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Tiberius Rohstoff-Research: Marktkommentar April 2010

14.05.2010
Performancerückblick: Einbruch in Tabuzonen

Tabu ist der Name eines beliebten Gesellschaftsspiels, bei dem Begriffe erklärt werden müssen ohne dabei fünf Tabuwörter zu verwenden. Eine nahezu unlösbare Aufgabe dieses Spiels wäre es, die Entwicklungen der Finanzmärkte in den letzten Wochen zu beschreiben ohne dabei die Schlüsselwörter “Griechenland“, “Athen“, “Euro“, “Deutschland“ und “Staatsverschuldung“ zu benutzen. Bis Mitte April 2010 hatte es noch gar nicht danach ausgesehen, dass die “griechische Grippe“ bei den Staatsschulden die anderen Kapitalmarktsegmente anstecken könnte.

Lediglich die Zinsdifferenz zweijähriger griechischer Staatsschuldenpapiere zu den Bundesschatzanweisungen gleicher Laufzeit war zu diesem Zeitpunkt schon auf ein neues Hoch über 600 Basispunkte herausgelaufen, während andere viel beachtete Risikokennziffern, wie die implizite Volatilität auf Aktienoptionen (VIX, VDAX), der Wechselkurs des Euro zum Yen, die relative Performance der europäischen Bankaktien zum Gesamtmarkt oder die Zinsdifferenzen der Anleihen der anderen PIGS-Staaten zu Bundesanleihen, nur eine geringfügig erhöhte Risikoperzeption der Anleger indizierten. Die widersprüchliche Kakophonie und das katastrophale Krisenmanagement der Regierungsverantwortlichen in Euroland (s.u.) führten dann die Zinsaufschläge zweijähriger griechischer Anleihen in der Spitze bis auf 17%.

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Die Verkaufspanik griff nun endgültig auf alle anderen Kapitalmarktsegmente über und mündete am Nachmittag des 6. Mai an den hochliquiden Währungsmärkten in einem Crash des Euro gegenüber dem Japanischen Yen und dem Schweizer Franken. Die Schweizer Notenbank hatte am frühen Nachmittag die über Wochen betriebenen Stützungskäufe des Euro eingestellt und der Außenwert des Euro implodierte binnen Minuten von 1,4330 auf 1,4040 Schweizer Franken je Euro, lange bevor am späten Abend der amerikanische Aktienmarkt nach einer angeblichen Fehleingabe in der Spitze über 9% zum Vortagesschluss absackte. Die Nachricht, ein Computerfehler habe den Crash des 6. Mai an den Kapitalmärkten verursacht, wirkt in etwa so als würde man einem Mafiaboss mitteilen, sein ältester Sohn sei am Vorabend “zufällig“ bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

Die über das Wochenende am 9. Mai beschlossenen Maßnahmen der Absicherung von Euro-Staatsanleihen brachen schließlich gleich in mehrere Tabuzonen ein. Der Stabilitäts- und Währungspakt des Euroraums ist dabei zu einer vertragswidrigen Transferunion verkommen, wobei den Verantwortlichen angesichts der Verwerfungen im Bankensystem die Alternativen gefehlt haben mögen. Die Einbeziehung der Europäischen Zentralbank in die Rettungsmaßnahmen“ ist ein weiterer Tabubruch, der aus unserer Sicht nicht zu rechtfertigen ist. Bis zum 9. Mai konnte man davon ausgehen, dass bilaterale Staatshilfen an den Primärmärkten für Staatsanleihen ohne die direkte Hilfe der Notenbank geldmengenneutral platziert werden müssen.

Wäre dieser Weg gewählt worden, hätte man den Euro weiterhin als den Einäugigen unter den Blinden der Weltwährungen betrachten dürfen. So dürfte entgegen der wenig glaubwürdigen Beteuerungen der EZB, etwaige direkte Käufe von Euro-Staatsanleihen würden geldmengentechnisch sterilisiert, heißen: Willkommen im Club der Schwachwährungen.



Den kompletten Marktkommentar April 2010 können Sie hier downloaden.


© Tiberius Rohstoff-Research
Stuttgart, den 12.05.2010
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