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China ändert Exportbesteuerung

01.03.2017  |  Eugen Weinberg (Commerzbank)

Die chinesische Regierung hat mit Wirkung zum 1. Januar 2017 bei allen wichtigen Industriemetallen die Exportsteuer angepasst. Mit wenigen Ausnahmen wurde dabei die Steuer deutlich reduziert oder gleich ganz abgeschafft. Dies könnte dazu führen, dass China zukünftig mehr Metalle exportiert, so dass der jeweilige Weltmarkt besser versorgt ist.

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China hat Ende letzten Jahres Anpassungen bei der Steuer auf den Export von Industriemetallen vorgenommen. Wir haben wichtige Änderungen in der Tabelle zusammengefasst.

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Die neuen Steuersätze gelten wie üblich zunächst für ein Jahr. Während diese unseres Erachtens bei manchen Metallen großen Einfluss auf die zukünftigen Handelsaktivitäten Chinas haben, sind sie bei anderen wiederum wohl eher symbolischer Natur.

Die größten Auswirkungen dürften die Änderungen bei Aluminium haben, gefolgt von Kupfer und temporär auch bei Zinn. China hat im letzten Jahr gemäß Daten des International Aluminium Institute (IAI) 31,6 Mio. Tonnen Aluminium produziert und stand damit für 54% der weltweiten Aluminiumproduktion. Auch in diesem Jahr dürfte die Produktion hoch bleiben bzw. sogar noch ausgeweitet werden, da neben der Wiederinbetriebnahme vormals stillgelegter Schmelzen neue, kostengünstige Produktionsanlagen hinzugekommen sind.

2016 wurden laut dem Verband der chinesischen Nicht-Eisenindustrie 2,8 Mio. Tonnen jährliche Schmelzkapazitäten neu in Betrieb genommen. Das chinesische Analysehaus SMM setzt diese Zahl sogar mit über 3 Mio. Tonnen p.a. an. Daneben seien über 2 Mio. Tonnen p.a. wieder gestartet worden. Die heimische Produktion übertrifft aber bei weitem die lokale Nachfrage, so dass sich laut dem US-Aluminiumproduzenten Alcoa 2017 in China ein Angebotsüberschuss von 2,3 Mio. Tonnen auftürmen wird.

Die chinesischen Produzenten und Händler werden daher wohl weiter große Mengen Aluminium exportieren. Im Januar wurden gemäß Daten der Zollbehörde 390 Tsd. Tonnen Aluminium und Aluminiumprodukte ausgeführt, etwas mehr als im Vorjahr. 2016 waren es 4,59 Mio. Tonnen bzw. durchschnittlich 382,5 Tsd. Tonnen pro Monat. Die Exporte scheinen sich um dieses Niveau herum eingependelt zu haben (Grafik 2).

Mit Ausnahme von einigen Monaten im Jahr 2009 ist China seit Mitte 2004 Netto-Exporteur von Aluminium und Aluminiumprodukten. Die Eliminierung der Exportsteuer auf fertige Aluminiumprodukte dürfte Anreiz geben, zukünftig noch mehr zu exportieren. Damit wäre der unseres Erachtens ohnehin schon gut versorgte globale Aluminiummarkt wohl noch stärker überversorgt.

Deutlich höheren chinesischen Aluminiumexporten könnte allerdings die Klage der USA gegen China vor der WTO entgegenstehen. Im Januar hatten die USA China vorgeworfen, mit Hilfe von illegalen staatlichen Subventionen die Kapazitäten, die Produktion und den Marktanteil künstlich in die Höhe zu treiben und so den globalen Preis von Aluminium zu drücken. Die chinesische Regierung hatte die Anschuldigungen umgehend zurückgewiesen.

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Gestrichen wurde daneben die Exportsteuer auf 99,999%-ige Kupferkathoden. Zudem wurde die Steuer auf verschiedene verarbeitete sowie unbehandelte Kupferprodukte deutlich reduziert. China ist zwar seit je her Netto-Importeur von Kupferraffinade, der Importsog hat in den letzten Monaten allerdings nachgelassen. Im Gesamtjahr 2016 hat China Daten der Zollbehörde zufolge zwar mit 3,2 Mio. Tonnen "nur" 8% weniger Kupferraffinade netto importiert als im Jahr zuvor, das Jahr war aber zweigeteilt.

So lagen die Netto-Importe im zweiten Halbjahr 30% unter den ersten sechs Monaten. Die Exporte von Kupferraffinade verdoppelten sich im letzten Jahr auf 426 Tsd. Tonnen. Ein ähnliches Bild ergibt sich für die Netto-Importe von unbehandeltem Kupfer und Kupferprodukten (4,1 Mio. Tonnen im letzten Jahr). Die Exporte in dieser Kategorie wurden auf 885 Tsd. Tonnen ausgeweitet (Grafik 3).

Dagegen hat China deutlich mehr Kupferkonzentrat importiert, was im Land zu Kupferraffinade verarbeitet wurde. Die Kupferproduktion hatte im letzten Jahr in China gemäß Daten des Nationalen Statistikinstituts mit 8,7 Mio. Tonnen ein Rekordhoch erreicht - dank attraktiver Verarbeitungsmargen. Da in China seit Jahresbeginn die börsenregistrierten Kupfervorräte deutlich gestiegen sind, könnte das momentan offenbar überschüssige Material bei entsprechend attraktiven Weltmarktpreisen exportiert werden. Damit wäre der globale Kupfermarkt wohl besser versorgt als erwartet.



Höhere chinesische Exporte bzw. geringere Importe würden dabei helfen, die bislang streikbedingten Produktionsausfälle in diesem Jahr abzufedern. Die International Copper Study Group (ICSG) hatte auf ihrer Herbsttagung im Oktober für 2017 einen Angebotsüberschuss von 163 Tsd. Tonnen in Aussicht gestellt.

Im Falle von Zinn wurde vom Verband der chinesischen Nicht-Eisenindustrie mit Verzögerung bestätigt, dass die seit 2008 bestehende Exportsteuer auf Zinnraffinade nicht mehr verlängert wurde. Die Einführung der Steuer vor neun Jahren hat neben der steigenden heimischen Nachfrage dazu beigetragen, dass China seitdem vom Netto-Exporteur zum Netto-Importeur geworden ist. 2016 wurden gemäß Daten der Zollbehörde 7,2 Tsd. Tonnen Zinn netto eingeführt, der Großteil davon in der zweiten Jahreshälfte.

In den Jahren zuvor wurde allerdings zumeist mehr Zinn importiert. Deutlich gestiegen sind im letzten Jahr die Importe von Zinnerz (um 63% auf rund 475 Tsd. Tonnen gemäß Daten des World Bureau of Metal Statistics). Sie haben damit ein Rekordhoch erreicht. Das Rohmaterial kam dabei fast ausschließlich aus Myanmar. Es wurde in China zu Zinnraffinade verarbeitet (+10% auf 183 Tsd. Tonnen).

Damit haben sich laut Einschätzung des International Tin Research Institute (ITRI) in den letzten Jahren aber hohe Lagerbestände in China aufgebaut. Diese liegen wohl vor allem in außerbörslichen Lagerhäusern und sind deshalb nicht in der SHFE-Statistik erfasst. Noch gibt es laut Einschätzung von ITRI aber keinen Anreiz, das überschüssige Material zu exportieren, da die Zinnpreise an der SHFE über den LME-Preisen liegen (Grafik 4).

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Sobald sich hier ein Arbitragefenster öffnet, könnte laut ITRI aber umfangreiches Material an den Weltmarkt gelangen. Die nicht erneuerte Exportsteuer dürfte jedenfalls einen Anreiz zu Ausfuhren geben. Bei Zink und Blei wurde die Exportsteuer auf Erze und Konzentrat jeweils komplett gestrichen. Dies dürfte jedoch keine Auswirkungen auf die Handelsaktivitäten Chinas haben. Denn China hat im letzten Jahr Daten der Zollbehörde zufolge lediglich 4.300 Tonnen Zinkerz exportiert.

Dem gegenüber standen Importe von 2 Mio. Tonnen. Die Ausfuhren von Zinkerz waren zudem in den Jahren zuvor höher, trotz der Exportsteuer. Von Blei hat China 2016 gar kein Erz exportiert. In den vorherigen Jahren waren die Ausfuhren hier ebenfalls vernachlässigbar. Wie bei Zink hat China dagegen große Mengen Bleierz importiert - 2016 waren es 1,4 Mio. Tonnen, Tendenz allerdings rückläufig. China hat für Zink und Blei umfangreiche Schmelzkapazitäten, so dass es die Erze selbst zu Raffinade verarbeitet, welche dann hauptsächlich im Land verbraucht wird.

Nickel stellt die Ausnahme in den aktuellen Änderungen der Exportsteuer dar. Denn diese wurde zum Beispiel auf Nickelerz und -konzentrat sowie Nickelschrott mit 15% neu eingeführt. Ähnlich wie bei Zink und Blei hat dies bei Nickel aber wohl auch nur symbolischen Charakter. Denn China exportiert so gut wie kein Nickelerz, führt dafür aber Jahr für Jahr große Mengen ein. 2016 summierten sich die Importe von Nickelerz auf 31,9 Mio. Tonnen.

Sie waren damit das dritte Jahr in Folge rückläufig, was am Exportverbot von unbehandelten Erzen in Indonesien und den Minenschließungen auf den Philippinen im Rahmen der dortigen umweltpolitischen Überprüfung zurückzuführen ist. Indonesien war lange Zeit der größte Nickelerzlieferant für China und wurde 2014 von den Philippinen abgelöst. Bei anderen Nickelformen wurde die Exportsteuer dagegen deutlich reduziert.

Dank der Reduzierung bzw. Abschaffung der Exportsteuer auf viele Industriemetalle seit Jahresbeginn könnte China zukünftig mehr Metalle exportieren, auch wenn der Effekt in der Handelsstatistik für Januar noch nicht zu erkennen war. Damit wäre so mancher Metallmarkt (noch) besser versorgt. Besonders stark dürfte Aluminium betroffen sein, da China ohnehin schon ein großer Exporteur ist und dem Weltmarkt große Mengen Material zur Verfügung stellt.

Aber auch Kupferraffinade könnte künftig verstärkt ausgeführt werden, zumal die börsenregistrierten Lagerbestände in China zuletzt stark gestiegen waren. Allerdings sind Chinas Kupferexporte gemessen an der weltweiten Nachfrage deutlich geringer als die Aluminiumausfuhren (1,8% bzw. 7,9% im letzten Jahr; Grafik 5). Sollte China darüber hinaus wieder Zinnraffinade exportieren, wäre auch der globale Zinnmarkt besser versorgt.


Auf einen Blick

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© Eugen Weinberg
Senior Commodity Analyst

Quelle: 'Rohstoffe kompakt', Commerzbank AG



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