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Non-Event OPEC-Meeting - Raffinerien laufen wieder auf Normalbetrieb

30.05.2013  |  Frank Klumpp (LBBW)

Rückblick

Im bisherigen Jahresverlauf setzten sich vor allem im Hinblick auf die Ölsorte Brent die Fundamentals durch. Schließlich ist der Ölmarkt insgesamt gut versorgt, die Lager sind gut gefüllt und die Nachfrageseite bietet wenig Potenzial für unerwartete Ausreißer nach oben. Im Gegenteil: Nach der Veröffentlichung schwacher Konjunkturdaten aus China - der HSBC-Einkaufsmanagerindex fiel unter die Expansionsschwelle im Mai - kamen Sorgen um die Wirtschaftslage im zweitgrößten Ölimportland hinzu.

Die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken vermochte auch keine preissteigernden Impulse zu geben. Die Preise für europäische Mitteldestillate korrelieren naturgemäß stark mit der Benchmark Brent, so dass der Gasoil-Preisrückgang von über 7% im bisherigen Jahresverlauf nur wenig überrascht.

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Raffineriemargen auf niedrigem Niveau

Die Preise für Diesel und Heizöl in Europa sind auch deshalb vergleichsweise günstig, weil die Raffinerien derzeit wenig verdienen. Zwar hat der 1:1 Spread mit der tatsächlichen Ökonomie einer Raffinerie nur wenig zu tun. Dennoch signalisiert die 1:1 Brent-Gasoil Crack-Margin von rund 12 US-Dollar, die eine Raffinerie pro Barrel Öl derzeit bei der Produktion von Mitteldestillaten vereinnahmt, zum einen ein vergleichsweise günstiges Preisniveau für das raffinierte Produkt Gasoil.

Zum anderen reflektiert dies die insgesamt schwierige Lage der Raffineriebetreiber in Europa. Eine Reihe von Faktoren belasten deren Umfeld:

• 1) Die schwache Ölnachfrage in Europa, die im laufenden Jahr laut Angaben der IEA mit 13,6 Mio. Barrel auf den niedrigsten Stand seit 1994 fallen dürfte - die Eurokrise hinterlässt ihre Spuren. Damit stehen die Marktteilnehmer vor der Herausforderung, laufend Kapazitäten aus dem Markt zu nehmen.

• 2) Europäer fahren überdurchschnittlich viele Dieselfahrzeuge, der Raffinerieoutput ist jedoch stets ein Mix aus verschiedenen Produkten, u.a. Benzin. Die üblichen Nachfrager für das überschüssige Gasoline, die Bewohner der Ostküste Nordamerikas, beginnen ebenfalls zu sparen und verbrauchen weniger Sprit bzw. erwerben spritsparendere Automobile.

• 3) Weitere Kapazitäten drängen global auf den Markt, u.a. in Indien und Saudi-Arabien. Trotz aller Widrigkeiten spricht viel dafür, dass die Margen derzeit eher Potenzial nach oben haben, zumal die Lagerbestände an Ölprodukten eher niedrig sind. Gasoil im Besonderen wurde aufgrund der kälteren Witterung in der nördlichen Hemisphäre verstärkt nachgefragt.

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Saisonalität dürfte für erhöhte Nachfrage sorgen

Allmählich dürften die Ölpreise von einer saisonal erhöhten Nachfrage profitieren. Das üblicherweise schwächste Quartal im Hinblick auf die Ölnachfrage neigt sich dem Ende zu - seit 1999 wurden durchschnittlich 1,08 Mio. Barrel weniger nachgefragt als im ersten Quartal des Jahres. Im dritten und vierten Quartal legte die globale Ölnachfrage um 1,14 bzw. 0,95 Mio. Barrel zu. Im laufenden Jahr dürfte die Ölnachfrage im zweiten Halbjahr laut Schätzungen der IEA sogar überdurchschnittlich zulegen.

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Wenig Spannung vor dem OPEC-Meeting

Der Ölmarkt ist derzeit sehr gut versorgt - vor allem die Ölförderung in den USA wächst so dynamisch, dass einige Marktbeobachter gar von einer schwindenden Macht der OPEC berichten. Nach wie vor liefern sie 40% des weltweit verbrauchten Öls, weshalb ihre Reaktion auf Nachfrageschwankungen weiterhin preisbestimmend sein wird. Derzeit besteht jedoch kein Anlass für eine Änderung der Quote von 30 Mio. Barrel pro Tag.

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Spekulanten setzen auf Rohöl, nicht auf Produkte

Die jüngsten CFTC-Daten über die Positionierung spekulativ orientierter Marktteilnehmer zeigen vergleichsweise hohe Longengagements bei WTI und Brent - beide haben sich in den letzten Wochen erhöht und befinden sich unweit ihres Fünfjahreshochs. Dagegen wird bei europäischen und amerikanischen Mitteldestillaten per Saldo sogar auf fallende Preise spekuliert. Aus antizyklischer Sicht spricht dies für Ölprodukte, vor allem in einem steigenden Gesamtmarktumfeld, da Shorteindeckungen drohen.


Fazit: Geopolitik und Saisonalität sprechen für Erholung bis zum Jahresende

Der Ölmarkt ist gut versorgt, und die globale Nachfrage wächst nur moderat. Dies sollte größere Preissprünge an den Ölmärkten verhindern. Dennoch scheint sich nach dem verlängerten Winter in der nördlichen Hemisphäre noch einige Nachfrage angestaut zu haben, da die Lagerbestände der Endverbraucher niedrig sein dürften.

Diese Konstellation unterstreicht das Bild einer saisonal anziehenden Nachfrage im kommenden Halbjahr. Zudem haben geopolitische Faktoren stets das Potenzial für ein Anziehen der Risikoprämie. Das Auslaufen des Waffenembargos der EU gegenüber Syrien schürte bereits Befürchtungen über eine weitere Eskalation der Lage. Per Saldo erwarten wir daher mit Blick auf das Jahresende ein leichtes Anziehen der Ölpreise sowie einen etwas stärkeren Zuwachs der Preise für Gasoil.


© Frank Klumpp, CFA
Commodity Research

Quelle: Landesbank Baden-Württemberg, Stuttgart



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