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Drohende Ölknappheit: Experten warnen vor globalem „Operativem Stress“ ab Juni

16:00 Uhr  |  Redaktion

Experten von JPMorgan und Goldman Sachs warnen eindringlich vor einer drohenden Ölknappheit, die das globale Versorgungssystem bereits bis Mitte Juni unter erheblichen „operativen Stress“ setzen könnte, berichtet man. Zwar startete die Welt mit etwa 8,4 Milliarden Barrel in das Jahr 2026, doch ist nur ein Bruchteil dieser Reserven tatsächlich mobilisierbar. Laut JPMorgan sind lediglich 800 Millionen Barrel der Onshore-Bestände realistisch verfügbar, ohne den Fluss in den Pipelines und Raffinerien zu gefährden. Da bereits 280 Millionen Barrel davon verbraucht wurden, schwindet der Puffer rapide; bis Ende Juni wird ein „operativer Tiefpunkt“ erwartet, an dem die Infrastruktur aufgrund mangelnden Drucks und fehlender Mindestbestände funktionsunfähig zu werden droht.

Parallel dazu berichtet Goldman Sachs, dass die globalen Ölvorräte auf den niedrigsten Stand seit acht Jahren gefallen sind, so Oilprice.com. Die Bestände decken aktuell nur noch etwa 101 Tage der weltweiten Nachfrage. Während die Rohölreserven damit noch einen gewissen Puffer suggerieren, ist die Lage bei den raffinierten Kraftstoffen wie Diesel und Kerosin weitaus dramatischer: Diese Reserven reichen laut internen Warnungen nur noch für weniger als 50 Tage – konkret werden etwa 45 Tage genannt. Analysten betonen, dass raffinierte Produkte deutlich stärker von den aktuellen Lieferstörungen betroffen sind als Rohöl, was die Gefahr einer unmittelbaren Treibstoffknappheit verschärft.

Hauptursache für diese kritische Entwicklung ist die massive Eskalation im Nahen Osten, insbesondere die faktische Schließung der Straße von Hormus. Da die letzten regulären Öllieferungen aus der Golfregion bereits am 20. April erfolgten und seither nicht wieder aufgenommen wurden, fehlen dem Weltmarkt täglich rund 20 Millionen Barrel. Zwar werden begrenzte Mengen über Pipelines zu Häfen am Roten Meer umgeleitet, doch diese reichen bei weitem nicht aus, um die globale Nachfrage zu decken. Die Welt zehrt derzeit massiv von ihren Notfallreserven, da der Verbrauch trotz der Krise bisher nicht nennenswert reduziert wurde.

Die Marktstimmung ist aufgrund der schwindenden Puffer hochvolatil und steuert auf ein „Market Reckoning“ zu. Analysten warnen vor einem Preisschock, der die Ölpreise in der Spitze auf bis zu 370 US-Dollar pro Barrel treiben könnte, sollte auch die verbliebene Pipeline-Infrastruktur durch weitere Angriffe beschädigt werden. Händler erwarten bereits für die Sommersaison Preise zwischen 200 und 250 US-Dollar. Ein solches Szenario würde einen beispiellosen Nachfrageeinbruch erzwingen: Um das System stabil zu halten, müsste der weltweite Verbrauch um 11 Millionen Barrel pro Tag sinken – ein Rückgang, der selbst die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie (9 Millionen Barrel) und früherer Ölkrisen weit in den Schatten stellt.

Die langfristigen Folgen könnten eine tiefe globale Rezession, flächendeckende Treibstoffrationierungen und die Stilllegung ganzer Industriezweige sein. Da die aktuelle Krise im Gegensatz zu früheren Schocks mit massiven physischen Kriegsschäden an der Energieinfrastruktur einhergeht, wird mit einer deutlich verzögerten wirtschaftlichen Erholung gerechnet. Experten mahnen zur Vorbereitung, da der Wendepunkt im Juni unaufhaltsam näher rückt und die Zeit für präventive Maßnahmen gegen den drohenden wirtschaftlichen Stillstand knapp wird.


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