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Edelmetalle Aktuell

08.04.2010  |  Wolfgang Wrzesniok-Roßbach (Heraeus)

Gold

Nicht nur die beiden wichtigsten Platinmetalle, auch das Gold konnte in den letzten zweieinhalb Wochen zulegen. Verglichen mit den beiden weißen Metallen hielten sich die Gewinne dabei zunächst in engen Grenzen. Dies lag auch daran, dass das Gold anfangs einen deutlichen Einbruch zu verdauen hatte, bei dem es von knapp 1.125 $ auf 1.085 $ je Unze zurückgefallen war.

Beobachter schoben den überraschend deutlichen Rückschlag auf eine - oberhalb der Marke von 1.100 $ - zurückgehende Nachfrage, aber auch auf eine überraschende Zinsanhebung in Indien um 0,25 Prozent, welche die Opportunitätskosten für das Halten von unverzinslichen Goldpositionen im Vergleich zu anderen Anlagealternativen erhöht.

Ebenfalls eine negative Rolle hat zu Beginn sicherlich die nächste Runde des Wertverfalls beim Euro gespielt. Dieser fiel in den ersten Tagen des Berichtszeitraumes gegenüber dem Dollar von über 1,38 auf nur noch 1,3267 zurück und damit auf den tiefsten Stand seit Mai letzten Jahres. Durch die Schwäche des Euros verteuert sich der Goldpreis in Europa und, so das Kalkül der Händler, damit sinke die Nachfrage. Vor einem solchen Hintergrund werden dann oft auch spekulative Leerverkäufe getätigt, um an einem weiteren Preisverfall zu partizipieren.

Nicht immer geht allerdings eine solche Rechnung auf und die Kursbewegung der letzten beiden Wochen war dafür ein sehr typisches Beispiel: Der Euro legte vorübergehend eine vorsichtige Trendwende hin und das, obwohl die jüngsten Nachrichten aus Griechenland alles andere als positiv waren; die Anschläge in Moskau und im Mittleren Osten zeigten einmal wieder die latent vorhandenen geopolitischen Gefahren auf; der Ölpreis legt innerhalb weniger Tage um fast 10 Prozent auf 87 $ je Barrel zu und auch die Nachfrage nach Gold-ETFs sprang unter $1.100 wieder an. Plötzlich sah das Umfeld für Gold gar nicht mehr so schlecht aus und die Notierung stieg vor diesem Hintergrund dann auch rasch wieder an. Nach Ostern übersprang es jetzt sogar das letzte zyklische Hoch von Mitte März, das bei knapp 1.133 $ gelegen hatte. Bis zum heutigen Mittag vermochte es das gelbe Metall allerdings nicht, auch noch das Monatshoch vom 3. März bei 1.144,60 $ zu erreichen oder gar zu überspringen.

Trotz der psychologischen Unterstützung durch die weißen Metalle und der raschen Erholung in den letzten Tagen sieht das Gold aktuell eher etwas kopflastig aus. Im Gegensatz zu den anderen Edelmetallen fehlt dem Metall die massive Unterstützung durch industrielle Nachfrage. In einer solchen Situation helfen dann auch die Hoffnungen auf eine ansteigende Nachfrage durch die bevorstehende Hochzeitssaison in Indien und die Nachrichten über andauernde Streiks in peruanischen Goldminen nur wenig. Auch die Meldung, dass die Produktion in Russland im ersten Quartal um 10 Prozent gesunken sei, hat vielleicht bei dem Wiederanstieg in der letzten Woche etwas geholfen, dürfte aber kaum langfristigen positiven Auswirkungen auf den Goldpreis haben.

Einen Durchmarsch hin zum Allzeithoch des Goldpreises, das im Dezember letzten Jahres bei 1.226 $ erreicht worden war, wird es deshalb wohl vorerst nicht geben. Schon mit dem Erreichen der Marke von 1.175 $ könnte sich das Metall schwer tun. Auf der anderen Seite zeigt sich aber unterhalb der Marke von 1.100 $ immer wieder ein starkes Kaufinteresse. Mit den beiden letztgenannten Preisen dürfte deshalb die Handelsspanne für die kommenden Tage erst einmal abgesteckt sein

Während es das Gold auf Dollar-Basis bisher noch nicht geschafft hat, ein neues Monatshoch zu erreichen, sah dies auf Basis des Euros ganz anders aus: Mit 852 € je Unze (27,39 € je Gramm) wurde heute Mittag einmal mehr ein neues Allzeithoch verzeichnet.

Die privaten Anleger haben sich von diesem Rekord nicht abschrecken lassen. Die Nachfrage nach Investmentbarren ist trotz des hohen Preise nur leicht rückläufig gewesen, wobei zuletzt vor allem mittelgroße Barren mit einem Gewicht von 1 Unze bis 250g gefragt waren.


Silber

Wie fast immer wurde der Silberpreis in den letzten zweieinhalb Wochen von einer ganzen Reihe von unterschiedlichen Gründen beeinflusst. Diese überschneiden sich zum Teil mit den ebenfalls stark industriell genutzten Platinmetallen; zum Teil ähneln sie aber auch den Ursachen, die das Gold in der ihm allgemein zugebilligten besonderen Rolle als Krisenmetall und Inflationsabsicherung bewegen.

Die Preisbewegungen der anderen Metalle waren entsprechend beim Silber ebenfalls wiederzufinden. Anfangs gab es Verluste und das Metall fiel auf 16,53 $ zurück, in den folgenden Tagen konnte es dann aber wieder deutlich zulegen und erreichte erstmals seit Mitte Januar wieder Preise von über $18 je Unze. Bis zum Jahreshoch bei 18,85 $ ist allerdings noch Platz, ein rasches Ansteigen auf diesen Wert wäre in der aktuellen Marktverfassung wohl erst einmal noch übertrieben. Langfristig sehen wir den Preis aber angesichts zahlreicher neuer industrieller Anwendungen weiterhin gut unterstützt.

Die Nachrichten von der Minenseite waren in den letzten Tagen gemischt und dürften sich gegenseitig neutralisiert haben. Dem oben erwähnten Streik in Peru, der auch die Silberausbringung betrifft, stehen Nachrichten aus Mexiko gegenüber, nach denen die Silberproduktion in dem Land im Januar um 4,6 Prozent auf 231 Tonnen gestiegen sei.


Platin

Der Platinpreis konnte in den letzten zweieinhalb Wochen deutlich zulegen und stieg zum ersten Mal seit Sommer 2008 wieder über die Marke von 1.700 $ je Unze hinaus an. In der Spitze erreichte das Metall heute Mittag einen Preis von 1.723 $; im Vergleich zum 19. März, dem Tag der Abfassung unseres letzten Berichts, bedeutete dies ein Plus von über 6 Prozent.

Der Anstieg hatte eine Reihe von Ursachen. Zum einen half die generell freundliche Stimmung auf den Rohstoffmärkten. So legte in den letzten 18 Tagen u.a. der Ölpreis deutlich zu, aber auch andere Industriemetalle wie Kupfer, Aluminium und Nickel gewannen massiv an Wert. Die wirtschaftliche Erholung, die sich nicht zuletzt auch an in einigen Ländern bereits wieder steigenden Zinsen zeigt, spielt dabei aktuell scheinbar ein größere Rolle als die rein spekulative Nachfrage. Dies macht - und das gilt besonders auch für die Platinmetalle - die aktuelle Preisrallye deutlich nachhaltiger als jene vor beinahe zwei Jahren, die seinerzeit in erster Linie von spekulativen Interessen getrieben zu sein schien.

Aber es gibt auch "hausgemachte" Gründe für den Anstieg der Platinmetallpreise im Allgemeinen und des Platinpreises im Besonderen:





So sind die US-Amerikaner derzeit scheinbar in einem Autokaufrausch. Dies kommt zwar vor allem dem Palladium zu gute, stützt aber auch das teurere Schwestermetall. Im März setzte sich jedenfalls der Aufwärtstrend der Vormonate in den USA unvermindert fort und es wurden insgesamt 1,07 Millionen Pkw neu zugelassen, 24 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Der starke März rundete ein insgesamt gutes erstes Quartal auf dem US-Markt ab. So wurden mit 2,5 Millionen Pkw in den ersten drei Monaten des Jahres über 340 000 Fahrzeuge mehr als im Vorjahreszeitraum verkauft, prozentual ausgedrückt war dies eine Steigerung in Höhe von 16 Prozent. Auf das Jahr hochgerechnet liegen die Verkäufe jetzt bei 11,78 Millionen gelegen. Ein Jahr zuvor waren es nur 9,72 Millionen gewesen.

Gemeinsam mit dem ebenfalls deutlich gewachsenen Fahrzeugabsatz in China (hier gab es bei den PKWs im März nach ersten Schätzungen diesmal allerdings "nur" ein Plus von 40 Prozent auf 840.000 Fahrzeuge) hält Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer die Entwicklung in den USA für ein Indiz, dass die weltweite Pkw-Industrie die Krise hinter sich gelassen hat. Der weltweite Aufschwung laufe, so der Leiter des Center Automotive Research.

Die deutschen Autohersteller müssen dabei ihr Heil aber zwangsläufig im Export suchen, auf dem deutschen Automarkt ist nämlich das Ende der Abwrackprämie deutlich zu spüren. Im März gingen hierzulande die Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 26,5 Prozent auf 295.000 Autos zurück. Der Verband der Importeure in Deutschland (VDIK) rechnet für das laufende Jahr je nach wirtschaftlicher Entwicklung mit 2,8 Millionen bis 2,9 Millionen Verkäufen.

Was das gesamte erste Quartal angeht - rund 670.000 Neuwagen wurden in diesem Zeitraum neu zugelassen - lag der deutsche Pkw-Markt um 23 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum 2008, es war das letzte Quartal vor den ersten Anzeichen der Finanz- und Wirtschaftskrise, betrug das 2010er Minus übrigens aber "nur" 9 Prozent.

Der Anteil an Fahrzeugen mit Diesel-Antrieb hat von Januar bis März im Vergleich zum Vorjahr wieder zugenommen, er lag bei fast 40 Prozent.

Aber nicht nur von der Verbrauchsseite gab es Nachrichten, die den Platinpreis nach oben trieben, auch auf der Angebotsseite läuft derzeit nicht alles rund und das treibt den Preis zusätzlich.

Aus Südafrika kam am letzten Dienstag z.B. die Nachricht, dass es in der Schmelze von Lonmin erneut einen Unfall gegeben habe, der zu einer Stilllegung der Anlage für einen Zeitraum von 30 - 40 Tagen führen wird.

Allerdings will Lonmin durch die Inbetriebnahme von zwei kleineren Ersatzanlagen die Folgen des Ausfalls abmildern. Entsprechend werde der neuerliche Unfall in dem in der Vergangenheit schon öfters problembehafteten Ofen auch keine Auswirkungen auf das Unternehmensergebnis im 1. Halbjahr haben, so ein Sprecher von Lonmin. Was die eigentliche physische Ausbringung angeht, könnte diese aber trotzdem negativ betroffen sein, da die beiden erwähnten Öfen zusammen mit einem dritten, der im April zusätzlich eingeschaltet werden könnte, nur 40 Prozent der Produktionskapazität des jetzt ausgefallenen Hauptofens haben.

Noch nicht endgültig abzuschätzen sind die für die Entwicklung Südafrikas langfristigen Folgen der Ermordung des rechtsgerichteten Burenpolitikers Eugene Terreblanche. Der Politiker hatte in der jüngeren Vergangenheit praktisch keinerlei Rolle mehr im politischen Spektrum der Regenbogennation gespielt; seinem Tod scheint nun aber nach der jüngst erfolgten Radikalisierung auf der linken Seite des politischen Spektrums im Land auch eine solche auf der rechten Seite zu folgen.

Mit dieser Entwicklung steigt zumindest unterschwellig das politische Risiko am Kap und dies könnte langfristig durchaus negative Auswirkungen auf das Investitionsklima mit entsprechenden Folgen auch für die Rohstoffproduktion haben.

Es bleibt deshalb zu hoffen, dass die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika, die am 11. Juni beginnt, die politischen Wogen wieder glättet und den relativen Frieden und Optimismus der Mandela-Ära wieder ein Stück weit herstellen kann.

Was die weitere Entwicklung des Platinpreises angeht, ist kurzfristig mit einer Änderung der positiven Tendenz nicht zu rechnen. Preise unter 1.640 $ sollten deshalb von industriellen Endverbrauchern fürs Erste auf jeden Fall als Kaufgelegenheit betrachtet werden. Nach oben gibt es derzeit wenig charttechnischen Widerstand, angesichts der für den Preis eher freundlichen fundamentalen Lage ist deshalb auch schwer zu sagen, wo die aktuelle Rallye ein Ende finden könnte.


Palladium

Die starke Entwicklung bei den Autoverkaufszahlen in den USA und China wirkt sich angesichts der Affinität für Benzinmotoren in diesen beiden Märkten sicherlich vor allem auch positiv für das Palladium aus. Zusammen mit den seit Jahresbeginn verzeichneten Käufen bei den ETFs und den jüngsten Meldungen über Produktionsausfälle und neue politische Probleme in Südafrika war die Saat für einen weiteren Anstieg des Palladiumpreises gelegt:

Von knapp $480 je Unze zum Zeitpunkt der Abfassung unseres letzten Berichts am 19. März stieg das Metall (nach einem kurzen Rückschlag auf knapp unter 440 $) schließlich auf 510 $ heute Morgen an. Dies war der höchste Stand der letzten beiden Jahre und das Metall ist nun nur noch 80 $ vom langjährigen Höchststand vom März 2008 entfernt.

Angesichts der Meldungen aus Südafrika - das Land am Kap produziert immerhin fast 40% des jährlich weltweit neu geförderten Metalls - können wir momentan nicht mehr ausschließen, dass sich das Metall entgegen unserer ursprünglichen Erwartungen nicht doch auch schon kurzfristig über der Marke von 500 $ festsetzt und dabei seine Rallye in Richtung des 2008er Gipfels sogar fortsetzt.

Erfahrungsgemäß wird es aber auch bei einer generell aufwärts gerichteten Tendenz immer wieder Rückschläge geben und wir bleiben deshalb bei unserer an dieser Stelle schon oft geäußerten Empfehlung für industrielle Endverbraucher, solche Zwischentiefs für Eindeckungen auch in weiterer Zukunft liegender Bedarfe zu nutzen. Dabei sollte vorerst nicht auf allzu große Preisabschläge spekuliert werden, denn bei 470 $, 440 $ und schließlich 410 $ gibt es jeweils starke charttechnische Unterstützung.

Nur eine neuerliche Runde in der Finanz- und Wirtschaftskrise könnte dieses insgesamt positive Bild zerstören und auch wieder einmal Preise unter der Marke von $400 bringen. Aktuell ist eine solche Entwicklung aber nicht in Sicht.


Rhodium, Ruthenium, Iridium

Die drei "kleinen" Platinmetalle erlebten im Berichtszeitraum eine stark unterschiedliche Entwicklung. Das Rhodium konnte nach einem kurzen Einbruch deutlich zulegen und erreichte heute wieder einen Preis in Höhe von 2.650 $ - 2.750 $ je Unze. Die bereits bei Platin genannten Gründe für die Käufe gelten sicher auch für Rhodium, wobei es speziell heute Nachfrage aus Asien war, die den Preis nach oben trieb.

Dem Ruthenium fehlt es nach den bereits erfolgten Preissteigerungen in diesem Jahr derzeit noch an neuen Käufern, das Metall notiert aktuell bei 185 $ - 195 $. Gleiches gilt für das Iridium, das bei seinem Höhenflug erst einmal eine Pause eingelegt hat und weiter bei 480 $ - 500 $ notiert.


© Wolfgang Wrzesniok-Roßbach
Heraeus Metallhandelsgesellschaft mbH





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