• Sonntag, 05 April 2026
  • 08:11 Frankfurt
  • 07:11 London
  • 02:11 New York
  • 02:11 Toronto
  • 23:11 Vancouver
  • 16:11 Sydney

Angespannte Marktlage bei Getreide hält Preise hoch

01.11.2012  |  Eugen Weinberg (Commerzbank)
- Seite 2 -
Auch in Argentinien, wo die Ernte einige Wochen später beginnt, wird die Erntemenge deutlich unter den beiden Vorjahren zurückbleiben. Die staatlichen Handelsbeschränkungen haben viele Farmer dazu veranlasst, ihre Weizenfläche gegenüber 2011/12 um 20% einzuschränken. Hinzu kommen die Auswirkungen der seit Monaten zu hohen Niederschläge, die Qualitätsprobleme mit sich bringen. Die Schätzungen für die argentinische Weizenernte liegen zwischen 10 Mio. und 11,5 Mio. Tonnen, was einem Rückgang um etwa 4 Mio. Tonnen gegenüber dem Vorjahr bedeutet.

Auf der Nordhalbkugel ist die Aussaat von Winterweizen für die Ernte 2013 nahezu abgeschlossen. Noch gibt es kein klares Bild, was diese für nächstes Jahr erwarten lässt. Generell ist zu vermuten, dass die hohen Preise den Anbau von Weizen attraktiv machen werden. So ist der Weizenpreis seit Jahresbeginn deutlich stärker gestiegen als der von Mais oder Sojabohnen. Die Preise dürften sich in 2013 zumindest bei befriedigenden Witterungsbedingungen nach unten bewegen, da mit einer spürbaren Ausweitung des Angebots zu rechnen ist. Mit 700 US-Cents je Scheffel erwarten wir im vierten Quartal 2013 allerdings noch immer ein im historischen Vergleich sehr hohes Preisniveau.


Mais:

Die letzten Monate sind ein Musterbeispiel dafür, wie schnell sich die Situation an den Agrarmärkten ändern kann. Innerhalb weniger Wochen drehte die Erwartung eines massiven Überschusses am globalen Maismarkt in ein Defizit, dessen Höhe derzeit mit um die 15 Mio. Tonnen erwartet wird (Grafik 4).

Maßgeblich verantwortlich dafür ist die enttäuschende nun zu Ende gehende US-Ernte, die nicht wie zunächst erwartet einen neuen Rekord, sondern dürrebedingt die niedrigste Maismenge seit sechs Jahren erbracht haben dürfte. Die Notierungen an der Terminbörse in Chicago waren daraufhin zwischen Mitte Juni und Mitte August um 65% in die Höhe geschossen und markierten mit knapp 840 US-Cents je Scheffel am 21. August ein neues Rekordhoch.

Der rasche Erntefortschritt in den USA führte schließlich zu einem Preisrückgang auf etwas mehr als 700 US-Cents je Scheffel bis Ende September. Der stärker als erwartet ausgefallene Rückgang der Lagerbestände in den USA zu Beginn der neuen Saison am 1. September markierte Ende September das Endeder Korrekturbewegung. Seither schwankt der Maispreis in einer Spanne zwischen 7,30und 7,70 USD je Scheffel.

Open in new window

In Südamerika wird derzeit die Aussaat vorgenommen, in Brasilien sind 40% der Flächen bereits bestellt. Die nächste Ernte soll mit geschätzten 70 Mio. Tonnen wieder hoch ausfallen, wozu auch beiträgt, dass in Brasilien immer häufiger aucheine zweite Aussaat vorgenommen wird. Allerdings steigt auch der Verbrauch im Land selbst, nicht zuletzt durch die riesige Geflügelindustrie.

In Argentinien, dem zweitgrößten Exportland nach den USA, geht derzeit die Aussaat aufgrund starker Regenfälle in den Pampas langsamer voran als in Vorjahr und ist etwa zu einem Drittel vollendet. Dabei geht die Buenos Aires Cereals Exchange von einer Flächeneinschränkung um 12% aus, da verstärkt auf Sojabohnen umgestiegen wird.

Eine gute Ernte in Südamerika ist wichtig, damit das nach bisheriger Erwartung mit unter 13% auf das niedrigste Niveau seit 19 Jahren absinkendeglobale Lager-Verbrauchs-Verhältnis nicht noch weiter absinkt. Besonders kritisch ist die Situation in den USA, wo das das Lager-Verbrauchs-Verhältnis 2012/13 auf 5,5% abzurutschen droht - ein 17-Jahrestief. Auslöser ist der Rückgang der US-Ernte um 13% auf 10,7 Mrd. Scheffel oder 272 Mio. Tonnen. Global verschlechtert eine um 10 Mio. Tonnen geringere EU-Ernte die Marktbilanz, die auch durch die erwartete hohe brasilianische Ernte und ein gutes chinesisches Ergebnis nicht gedreht werden kann.

In der nächsten Saison spricht aus heutiger Sicht vieles für eine Entspannung der Angebotslage. Insbesondere in den USA sollte die Ernte in einem Jahrdeutlich besser ausfallen als die aktuelle. So deutet sich eine nochmalige leichte Ausdehnung der US-Anbaufläche auf ein neues Rekordniveau an. Es wird am Markt bereits eine Größenordnung von 97,5 Mio. Morgen genannt (Grafik 5).

Zudem sollte es zu einer Normalisierungder durchschnittlichen Ernteerträge kommen. Denn der diesjährige erwartete Durchschnittsertrag von 123 Scheffel je Morgen ist aufgrund der dürrebedingten Auswirkungen kein guter Schätzer für künftige Erträge. In 2010/11 und 2011/12 waren rund 150 Scheffel je Morgen erzielt worden. Die Märkte werden möglicherweise angesichts der jüngsten Erfahrungen vorsichtig bleiben, doch im Falle sich verfestigender Aussichten auf eine entspanntere Versorgungslage sollten die Preise nachgeben. Wir erwarten für das vierte Quartal 2013 allerdingsnoch immer ein relativ hohes Preisniveau von 620 US-Cents je Scheffel. Denn im Überfluss vorhanden sein wird Mais auch dann nicht.




Bewerten 
A A A
PDF Versenden Drucken

Für den Inhalt des Beitrages ist allein der Autor verantwortlich bzw. die aufgeführte Quelle. Bild- oder Filmrechte liegen beim Autor/Quelle bzw. bei der vom ihm benannten Quelle. Bei Übersetzungen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der vertretene Standpunkt eines Autors spiegelt generell nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers wieder. Mittels der Veröffentlichung will dieser lediglich ein pluralistisches Meinungsbild darstellen. Direkte oder indirekte Aussagen in einem Beitrag stellen keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren dar. Wir wehren uns gegen jede Form von Hass, Diskriminierung und Verletzung der Menschenwürde. Beachten Sie bitte auch unsere AGB/Disclaimer!



© 2007 - 2026 Rohstoff-Welt.de ist ein Mitglied der GoldSeiten Mediengruppe
Es wird keinerlei Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen! Alle Angaben ohne Gewähr!
Kursdaten: Data Supplied by BSB-Software.de (mind. 15 min zeitverzögert)