Oil Markets Monthly

Analyse von Nachfrage- und Angebotsseite
Während die Ölnachfrage in den Jahren vor der Finanzmarktkrise mit Raten gut oberhalb der 1% gewachsen war, erlebte diese im abgelaufenen Jahr aufgrund des Wirtschaftseinbruchs einen deutlichen Rückgang (-1,5%). Auch 2008 machte sich die Krise schon bemerkbar, so dass der Ölbedarf im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückging. Zwar führte die weltweite konjunkturelle Erholung dazu, dass sich die Ölnachfrage in der zweiten Jahreshälfte 2009 belebte, doch diese Entwicklung verlief noch schleppend.
Wir rechnen damit, dass sich die Erholung des Ölkonsums im laufenden Jahr weiter fortsetzen wird. Dabei dürfte die Dynamik jedoch sehr unterschiedlich ausfallen. In den OECD-Ländern sollte die Ölnachfrage weiter leicht anziehen, doch unsere Prognose einer holprigen konjunkturellen Entwicklung spricht nicht für ein deutlich höheres Niveau – im letzten Jahr konzentrierte sich der Nachfrageeinbruch vor allem auf die OECD-Staaten, womit er so stark ausfiel wie zuletzt 1981. Im Jahresverlauf könnte eine höhere Nachfrage vor allem in der zweiten Jahreshälfte zu beobachten sein, denn dann nimmt die Konjunktur wieder mehr Fahrt auf.
Die Nachfrage aus den Nicht-OECD-Ländern - allen voran China - war zunächst ein erheblicher Stützungsfaktor für den weltweiten Ölbedarf und hat dann in den letzten Monaten die Erholung maßgeblich beeinflusst, so dass insgesamt im vergangenen Jahr sogar noch ein Plus verbucht werden konnte. Da die Konjunkturbelebung in den OECD-Ländern nur langsam in Gang kommt, dürften auch 2010 die Nicht-OECD-Staaten der hauptsächliche Treiber für die Ölnachfrage sein. Innerhalb dieser Länder ist wahrscheinlich, dass die asiatische Region, insbesondere China, sowie der Mittlere Osten den höchsten Zuwachs verzeichnen. Trotz des Anstiegs im Vergleich zum Vorjahr um rund 1,5% erreicht die Ölnachfrage 2010 nur knapp wieder die Vorkrisenniveaus, womit die Finanzmarktkrise und der damit einhergehende realwirtschaftliche Einbruch eine deutliche Spur in der Entwicklung der Ölnachfrage hinterlässt.

Mit Blick auf die Angebotsseite zeigt sich, dass das Ölangebot der Nicht-OPEC-Staaten auch dieses Jahr mit noch nicht einmal 1% eine geringe Ausweitung erfährt. 2009 gestaltete sich die Angebotserhöhung nicht wesentlich größer, doch die einbrechende Nachfrage machte dies auch nicht notwendig. Mit der anziehenden Nachfrage dürfte die wenig dynamische Entwicklung des Ölangebots außerhalb der OPEC wieder größere Sorgen bereiten.
Entsprechend richtet sich der Blick auf das Kartell, das im Zuge der Finanzmarktkrise verkündigt hat, seine Förderung im Vergleich zur Produktion im September 2008 um 4,2 Mio. bpd zu reduzieren. Zum Jahresanfang 2009 konnte die OPEC ihre Fördermengenkürzung auch zu über 70% umsetzen, doch im Zuge der zuletzt gestiegenen Ölpreise hat die Disziplin doch erheblich nachgelassen, so dass die angestrebten Kürzungen nur noch zu knapp 60% implementiert wurden.
Das bedeutet, dass der Output der OPEC im vergangenen Jahr insgesamt knapp unter 29 Mio. bpd gefallen ist, 2008 betrug das Angebot noch 31,2 Mio. bpd. Angesichts des moderaten Nachfrageanstiegs und des deutlichen Zuwachses bei OPEC NGLs erhöht sich der "call on OPEC crude and stockchange" 2010 nur leicht auf rund 29 Mio. bpd. Das dürfte die freien Rohölkapazitäten der OPEC weiter erhöhen.
Die Analyse von Ölnachfrage und -angebot zeigt, dass von fundamentaler Seite noch kein großer Aufwärtsdruck für die Ölpreise ausgehen sollte. Zwar kann sich die Ölnachfrage weiter erholen, doch sie erreicht nur knapp Vorkrisenniveaus.




