Industriemetalle: Märkte spielen “Makro-Poker“
18.09.2007 | Sven Streitmayer
Rekordhoch des Euro stärkt Kupfer & Co.
Die Basismetallmärkte werden in diesen Tagen wieder vermehrt von Makro- bzw. Konjunkturthemen beherrscht. So sorgte das Allzeithoch des Euro ggü. dem US-Dollar, der gestiegene Konjunkturoptimismus vor dem nahenden Zinsentscheid der Federal Reserve, wie auch die freundliche Stimmung an den Aktienmärkten für Rückenwind für die Basismetallnotierungen. Angeführt von den deutlichen Preissteigerungen bei Blei (12%), Nickel (6%) und Kupfer (5%), legte der LMEX in der vergangenen Handelswoche um 4% zu. Kupfer zur Lieferung in drei Monaten verteuerte sich auf 7.423 USD, den höchsten Stand seit vier Wochen. Dabei profitierte das rote Metall von der ungebrochen hohen Nachfrage aus China. Nach Angaben der chinesischen Behörden stiegen die Importe von Kupfer und Kupferprodukten in den ersten acht Monaten des Jahres um 43% (ggü. Vorjahreszeitraum) auf rund 1,9 Mio. t an. 
Chinas Notenbank wird Inflation nicht Herr
In der vergangenen Woche erhöhte die chinesische Zentralbank erneut den Leitzins für einjährige Ausleihungen um 27 BP. Damit reagierte die People´s Bank of China auf die hartnäckig hohe Inflation in diesem Jahr. Trotz der anhaltenden Straffung der chinesischen Geldpolitik kletterte die Inflationsrate im August auf ein 11-Jahreshoch von 6,5% (YoY). Auch wenn die Inflationsgefahr bislang fast ausschließlich von den Nahrungsmittel- und Vermögenspreisen ausgeht, sollten die Auswirkungen der Teuerung ernst genommen werden. Denn ausufernde Preise für die alltägliche Ernährung sorgen zumeist für eine hohe gefühlte Inflation, die zusammen mit der wachsenden sozialen Ungleichheit, eine gesellschaftspolitisch explosive Mischung darstellt. 
FED-Entscheid im Blickpunkt der Investoren
Am morgigen Dienstag wird das Federal Open Market Committee über eine Leitzinsänderung entscheiden. Unklar bleibt, wie die erwartete Senkung der Fed Funds Rate um 25 BP auf dann 5,00% von den Akteuren an den Basismetallmärkten interpretiert werden wird. In der Vergangenheit hatte ein Regimewechsel in der USGeldpolitik (zu expansiver Zinssetzung) eine dämpfende Wirkung auf die meisten Industriemetallpreise. Andererseits setzten zuletzt wieder zahlreiche Marktteilnehmer darauf, dass eine Zinssenkung einen positiven Impuls für die schwächelnde US-Konjunktur und die Basismetallnachfrage im Speziellen mit sich bringen würde. Für die globale Metallnachfrage spielt die US-Ökonomie inzwischen nur noch die zweite Geige, so dass der Zusammenhang zwischen der heimischen Geldpolitik und den Weltmarktpreisen für Metalle heute ohnehin schwächer ausfallen dürfte als früher.
© Sven Streitmayer
Commodity Analyst
Quelle: Landesbank Baden-Württemberg, Stuttgart
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