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Kohle und Gas: Preisrallye fehlen kurzfristig weitere Impulse

30.06.2010  |  Eugen Weinberg (Commerzbank)
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Die jüngsten Einfuhrzahlen bestätigen eine Abkühlung der Importdynamik (Grafik 3). Im Mai lagen die Kohleeinfuhren mit 11 Mio. Tonnen knapp 30% niedriger als im Dezember, wobei saisonale Faktoren diese Tendenz allerdings leicht überzeichnet haben dürften. Vor diesem Hintergrund dürfte der Preisrallye kurzfristig die Puste ausgehen und die Preise werden u.E. in der zweiten Jahreshälfte seitwärts bis leicht abwärts tendieren. Dafür spricht auch die Tatsache, dass sich die Preise an den regionalen Kohlemärkten angenährt haben. Mittelfristig sehen wir allerdings weiteres Preispotenzial: der Konsolidierungsprozess in Chinas Kohlesektor soll weiter vorangetrieben getrieben werden. So wurde erst unlängst die Schließung von 7000 kleinen Kohleminen bis 2015 angekündigt. Außerdem steigt der Kohleverbrauch in anderen Schwellenländern: vor allem Indien hat starkes Nachholpotenzial. Für 2011 erwarten wir deshalb, dass Kohle die Verteuerung der übrigen Energiepreise nachvollzieht und auf 100 USD je Tonne steigen wird.


Gas - stark spekulativ getrieben

Der Gaspreis konnte sich in den letzten Wochen deutlich erholen. Von Ende April bis Mitte Juni legte der Preis für Gas der Sorte Henry Hub um gut 30% bis auf 5,2 USD je mmBtu zu, gab aber in den letzten Tagen wieder etwas nach. Vor allem die spekulativen Anleger hatten massiv ihre Positionierung geändert: während die Long-Positionen seit Anfang Mai um fast 20 Tsd. Kontrakte gestiegen sind, wurden zugleich auf der Short-Seite massiv Positionen abgebaut.

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Per saldo hatten sich per Mitte Juni die Netto-Short Positionen auf 96 Tsd. Kontrakte nahezu halbiert den niedrigsten Stand seit Dezember letzten Jahres (Grafik 19, S. 2).

Vor allem angesichts des stark spekulativ getriebenen Umschwungs am Markt sehen wir das Potenzial kurzfristig als ausgereizt. Gedämpft wird das Anstiegspotenzial durch eine bis zuletzt überraschend positive Produktionsentwicklung. Diese Entwicklung überrascht insofern, als dass die Gasbohrungen von Mitte 2008 bis Mitte 2009 infolge des Preiseinbruchs in der zweiten Jahreshälfte 2008 massiv zurückgegangen waren. Zwar ist die Anzahl der Bohrlöcher seitdem wieder gestiegen, sie liegt aber noch immer deutlich unter dem Niveau von 2008. Ausschlaggebend ist die erhöhte Produktivität der neuen Bohrlöcher sowie die dank des technischen Fortschritts rasche Erschließung der unkonventionellen Gasvorkommen. Mittlerweile geht auch die EIA im laufenden Jahr von einer steigenden Produktion aus.

Die Ölkatastrophe dürfte die Gasproduktion zunächst nur geringfügig beeinflussen. Gemäß EIA entfallen 12% der US-Gasproduktion auf den Golf von Mexiko. Damit ist die Bedeutung der Region für den Gasmarkt niedriger als die für den Ölmarkt: Darüber hinaus sind Tiefseebohrungen für den Gasmarkt von geringer Bedeutung: Laut EIA entfallen nur 5% der US Gasproduktion auf Tiefseebohrungen, während es bei Öl immerhin 25% sind. Die sogenannten ultratiefen Bohrungen machen sogar lediglich 2,6% der gesamten Produktion aus. Die EIA hat entsprechend die Produktionsausfälle in Folge des Moratoriums in ihrem letzten “Short Term Energy Outlook“ auf zu vernachlässigende 8 Mrd. Kubikfuß kumuliert in 2010 bzw. 74 Mrd. Kubikfuß in 2011 beziffert. Zum Vergleich: die tägliche Produktion liegt bei gut 60 Mrd. Kubikfuß.




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