Deutschland bemüht sich um polnische Ölroute - Russland stellt Lieferungen über „Druzhba“-Pipeline ein
13:00 Uhr | Redaktion
Ab dem 1. Mai 2026 wird Russland den Transit von kasachischem Rohöl durch die Druzhba-Pipeline nach Deutschland vollständig einstellen, berichtet Oilprice.com. Dies gab der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Nowak bekannt und begründete den Schritt mit „technischen Einschränkungen“, ohne jedoch weitere Details zu nennen. Betroffen sind Lieferungen von etwa 43.000 Barrel am Tag, die im vergangenen Jahr deutlich zugenommen hatten und eine wichtige Säule der deutschen Energieversorgung darstellten.
Besonders hart trifft dieser Lieferstopp die PCK-Raffinerie in Schwedt, die rund 90% des Treibstoffs für Berlin und Brandenburg liefert. Das kasachische Öl machte zuletzt etwa 17% des Bedarfs der Raffinerie aus. Da die Anlage bereits seit dem Ende russischer Ölimporte unter einer angespannten Versorgungslage leidet, verschärft der Ausfall der kasachischen Mengen die Sorge um die Treibstoffsicherheit in der deutschen Hauptstadtregion massiv.
Die Bundesregierung bemüht sich nun unter Hochdruck um alternative Versorgungswege über Polen. Im Zentrum der Gespräche steht der Hafen von Danzig, über den Ersatzlieferungen angelandet und per Pipeline nach Schwedt weitergeleitet werden könnten. Auch der Ausbau der Kapazitäten über den deutschen Hafen Rostock wird forciert, um den Wegfall der zentralasiatischen Importe über russisches Staatsgebiet auszugleichen.
Der plötzliche Transitstopp verdeutlicht die anhaltende geopolitische Verwundbarkeit der europäischen Energieinfrastruktur. Während Deutschland seine direkte Abhängigkeit von russischem Öl bereits reduziert hat, zeigt dieser Fall, dass auch Drittland-Importe aus Kasachstan durch russische Kontrolle über die Transportwege gefährdet bleiben. Experten warnen, dass diese Entwicklung den Druck auf die globalen Ölmärkte weiter erhöhen und die Suche nach stabilen Logistikrouten beschleunigen wird.
© Redaktion RohstoffWelt.de