Gold: Bullen auf dem Rückzug?

Wochenchart: Relative Unterstützungen unterschritten
In der abgelaufenen Börsenwoche hat der Gold Future die letzten beiden relativen Unterstützungen, abgeleitet aus den Marktwendepunkten vom 17. Februar bei 4.854 und vom 02. Februar bei 4.617 unterschritten und auf Basis des Wochenschlusskurses bestätigt. Die Wiederaufnahmebereitschaft der Bullen konnte die Abgabebereitschaft der Bären diesmal nicht kompensieren.
20 Wochen Linie auf Schlusskursbasis unterschritten
Erstmalig seit Oktober 2023 hat der Gold Future unter der eingezeichneten 20 Wochen Linie (Mitte der Bollinger Bänder, nicht eingezeichnet) auf Basis des Wochenschlusskurses geschlossen. Für viele mittelfristige Investoren gilt dieser gleitende Durchschnitt als grobe Trendeinschätzung.
MACD und Stochastik mit Verkaufssignalen
MACD und Stochastik haben ihre Signallinien von oben durchstoßen und dadurch neue Verkaufssignale geliefert.
In der isolierten Betrachtung eines solchen Oszillators weisen Ein/Ausstiegssignale höhere Trefferquoten in Seitwärtsbewegungen auf als in starken Trendmärkten. In Kombination mit dem realen Kursgeschehen, wie z.B. ein Unterschreiten einer wichtigen Aufwärtstrendlinie oder eines wichtigen Unterstützungsbereiches, erhöht sich die analytische Bedeutung.
"Wide Range Week"
Mit einer Handelspanne von fast 540 US$ hat sich die Schwankungsbreite gegenüber den letzten Wochen wieder erhöht. Insgesamt handelt es sich um die höchste Volatilität seit mindesten sieben Wochen.
Auffällig ist der Eröffnungskurs nahe des Wochenhochs und der Wochenschlusskurs in der Nähe des Wochentiefs. Im Normalfall handelt es sich bei derartigen Bewegungen gegen den Haupt(Wochen)trend um technische Entladungen, welche von institutionellen Investoren zum risikoarmen Einstieg in Trendrichtung genutzt werden.
Dadurch kommt es nicht selten bei derartigen Wide Range Bars (WR7) gegen den Haupttrend in dem folgenden Notierungsbar zu einem Richtungswechsel und einem Schlusskurs innerhalb der Spanne des WR7. Eine mögliche Notierungslücke, in diesem Fall ein Abwärtsgap auf Wochenchart, erhöht die Eintrittswahrscheinlichkeit für das angegebene Szenario.

Gold weiter saisonal positiv
Aufgrund historischer Erfahrungswerte lassen sich für Rohstoffe, Währungen, Aktien und Indizes statistische Durchschnittswerte berechnen. Unter der Betrachtungsweise dieser geglätteten Zyklen-Analyse aus den vergangenen 20 Jahren war im Zeitraum von Mitte März bis Anfang Mai statistische Stärke zu beobachten, ehe sich im Chart bis Anfang Juli eine klar sichtbare Korrektur beobachten lässt.
Die Abwärtsbewegung der letzten drei Wochen stimmt jedoch nicht mit den "normalen" saisonalen Verläufen überein, in denen eher eine richtungslose Tendenz zu sehen war.
Fazit:
Aus der Perspektive des langfristigen Quartalscharts ist der Gold Future in einen überhitzten Aufwärtstrend gelaufen. Die Anzeichen mehren sich, dass die Bären das Zepter übernommen haben und eine Korrektur im Aufwärtstrend eingeleitet haben.
Aus der mittelfristigen Sichtweise des Wochencharts hat sich das Chartbild verschlechtert. Durch die technischen Verkaufssignale und das Unterschreiten der relativen Unterstützungen konnten sich die Bären gegenüber den Bullen erst einmal mittelfristig durchsetzen. Die beschriebene "Wide Range" Woche bietet den Bullen jedoch Hoffnung auf eine kurzfristige Gegenbewegung in den kommenden Tagen. Jedoch erst Kurse über 5.050 neutralisieren die mittelfristig eingetrübte Ausgangsposition.
Fällt der Gold Future insbesondere nach einer kurzen Gegenbewegung im April weiter und unterschreitet das bis dahin gemachte Monatstief aus dem März (aktuell bei 4.505) ist mit einer Fortsetzung der Korrekturbewegung zu rechnen. Innerhalb des primären Aufwärtstrends wären die nächsttieferen Unterstützungen bei 4.400 und 4.000 als erstes Korrekturziel zu beziffern.
Erst Kurse über 5.440 würden den übergeordneten Haupttrend wieder durchsetzen. Bei diesem unwahrscheinlicheren positiven Szenario wäre ein Test der Bestmarke bei 5.581 wahrscheinlich. Kurse darüber eröffnen weiteres Aufwärtspotential in Richtung 6.000.
© Björn Heidkamp
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