Oil Markets Monthly

Ähnlich wie bei den Benzinlagern macht sich auch bei den Destillatelagerbeständen weiterhin die geringe Nachfrage nach Ölprodukten bemerkbar. So sind die Destillatelager in den vergangenen Wochen weiter nach oben geklettert und markieren derzeit ein Hoch von 170,8 Mio. boe. Im Gegensatz zu den Benzinlagern sind jedoch die Destillatelagerbestände unaufhaltsam über die letzten Monate gestiegen, so dass sie derzeit sehr deutlich oberhalb ihres Durchschnitts der vergangenen fünf Jahre liegen.

Zeichnet sich eine Erholung der Ölnachfrage ab?
Weltweit mehren sich die Zeichen für eine konjunkturelle Erholung, so dass viele Länder in der zweiten Jahreshälfte schon wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren könnten. Insbesondere Asien dürfte bei der weltwirtschaftlichen Belebung eine Schlüsselrolle zukommen. Während bei anderen Ländern die Schrumpfung des BIP 2009 aufgrund der aktuellen Erholungszeichen weniger stark ausfallen sollte, könnten beispielsweise China und Indien mit hohen Wachstumsraten aufwarten – auch wenn diese im Vergleich zu den vergangenen Jahren einen deutlich verlangsamten Wachstumspfad zeigen dürften.
Zwar ist nicht zu vernachlässigen, dass die derzeitige Konjunkturerholung auf die massive geld- und fiskalpolitische Stimulans weltweit zurückzuführen ist. Daher ist es durchaus wahrscheinlich, dass die weitere Belebung der Wirtschaftsaktivität mit Rückschlägen verbunden ist. Diese sollten sich im kommenden Jahr zeigen, wenn sowohl die unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen als auch die staatlichen Stimulierungsprogramme auslaufen.
Die aktuelle Fragestellung lautet jedoch, in wieweit sich die zu beobachtende konjunkturelle Erholung bereits in der Nachfragesituation auf dem Ölmarkt niederschlägt. Denn im Zuge der Verschärfung der Finanzmarktkrise war die Ölnachfrage massiv eingebrochen, was die OPEC mit deutlichen Angebotskürzungen reagieren ließ.
Vorläufige Zahlen signalisieren, dass sich die weltweite Ölnachfrage in den Monaten Juni und Juli stärker als erwartet entwickelt hat. Das hat zu einer nach oben revidierten Ölnachfrageprognose durch die International Energy Agency (IEA) sowohl für Q209 als auch für das zweite Halbjahr 2009 geführt. Entsprechend erwartet die IEA nun für die Jahre 2009 und 2010 eine um jeweils 0,5 Mio. bpd erhöhte Nachfrage auf 84,4 Mio. bpd bzw. 85,7 Mio. bpd.
Trotz der leicht übertroffenen Erwartungen präsentiert sich die Ölnachfrage weiterhin schwach. So bewegten sich die Niveaus im Juni und Juli unter ihren Vorjahreswerten; eine Entwicklung, die voraussichtlich auch für die einzelnen Quartale gilt. Das zweite Quartal verzeichnete ein Minus gegenüber dem Vorjahr, ähnlich wie dies auch der Fall für Q309 und Q409 sein dürfte. Insgesamt sollte die Ölnachfrage im laufenden Jahr im Vergleich zu 2008 um 2,2% sinken. Dies bedeutet, dass die Erholung der Ölnachfrage im kommenden Jahr (1,5%) auf niedrigerem Niveau stattfindet.
Insbesondere die Ölnachfrage aus den OECD-Ländern gestaltet sich mit einem Rückgang von 4,7% im laufenden Jahr schwach. Dabei sind schon die derzeit zu beobachtenden leichten Belebungstendenzen berücksichtigt, die größtenteils auf die USA zurückgehen. Der weitaus höhere Anteil der Nachfrageerholung geht jedoch auf das Konto der Nicht-OECD-Staaten, allen voran China. Die chinesische Ölnachfrage wird gestützt von den massiven Stimulierungsmaßnahmen der Regierung sowie einem signifikanten Lageraufbau. Ohnehin hatte die IEA für die Nicht-OECD-Länder 2009 mit einer leicht steigenden Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr gerechnet; diesen Anstieg hat sie angesichts der aktuellen Entwicklung noch höher angesetzt.
Es zeigt sich also, dass die konjunkturelle Belebung schon einen leicht positiven Einfluss auf die Ölnachfrage hat; nichtsdestotrotz ist an der Schwäche der Ölnachfrage im Vergleich zum vergangenen Jahr nicht zu rütteln. Entsprechend dürfte die Nachfragesituation in den nächsten Monaten noch gegen weiter steigende Ölpreise sprechen, zumal sich die Rohöllagerbestände im Vergleich zu anderen Jahren auf hohen Niveaus befinden.
© Sintje Diek
Economics & Research
Quelle: HSH Nordbank AG
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