CRB Index + S&P GSCI Commodity Index
29.09.2008 | Jens Rabe
Nachdem es in den letzten beiden Wochen zu teilweise sehr starken Erholungen an den Rohstoffmärkten kam, sollte man davon ausgehen können, dass sich auch die großen Rohstoffindizes dieser Bewegung anschließen und Umkehrmuster anzeigen. Der Blick auf die Charts offenbart aber, dass es hier keinesfalls zu einer Trendwende gekommen ist. Beide Indizes zeigen weiterhin intakte Abwärtstrends auf.

Möchte man sich derzeit einen Überblick über das Verhalten der großen Investoren an den Rohstoffmärkten verschaffen, lohnt wie immer ein Blick auf die Positionierungen der Commercials und besonders der Index Trader. Trotz der großen Einbrüche die wir in den letzten Wochen gesehen haben, besitzen die Indextrader immer noch sehr hohe Longpositionierungen in den Rohstoffmärkten. Verfolgt man die wöchentlichen Veränderungen in ihren Positionierungen, dann kann man feststellen, dass der Abbau dieser Longpositionen unvermindert weitergeht. Die Frage die sich daraus ergibt ist, wer oder was soll momentan für steigende Preise sorgen, wenn gleichzeitig das Geld der institutionellen Investoren immer weiter aus den Rohstoffmärkten fließt?
Auf der Website von Steve Briese (The Commitments of Traders Bible) www.CommitmentOfTraders.ORG findet man verschiedene Grafiken zur aktuellen Positionierung der Indextrader. Dabei wird deutlich, dass diese immer noch einen Großteil der Longpositionen an den Märkten halten. Dies soll die nachfolgende Übersicht verdeutlichen:
Zwar zeigt die obige Tabelle nur einen Teil der handelbaren Rohstoffe, aber man kann wohl davon ausgehen, dass die Positionierungen in den anderen Märkten vergleichbar sein dürften. Die aktuelle Krise an den internationalen Finanzmärkten hat auch dazu geführt, dass der Besitz von ausreichend Cash eine der wichtigsten Punkte für das Überleben (großer und kleiner) Investoren darstellt. Und so kam es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Zwangsliquidierungen bei Fonds oder auch aus den Portfolios institutioneller Investoren (AIG, Lehman Brothers,…) heraus. Dies dürfte sich auch in den kommenden Wochen und Monaten fortsetzen, da wir nicht davon ausgehen können, dass durch das Bail Out Programm der US Regierung die Krise an den Märkten beendet wird. Wenn aber die großen Player als Käufer derzeit nicht in Erscheinung treten (können), wer soll also dafür sorgen, dass die Preise wieder ansteigen? Die Commercials beginnen zwar mittlerweile ihre rekordhohen Shortpositionen an den Märkten zu reduzieren, aber der Punkt an dem die Commercials überwiegend Longpositionen aufweisen würden, scheint noch weit entfernt zu sein.
Als weiterer negativer Punkt kommt hinzu, dass die im CoT Report als Large Speculators zusammengefassten spekulativen Fonds jetzt ebenfalls beginnen, mehrheitlich auf fallende Preise zu setzen. Man darf diesen Fonds durchaus ein gutes Marktgespür unterstellen, haben diese doch in den letzten Jahren auf der Longseite sehr gut an der Aufwärtsbewegung der Rohstoffe partizipieren können. Bleiben also nur die Kleinanleger, welche traditionell eher die Long- als die Shortseite favorisieren. Ob diese Gruppe allerdings über ausreichende finanzielle Mittel verfügt um den Märkten auch nur einen Hauch eines Impulses zu erteilen, darf getrost bezweifelt werden.
Zwar mag es durchaus fundamentale Gründe geben, welche für einzelne Rohstoffe langfristig gute Perspektiven aufweisen. Kurzfristig ist der Geldfluss allerdings der entscheidende Faktor der auf die Preise einwirkt und daher sind weitere Preisrückgänge im gesamten Rohstoffbereich zu erwarten. Je größer der Anteil von Indexgeldern im jeweiligen Markt ist, umso größer ist die Gefahr weiter anhaltender Liquidationen. Wir sehen daher momentan besonders in den Energie- und Getreidemärkten das größte Potential auf der Unterseite. Märkte in denen die Indextrader nicht so stark vertreten sind oder aber die von der Krise im Bankenbereich profitieren könnten (Edelmetalle) sollten dagegen einen Puffer gegen weitere Preisverfälle besitzen.
Lumber
Nachdem wir uns jahrelang mit diesem Markt überhaupt nicht beschäftigt haben, kommen wir derzeit nicht umhin bereits zum dritten Mal in diesem Jahr auf einige interessante Punkte in diesem Markt hinzuweisen.
Nachdem sich die Preise von Februar bis in den August stabil halten konnten, brachen die Notierungen für Lumber zuletzt dann doch noch sehr deutlich ein und folgten ihrem saisonalen Muster.
In den kommenden Wochen zeigt das saisonale Muster nun allerdings sehr deutlich nach oben. Im Oktober findet Lumber gewöhnlich einen Boden um dann bis in den Februar des nachfolgenden Jahres anzusteigen. 
Die Commercials sind bereits seit Mitte 2006 vorwiegend als Nettokäufer in diesem Markt aktiv und halten aktuell auch eine historisch betrachtet hohe Nettolongposition. 
Gut ins Bild passt hier auch das Sentiment, welches derzeit auf einem sehr niedrigen Wert notiert und damit anzeigt, dass diesem Markt derzeit wenig Potential zugetraut wird und somit nicht im Blickpunkt der Investoren steht.
Da Lumber ein vergleichsweise enger Markt ist, macht es hier wenig Sinn mit Indikatoren und Charttechnik en detail zu operieren. Aktuell befindet sich der Markt allerdings in einem eindeutigen Abwärtstrend und es liegt noch kein Kaufsignal vor. Dennoch erscheint es uns lohnenswert diesen Rohstoff auf die Beobachtungsliste zu setzen. Institutionelle Gelder dürften nur in sehr geringem Maß hier investiert sein, so dass sich Lumber den von uns erwarteten Liquidationswellen entziehen könnte. Die CME hat zuletzt angekündigt, ab 20. Oktober Lumber nun auch über ihre elektronische Plattform handeln zu lassen.
http://cmegroup.mediaroom.com/index.php?s=43&item=2721
© Jens Rabe
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