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WTI Future: Konsolidierung im Aufwärtstrend

09:31 Uhr  |  Björn Heidkamp (Kagels Trading)

Der abgebildete Chart zeigt die langfristige Kursentwicklung des Rohöl-Futures von 2013 bis heute, bei Kursen von 96,60 USD/Barrel. Ein Notierungsstab bildet das Kursverhalten des Rohöl-Futures für jeden Monat ab.

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Bodenbildung abgeschlossen

Ausgelöst durch den Iran-Konflikt eröffnete der WTI Future am 02. März mit einer Notierungslücke über dem Vormonatshoch. Dieses Gap ist deutlich auf dem Monats- und dem Wochenchart zwischen 70,09 und 67,83 sichtbar und lässt sich nachträglich als "Break-away Gap" klassifizieren.

Bei diesem (Gap)-Ausbruch wurde die seit September 2023 bestehende langfristige Abwärtstrendlinie deutlich überschritten und eine Bodenbildungsformation mit den mehrfachen Unterstützungen zwischen 56 (April 2025 und Oktober 2025) und 54,89 (Dezember 2025) abgeschlossen.


Politische Unruhen katapultierten WTI Future auf Mehrjahreshoch

Verursacht durch den Streit in der Straße von Hormus explodierten die Kurse des WTI Futures bis zum 07. April auf 117,63, den höchsten Stand seit Mitte Juni 2022. Dabei machten die Bullen nicht vor den starken Widerständen um 94, resultierend aus mehreren Marktwendepunkten aus dem letzten Quartal 2022 und September 2023, halt. Dieser Bereich wurde wie durch Butter durchstoßen. In der Gesamtgemengelage hat sich dadurch das langfristige Chartbild deutlich verbessert. Der WTI Future befindet sich in einem eindeutigen langfristigen Aufwärtstrend.


Expansionsbar mit extremer Volatilität im ersten Quartal

Mit fast 50US$ Kursanstieg im ersten Quartal hat sich die Schwankungsbreite des WTI Futures extrem erhöht. Bei dieser Aufwärtsbewegung handelt es sich um die größte Drei-Monats-Aufwärtsbewegung seit dem letzten Quartal 2008!

Auffällig ist der Eröffnungskurs nahe des Quartalstiefs und der Schlusskurs nahe am Quartalshoch. Im Normalfall werden derartige panische "Expansions-Stäbe" häufig zu Gewinnmitnahmen von den institutionellen Investoren genutzt, so dass nicht selten Rücksetzer im darauffolgenden Notierungsstab zu beobachten sind.

Dadurch kommt es oft bei derartigen Wide Range Bars (WR7) in dem folgenden Notierungsbar zu einem Richtungswechsel und einem Schlusskurs innerhalb der Spanne des WR7.


Rücksetzer nach der Kursexplosion

Im Zeitraum von Anfang Januar bis 17. April legten die Kurse des WTI Futures um mehr als 110% zu. Durch diesen exponentiellen Kursanstieg in derartig kurzer Zeit hat sich ein Chartbild (siehe Expansionsbar) ausgebildet, was technische Analysten als stark "überkauft" charakterisieren. Eine solch schnelle Kursexplosion muss oftmals erst einmal verdaut, sprich konsolidiert werden, was offenbar gerade geschieht.


Mittelfristige Konsolidierung

In den letzten Wochen wurde der neue überkaufte Aufwärtstrend durch eine mittelfristige Konsolidierung abgelöst: Aktuell handelt der WTI Future in einer zur angestiegenen Volatilität angepassten hektischen Seitwärtsbewegung zwischen ca. 108 und 90 hin und her. Je nach politischen Verkündungen, ob "Deal" oder "No-Deal" wechselt die eingeschlagene Richtung des Rohöls innerhalb der angegebenen Spanne sprunghaft. Ein derartiges Verhalten ist aber nicht untypisch für Konsolidierungen nach einem extremen Kursanstieg.

Eine Konsolidierung weist in der Regel einen trendbestätigenden Charakter auf. Das bedeutet, dass ein Ausbruch in Richtung der Kursbewegung vor Konsolidierungsbeginn wahrscheinlicher ist als eine Trendwende.


Positiver saisonaler Zeitraum bis Anfang Juli

Aufgrund historischer Erfahrungswerte lassen sich für Aktien, Rohstoffe und Währungen statistische Durchschnittswerte berechnen.

Typische geglättete Durchschnittsverläufe zeigen von Mitte März bis Ende Juni einen signifikanten Anstieg im WTI Future. Lediglich der kurze Zwischenzeitraum von Mitte April bis Anfang Mai deutet auf eine nachlassende Aufwärtsdynamik in Form einer Konsolidierung hin, ehe es aus dieser reinen statistischen Zyklenanalyse erfahrungsgemäß zu weiteren Kurszuwächsen kommt.

Das dieser erste Jahresverlauf aufgrund der Sondersituation im Nahen Osten als idealtypisches statistisches "Normaljahr" angesehen werden kann, ist eher unwahrscheinlich.

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Fazit:

Aus der Sichtweise des langfristigen Monatschart hat das Chartbild eindeutig zu Gunsten der Bullen gedreht. Durch das Überschreiten der langfristigen Abwärtstrendlinie sowie der mehrjährigen Seitwärtsbewegung wurden wichtige Hindernisse der Bären aus dem Weg geräumt. Nichtdestotrotz handelt es sich bei dem WTI Future aktuell um einen Markt, welcher extrem abhängig von politischen Ereignissen ist. Auch in solchen Phasen kann eine technische Einordnung durchaus sinnvoll sein.

Aus er Perspektive des mittelfristigen Wochencharts wurde der neue Aufwärtstrend in den letzten Wochen durch eine hektische Seitwärtsbewegung zwischen 108 und 90 abgelöst. Fällt der WTI Future erneut unter die Hochs der "alten" Seitwärtsbewegung bei 94 ist ein schnelles Absinken in Richtung des Tiefs vom 07. Mai bei etwa 90 anzunehmen. Bei Kursen darunter, wäre der nächsttiefere Unterstützungsbereich bei 85 und 78,50 zu nennen.

Steigt Rohöl über 107,70 würde sich der primäre, übergeordnete Aufwärtstrend wieder durchsetzen. Ein erneuter Anstieg in Richtung Aprilhoch bei 117,63 wäre erwartbar. Bei Kursen darüber wären die Hochs aus Juni 22 bei etwa 123 und März 2022 bei etwa 129 als nächsthöhere Widerstände zu erwähnen.

Insgesamt scheint eine Fortsetzung/Ausweitung der angegebenen Konsolidierung momentan am wahrscheinlichsten, da der steile Anstieg des ersten Quartals im Normalfall aktuell noch weiter "verdaut" werden dürfte – entweder über den Faktor Zeit oder über eine größere Kurskorrektur.


© Björn Heidkamp
www.kagels-trading.de