Edelmetalle Aktuell

Angetrieben von einer allgemeinen Rallye der Rohstoffpreise, einem dabei besonders starken Goldkurs und einem gleichzeitig etwas schwächeren US-Dollar hat auch der Platinpreis in den letzten zehn Arbeitstagen deutlich zulegen können. Er erreicht dabei heute Morgen fast wieder die Marke von 1.500 $. Am Ende reichte es hierfür dann aber nicht und bis zum Nachmittag fiel die Notierung wieder leicht zurück.
Mit den ETF-Verkäufen und den spekulativen Börsenbeständen auf Höchstniveau, geht dem Metall, das im Moment nur von einer wirklich guten Schmucknachfrage in China gestützt wird, auf dem momentanen Niveau möglicherweise langsam die Luft aus. Ganz sicher würde ein starker Rückschlag beim Goldpreis auch beim Platin Spuren hinterlassen.
Charttechnisch gäbe es dann eine erste starke Unterstützung erst wieder bei 1.420 $ und dann bei 1.375 $ je Unze. Größere strategische Käufe würden wir industriellen Endverbrauchern derzeit ohnehin nur zwischen 1.250 $ und 1.300 $ empfehlen.
Von den Minen gab es in den letzten Tagen nur wenige Nachrichten, so gab Aquarius Platinum Details zu der geplanten Wiederinbetriebnahme der im letzten Jahr eingemotteten Everest-Mine bekannt und bei der Junior-Minengesellschaft Wesizwe gab es weitere Änderungen im Management, hierzu findet sich ein Link auf Seite 4.
Was die Verbrauchsseite angeht, müssen sich Diesel-Fahrer in Deutschland, die ihr Auto bisher noch immer nicht mit einem Partikelfilter nachgerüstet haben, jetzt beeilen. Nur noch bis zum Ende dieses Jahres gibt es eine staatliche Förderung in Höhe von einmalig 330 Euro für den Einbau eines Rußfilters. Eine steigende Anzahl von Diesel–Fahrern hatte sich zuletzt für die Nachrüstung ihrer PKWs mit einem Partikelfilter entschieden: Wurden von Anfang bis Mitte 2009 noch weniger als 6.000 Pkw pro Monat nachgerüstet, so hatte sich diese Zahl nach einer Umstellung der Förderung ab dem 1. August zuletzt fast vervierfacht.
Für den Platinverbrauch haben die Nachrüstfilter trotzdem nicht den ursprünglich erhofften Zusatzabsatz an Metall gebracht. Immerhin sind auf Deutschlands Straßen etwa 10 Mio. Dieselfahrzeuge unterwegs, wovon auch nur ein relativ kleiner Anteil serienmäßig einen Partikelfilter besessen haben dürfte. Weil aber wegen der Abwrackprämie sicherlich zahlreiche Diesel-Fahrzeuge mit den Schadstoffklassen Euro 1, 2 und teils auch schon 3 aus dem Verkehr gezogen worden sind, stellte sich wahrscheinlich die Frage der Nachrüstung oft nicht mehr.
Palladium
Das sich zuletzt so positiv entwickelnde Palladium legte in den letzten beiden Wochen gefühlt eine Verschnaufpause ein. Trotzdem schaffte es das Metall, den Mitte November erreichten Höchstkurs von 376 $ zu übersteigen. Am Ende erreichte es mit 387,50 $ heute in Asien den höchsten Stand seit August letzten Jahres.
Während die Tendenz insgesamt leicht nach oben zeigte, gab es beim Palladium aber anders als bei den anderen Edelmetallen gleich zwei Wellen von Gewinnmitnahmen, die ihm jeweils kurzzeitig Kurse in der Nähe der Marke von 350 $ je Unze bescherten. Beide Male waren die Verluste aber nicht langer Dauer.
Charttechnisch befindet sich das Palladium ganz klar noch in einem Aufwärtstrend; ein Trend, der unserer Meinung nach auch fundamental besser als bei den anderen drei Hauptedelmetallen untermauert ist. Die phänomenalen Autoverkäufe in China und die Stabilisierung des Absatzes in den USA und in Europa (hier verbunden mit einem steigenden Benzineranteil), sorgen für genügend Nachfrage, auch mittelfristig Preise über 300 $ rechtfertigen zu können.
Der weltweit größte Nickel- und Palladiumproduzent Norilsk Nickel aus Russland geriet in der letzten Woche in die Schlagzeilen, nachdem der norwegische Staat Aktien des russischen Minengiganten aus seinem Ölfonds verbannte. Die Norweger begründeten diesen Schritt mit der Umweltverschmutzung, die durch die Produktion von Metallen am Polarkreis hervorgerufen werde. Norilsk reagierte auf die Vorwürfe mit einer Stellungnahme, in der die Firma ausführte, dass sie in den letzten Jahren bereits zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Situation getroffen habe und ständig daran arbeite, diese noch weiter auszubauen. Da diese Maßnahmen aber während des laufenden Betriebs vorgenommen werden, müssten sie zeitlich entsprechend gestreckt werden.
Rhodium, Ruthenium, Iridium
Nach den starken Kursgewinnen der letzten Wochen legten Rhodium und Ruthenium in den letzten Tagen erst einmal eine Verschnaufpause ein. Die Nachfrage aus den in den letzten Monaten so deutlich dominierenden Märkten im Fernen Osten kam dabei auf dem hohen Preisniveau vorerst zum Erliegen.
Bevor es soweit war, verzeichneten beide Metalle aber noch einmal Gewinne. Das Rhodium stieg dabei zunächst auf 2.800 $ je Unze, bevor Verkäufe einsetzten und den Preis wieder auf 2.760 $ drückten.
Das Ruthenium hatte zwischenzeitlich $180 erreicht und sich damit innerhalb weniger Wochen fast verdoppelt. Jetzt ging allerdings auch diesem Metall erst einmal die Luft aus und heute Morgen notierte es dann mit “nur noch“ 135 $ - 165 $ je Unze.
Von all den Schwankungen auf den Edelmetallmärkten zeigte sich das Iridium einmal mehr unbeeindruckt. Das jüngste Kaufinteresse hat wieder etwas nachgelassen, den Preis hatte es ohnehin nicht aus seiner Lethargie reißen können. Dieser liegt weiterhin bei 390 $ - 430 $.
© Wolfgang Wrzesniok-Roßbach
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