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Gold: Bullen auf dem Rückzug?

09:01 Uhr  |  Björn Heidkamp (Kagels Trading)

Der abgebildete Chart zeigt die historische Kursentwicklung des Gold Futures von 1995 bis heute, bei Kursen von 4.574,90 USD/Unze. Ein Notierungsstab bildet die Kursschwankungen des Gold Futures für ein Quartal ab.

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Überhitzter langfristiger Aufwärtstrend

Gold befindet sich aus der langfristigen Perspektive seit März 2024 in einem klaren Aufwärtstrend. Mitausgelöst durch die Eindeckungen von Leerverkäufen wurde der Gold Future in einem besonderen Ereignis am 29. Januar auf ein fulminantes neues Rekordhoch von 5.581,30 katapultiert.

Bis zu diesem Kaufhöhepunkt legten die Kurse des gelben Edelmetalls seit der letzten vollen Korrektur im November 2024 um mehr als 118% zu! Derartige progressive Kursverläufe überreizen den Trend und steigern das Risiko einer ausgedehnten Konsolidierung oder Korrektur. In drei Börsentagen bis zum 02. Februar korrigierte der Goldpreis unter extremer Volatilität bis auf 4.617,60.


Extreme Volatilität in den letzten drei Quartalen wie 1979 bis 1980

In den letzten drei Quartalen (3. und 4. Quartal 2025 und das 1. Quartal 2026) ist durch die Explosion der Goldkurse eine extreme Zunahme der Schwankungsbreite zu beobachten. Alle drei genannten Quartale hintereinander weisen jeweils die höchste Volatilität der letzten sieben Quartale auf.

Seit Bestehen des Goldcharts ist dieses Phänomen lediglich einmal in einer ähnlichen Konstellation in den letzten beiden Quartalen 1979 und im ersten Quartal 1980 aufgetreten. In dieser Phase ist der Goldpreis von 282 auf 873 gestiegen. In den folgenden zwei Jahren ist der Goldpreis dann wieder bis April 1982 auf 298 zurückgefallen.

Bezogen auf die aktuelle Aufwärtsbewegung würde ein ähnlicher Verlauf ein Rückgang in Richtung 3. Quartalstief aus 2025 bei etwa 3.300 bedeuten.

Hinzugefügt werden muss allerdings, dass derartige Verläufe sicherlich nicht 1 zu 1 auf die aktuelle Preisbewegung projzierbar sind. Zumal das erste Quartal 1980 ein Umkehrquartal war und das jetzige noch nicht beendete Quartal noch klar über der Eröffnung von Anfang Januar handelt.

Als Warnsignal sollte man derartige Vergleiche jedoch im Hinterkopf speichern.


Außenstab auf Monatschart

Anfang März hat der Gold Future mit einer Notierungslücke weit über der Februarhoch eröffnet, um dann bis jetzt innerhalb des Monats März auch das Tief des Februars zu unterschreiten. Charttechnisch spricht man von einem sogenannten Außenstab (Outsidebar). Werden derartige Außenstäbe mit einem tieferen Tief im Folgemonat (April) bestätigt, ist in der Mehrzahl der Fälle eine mittelfristige Fortsetzung der eingeschlagenen Bewegung zu beobachten.

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Bearish engulfing auf Monatschart

Hergeleitet aus der japanischen Candlestick Analyse hat sich eine negative Formation aus 2-Candlesticks ausgebildet: Die eigentliche Formation des Bearish Engulfing Pattern besteht aus einem roten (fallend) Kerzenkörper der auf einen grünen (steigend) Kerzenkörper folgt. Der rote Kerzenkörper muss dabei nach beiden Seiten hin länger sein, als der vorherige grüne Kerzenkörper. Der rote Kerzenkörper hat den grünen Kerzenkörper somit "eingehüllt". Je länger der zweite Kerzenkörper relativ zum ersten ist, desto bedeutsamer ist dieses Signal in der japanischen Candlestick Analyse.

Signale, dieser Art, lassen sich in einem normalen Balkenchart nicht (oder nur schwer) erkennen. Damit soll das Bearish Engulfing Pattern zeigen, dass in einem Aufwärtstrend die Bären, zumindest temporär, die Oberhand gewonnen haben.



Erwähnt werden muss jedoch das der Monat März noch nicht beendet wurde, so dass sich theoretisch dieses Chartmuster in der kommenden Woche noch verändern könnte.


Wochenchart: Relative Unterstützungen unterschritten

In der abgelaufenen Börsenwoche hat der Gold Future die letzten beiden relativen Unterstützungen, abgeleitet aus den Marktwendepunkten vom 17. Februar bei 4.854 und vom 02. Februar bei 4.617 unterschritten und auf Basis des Wochenschlusskurses bestätigt. Die Wiederaufnahmebereitschaft der Bullen konnte die Abgabebereitschaft der Bären diesmal nicht kompensieren.


20 Wochen Linie auf Schlusskursbasis unterschritten

Erstmalig seit Oktober 2023 hat der Gold Future unter der eingezeichneten 20 Wochen Linie (Mitte der Bollinger Bänder, nicht eingezeichnet) auf Basis des Wochenschlusskurses geschlossen. Für viele mittelfristige Investoren gilt dieser gleitende Durchschnitt als grobe Trendeinschätzung.


MACD und Stochastik mit Verkaufssignalen

MACD und Stochastik haben ihre Signallinien von oben durchstoßen und dadurch neue Verkaufssignale geliefert.

In der isolierten Betrachtung eines solchen Oszillators weisen Ein/Ausstiegssignale höhere Trefferquoten in Seitwärtsbewegungen auf als in starken Trendmärkten. In Kombination mit dem realen Kursgeschehen, wie z.B. ein Unterschreiten einer wichtigen Aufwärtstrendlinie oder eines wichtigen Unterstützungsbereiches, erhöht sich die analytische Bedeutung.


"Wide Range Week"

Mit einer Handelspanne von fast 540 US$ hat sich die Schwankungsbreite gegenüber den letzten Wochen wieder erhöht. Insgesamt handelt es sich um die höchste Volatilität seit mindesten sieben Wochen.

Auffällig ist der Eröffnungskurs nahe des Wochenhochs und der Wochenschlusskurs in der Nähe des Wochentiefs. Im Normalfall handelt es sich bei derartigen Bewegungen gegen den Haupt(Wochen)trend um technische Entladungen, welche von institutionellen Investoren zum risikoarmen Einstieg in Trendrichtung genutzt werden.

Dadurch kommt es nicht selten bei derartigen Wide Range Bars (WR7) gegen den Haupttrend in dem folgenden Notierungsbar zu einem Richtungswechsel und einem Schlusskurs innerhalb der Spanne des WR7. Eine mögliche Notierungslücke, in diesem Fall ein Abwärtsgap auf Wochenchart, erhöht die Eintrittswahrscheinlichkeit für das angegebene Szenario.

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Gold weiter saisonal positiv

Aufgrund historischer Erfahrungswerte lassen sich für Rohstoffe, Währungen, Aktien und Indizes statistische Durchschnittswerte berechnen. Unter der Betrachtungsweise dieser geglätteten Zyklen-Analyse aus den vergangenen 20 Jahren war im Zeitraum von Mitte März bis Anfang Mai statistische Stärke zu beobachten, ehe sich im Chart bis Anfang Juli eine klar sichtbare Korrektur beobachten lässt.

Die Abwärtsbewegung der letzten drei Wochen stimmt jedoch nicht mit den "normalen" saisonalen Verläufen überein, in denen eher eine richtungslose Tendenz zu sehen war.


Fazit:

Aus der Perspektive des langfristigen Quartalscharts ist der Gold Future in einen überhitzten Aufwärtstrend gelaufen. Die Anzeichen mehren sich, dass die Bären das Zepter übernommen haben und eine Korrektur im Aufwärtstrend eingeleitet haben.

Aus der mittelfristigen Sichtweise des Wochencharts hat sich das Chartbild verschlechtert. Durch die technischen Verkaufssignale und das Unterschreiten der relativen Unterstützungen konnten sich die Bären gegenüber den Bullen erst einmal mittelfristig durchsetzen. Die beschriebene "Wide Range" Woche bietet den Bullen jedoch Hoffnung auf eine kurzfristige Gegenbewegung in den kommenden Tagen. Jedoch erst Kurse über 5.050 neutralisieren die mittelfristig eingetrübte Ausgangsposition.

Fällt der Gold Future insbesondere nach einer kurzen Gegenbewegung im April weiter und unterschreitet das bis dahin gemachte Monatstief aus dem März (aktuell bei 4.505) ist mit einer Fortsetzung der Korrekturbewegung zu rechnen. Innerhalb des primären Aufwärtstrends wären die nächsttieferen Unterstützungen bei 4.400 und 4.000 als erstes Korrekturziel zu beziffern.

Erst Kurse über 5.440 würden den übergeordneten Haupttrend wieder durchsetzen. Bei diesem unwahrscheinlicheren positiven Szenario wäre ein Test der Bestmarke bei 5.581 wahrscheinlich. Kurse darüber eröffnen weiteres Aufwärtspotential in Richtung 6.000.


© Björn Heidkamp
www.kagels-trading.de