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Rohstoffe kompakt Energie - Renaissance der Kohle

24.09.2008 | 7:28 Uhr | Weinberg, Eugen
Begünstigt durch den rapiden Anstieg der Rohölpreise bis Mitte Juli ist Kohle, welche lange Zeit im Schatten von Rohöl stand, wieder in den Fokus gerückt. Kohle ist reichlich und in wesentlich mehr Ländern vorhanden als Erdöl und Erdgas. Die Stromerzeugung mit Kohle ist außerdem verhältnismäßig billig. Kohle ist deshalb gerade in den schnell wachsenden Entwicklungsländern Asiens für die Energieerzeugung unverzichtbar. Nachteile sind die hohen Transportkosten und die hohe Umweltbelastung. Diese dürften einem langfristigen Preisanstieg bei Kohle aber nicht entgegenstehen, weil die Ausweitung des Angebots mit der kräftig steigenden Nachfrage kaum Schritt halten dürfte.

Die Kohle hat in den vergangenen 12 Monaten eine bemerkenswerte Renaissance erlebt. Innerhalb von neun Monaten hat ist der an der NYMEX gehandelte Kohlepreis (US-Sorte Appalachian) zunächst um mehr als 200% gestiegen. Im Zuge der Ölpreiskorrektur ist zwar auch der Kohlepreis seit Anfang Juli um knapp 40% gefallen (siehe Grafik 1). Mehrere Faktoren sprechen dafür,dass die Bedeutung der Kohle in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird, was sich auch in langfristig steigenden Preisen widerspiegeln sollte:


Verfügbarkeit:

Kohle ist zwar wie andere Energieträger auch begrenzt verfügbar. Allerdings reichen die Kohlereserven beim derzeitigen Verbrauch nach Angaben des World Coal Instituts noch für knapp 150 Jahre. Kohle wird damit noch wesentlich länger verfügbar sein als Rohöl oder Erdgas, deren Vorkommen nach derzeitigen Schätzungen in 40 bzw. 60 Jahren zur Neige gehen werden. Ein weiteres Plus von Kohle ist die breite Streung der Kohlereserven über den gesamten Globus. Abbaubare Reserven gibt es in etwa 70 Ländern der Erde. Die meisten Länder mit nennenswerten Kohlevorkommen können zudem als politisch sicher und stabil gelten. Im Gegensatz dazu sind die Erdölvorkommen stark auf einige wenige Länder konzentriert, welche zumeist als instabil und damit auch unberechenbar gelten können.


Steigende Nachfrage:

Kohle kommt vor allem bei der Stromerzeugung zum Einsatz. In vielen bedeutenden Verbraucherländern werden noch immer mehr als 75% der Stromenergie in Kohlekraftwerken gewonnen, weshalb Kesselkohle mit einem Anteil von 78% auch die dominierende Kohleart ist. Mit dem zunehmenden Strombedarf vor allem in den Entwicklungsländern dürfte auch die Nachfrage nach Kohle weiter steigen. Die Internationale Energieagentur rechnet mit einem durchschnittlichen jährlichen Anstieg der Kohlenachfrage um 2,2% bis 2030. Diese Schätzung kann bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 5% in den letzten acht Jahren als konservativ gelten. Mehr als drei Viertel des Anstiegs sollen dabei auf China und Indien entfallen. Diese beiden Länder vereinigen bereits heute knapp 50% des weltweiten Kohleverbrauchs auf sich. Zudem haben zahlreiche Entwicklungsländer mit Stromknappheiten zu kämpfen und sind daher bestrebt, genügend Kohle für den heimischen Bedarf zur Verfügung zu stellen.



Weitgehende Konjunkturunabhängigkeit: Die Nachfrage nach Kohle dürfte sich einer globalen Konjunkturabschwächung nicht vollständig entziehen können. So kommt Kohle auch bei der konjunkturabhängigen Stahlproduktion zum Einsatz. Die Stahlproduzenten haben derzeit schon mit sinkenden Preisen zu kämpfen, was sich auch in einer geringeren Nachfrage nach den Vorprodukten Kokskohle und Eisenerz niederschlagen wird. Die Stahlindustrie beansprucht aber lediglich ein Siebtel der gesamten Kohleproduktion und spielt damit für die Nachfrage und die Preisentwicklung für Kohle nur eine untergeordnete Rolle. Weitaus wichtiger ist die konjunkturunabhängigere Stromerzeugung, welche knapp drei Viertel des weltweiten Kohleverbrauchs ausmacht. Der steigende Energiebedarf und die momentanen Stromknappheiten in den Entwicklungsländern dürften außerdem dafür sorgen, dass die Nachfrage nach Kohle auch bei einer schwächeren Konjunkturentwicklung robust bleibt.


Kosten der Stromerzeugung:

Die herausragende Rolle der Kohle bei der Stromerzeugung erklärt sich mit den verhältnismäßig geringen Kosten (siehe Grafik 2). Einer Untersuchung der Technischen Universität Lappeenranta in Finnland zufolge kostete die Erzeugung einer Megawattstunde Strom bei der Verwendung von Kohle Anfang des Jahres 46 Euro. Billiger war demnach nur noch Atomstrom mit 35 Euro. Die Stromgewinnung aus Erdgas kostete dagegen 51 Euro je Megawattstunde. Unter Einbeziehung der Emissionskosten verschiebt sich das Verhältnis zugunsten von Gas, weshalb Erdgas auch der Hauptkonkurrent von Kohle bei der Stromerzeugung ist. Die alternative Energiegewinnung aus Wind, Wasser und Sonne ist dagegen deutlich teurer oder kann den Strombedarf allein und jederzeit bei weitem nicht sicherstellen. An dieser Situation dürfte sich auf absehbare Zeit voraussichtlich nichts ändern, so dass Kohle bei der Energiegewinnung auch weiterhin eine dominierende Rolle spielen dürfte


Sinkendes Exportangebot:

Auch wenn die Kohlevorkommen breit gestreut sind, konzentriert sich die Förderung derzeit auf wenige Länder (Schaubild 3). Die meisten der großen Kohleproduzenten wie China, USA und Indien fördern größtenteils für den Eigenbedarf. Dies gilt insbesondere für China, welches zwar 40% der weltweiten Kohleförderung stellt, seit 2007 aber Nettoimporteur ist. Die Stromknappheit in China hatte bereits zur Folge, dass einige Metallproduzenten ihre Produktion drosseln mussten. Die Erhöhung der Strompreise und die Festsetzung von Obergrenzen für den Kohlepreis haben die Problematik der Stromversorgung bislang noch nicht lösen können. Daher gibt es weitere Bestrebungen, den Kohleexport zu erschweren, um den steigenden heimischen Bedarf der Kohlekraftwerke und Stahlproduzenten zu befriedigen. So wurden mit Wirkung vom 20. August eine 10%ige Steuer für Exporte von Kesselkohle eingeführt und die bereits bestehenden Steuern für Exporte von Kokskohle und Koks erhöht.




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