Edelmetalle Aktuell

Auf der in London einmal jährlich stattfindenden Platinwoche, bei der sich Banken, Händler, sowie Vertreter der Minengesellschaften treffen, war die aktuelle Preisentwicklung der Platinmetalle, sowie vor allem die massiv gestiegenen Produktionskosten die beiden maßgeblichen Gesprächsthemen.
Denn nach Informationen der Analysten von GFMS haben sich die Kosten pro geförderter Platin-Unze in Südafrika, als größtem weltweitem Hersteller, von 1.093 $ im Jahr 2010 auf 1.231 $ im Jahr 2011, also um 13 Prozent erhöht. Diese doch beachtliche Kostensteigerung kam im wesentlichen durch Streiks bzw. gestiegene Lohnkosten und höhere Energiepreise zustande. Wechselkurs bedingte Veränderungen des südafrikanischen Rands gegen USD spielen ebenfalls bei der Kalkulation eine Rolle.
Weiteren Analystenangaben zufolge erreichte der Platinmarkt im letzten Jahr einen Überschuss. Alle Bereiche mit Ausnahme der Investmentsparte (minus 30%) zeigten in 2011 zwar einen Nachfragezuwachs von gesamt durchschnittlich 2%. Aber auf der Angebotsseite gab es im Vorjahr ebenfalls eine Erhöhung: Analysten zufolge stieg diese um 7% auf eine 4-Jahres Rekordmenge von knapp 202 Tonnen. Dies ist insbesondere durch die stark angestiegene Ausbringungsmenge im Recycling begründet. Auf lange Sicht erwarten die Teilnehmer der Platinwoche sowohl wieder einen Nachfrageüberhang als auch einen steigenden Marktpreis, welcher die zuletzt gestiegenen Kosten pro Unze fundamental widerspiegeln sollte.
Völlig unbeeindruckt von den Rahmenbedingen war dagegen die Kursentwicklung im Berichtszeitraum. Als Platin das wichtige Niveau von 1.500 $ nach unten durchbrochen hatte, waren Spekulanten gezwungen, ihre Positionen zu liquidieren und ließen Platin in der Spitze auf ein Niveau von 1.415 $ je Unze zurückfallen. Neben weiterhin starkem Sicherungsinteresse der Industrie allgemein sehen wir allerdings zur Zeit keine weiteren Faktoren, die dieser Kursbewegung ein schnelles Ende setzen würden.
In der Umfrage von Thomson-Reuters unter den Teilnehmern der Platinwoche erwarteten die meisten Marktteilnehmer allerdings Kurse von 1.600 $ - 1.700 $ zum Jahresende 2012. Im Februar lag Platin noch bei 1.732 $, in der extremen Übertreibungsphase zum Jahresultimo 2011 wurde ein Kurs von 1.338 $ je Unze erreicht.
Palladium
Marktteilnehmer erwarten ein physisches Unterangebot im Palladium für das Gesamtjahr 2012, während im Jahr 2011 noch ein unerwarteter Überschuss den Markt überraschen konnte. Aus dem Automobilsektor und den anderen industriellen Bereichen steigt die Nachfrage stetig, jedoch überwogen in 2011 Verkäufe aus den staatlichen russischen Reserven und die massiven Verkäufe aus dem Investmentbereich.
Die Gesamtnachfrage im letzten Jahr belief sich auf geschätzte 263 Tonnen (minus 13%). Mit einem Anteil von 94% entfällt der absolute Großteil der Nachfrage weiterhin auf die Industrie, die letztes Jahr auch in absoluten Zahlen weiter zulegte. Aus dem für den Gesamtrückgang verantwortlichen Investmentbereich flossen dem Markt letztes Jahr geschätzte 17 Tonnen zu, während im Jahr 2010 noch netto über 30 Tonnen von Anlegern gekauft wurden.
An den Terminbörsen geht der Ausverkauf der letzten Monate jedenfalls weiter. An den Terminbörsen COMEX und NYMEX wurden in den letzten drei Wochen fast 60% der Termin bestände veräußert. Die offenen Positionen liegen nun bei nur 274.000 Unzen - so wenig wie seit Jahren nicht mehr. Anleger in ETF‘s erhöhten dagegen im Berichtszeitraum ihre langfristigen Positionen leicht.
Der massiven Positionsauflösungen an den Terminbörsen könnten letztlich dazu führen, dass Spekulanten auf dem aktuellen Kurslevel von 600 $ je Unze in eine Bärenfalle laufen. Die Thomson-Reuters Blitz-Umfrage zur Kurserwartung der Teilnehmer der Platinwoche zeigt, dass analog zur erwarteten Platin Preisentwicklung die Teilnehmer mit einer Kurserhöhung auf 700 $ bis 800 $ je Unze zum Jahresende rechnen.
Rhodium, Ruthenium, Iridium
Natürlich war auch Rhodium wieder Gesprächsthema während der jährlichen Platinwoche in London. Es ist aus Performance Sicht das Metall mit den größten Kursverlusten: Allein letztes Jahr minus 42%. Seit dem Höchstpreis von über 10.000 $ je Unze im Jahr 2008 verlor das Metall nahezu 87% an Wert.
Dieses Jahr wird von den jährlich 24 Tonnen Neuproduktion eine Menge von 4,3 Tonnen physischer Überschuss erwartet. Grund hierfür ist die reduzierte Einsatzmenge des Metalls in der Automobilindustrie pro Katalysator. Hier reduzierte sich der jährliche Verbrauch in den letzten 4,5 Jahren um stattliche 5,4 Tonnen.
Letztlich, und das war in London das Ergebnis vieler Gespräche, werden die Minen ihre Investitionen weiterhin reduzieren, da auch die Kosten bedingt durch höhere Strom- und Personalkosten in den letzten Jahren stark zugenommen haben.
Die Kurse der kleinen Platinmetalle haben allgemein im Sog von Platin und Palladium und ohne großes industrielles Interesse im Berichtszeitraum ebenfalls nachgegeben.
Hier notiert Rhodium aktuell bei 1.275 $ - 1.350 $ je Unze, Iridium bei 1.025 $ - 1.085 $ je Unze und Ruthenium ebenfalls etwas leichter bei 95 $ - 115 $ je Unze. 1.045 $ - 1.095 $ je Unze.
© Oliver Heuschuch
Heraeus Metallhandelsgesellschaft mbH
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