsanpassungen vorzunehmen zuletzt deutlich gesunken. Insbesondere China hat das Angebot wieder merklich ausgeweitet. Der von uns in Summe erwartete Preisanstieg dürfte daher begrenzt bleiben.
© Achim Wittmann
Investmentanalyst
Quelle: Landesbank Baden-Württemberg, Stuttgart
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