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Lithium-Streit in Chile: Erbe des Kalten Krieges bremst Milliarden-Projekt aus

09:05 Uhr  |  Redaktion

Ein juristischer Konflikt zwischen dem französischen Bergbauunternehmen Eramet und dem chilenischen Staatskonzern ENAMI droht die Erschließung eines der weltweit größten Lithium-Vorkommen massiv zu verzögern, berichtet Mining.com. Im Zentrum des Streits steht das Projekt „Salares Altoandinos“, in das ENAMI gemeinsam mit dem Bergbaugiganten Rio Tinto mehr als drei Milliarden US-Dollar investieren will. Eramet, das bei der Vergabe der Partnerschaft nicht berücksichtigt wurde, zieht nun vor Gericht, um seine eigenen Ansprüche auf das Gebiet geltend zu machen.

Die Komplexität des Falls wurzelt in einer chilenischen Gesetzgebung aus der Ära des Kalten Krieges. Damals wurde Lithium als „strategisches Mineral“ eingestuft, da es für die Herstellung von Atomwaffen als unverzichtbar galt. Aufgrund dieser alten Dekrete ist Lithium bis heute vom normalen Bergbaurecht ausgenommen; für seinen Abbau ist eine spezielle staatliche Lizenz (CEOL) erforderlich. Eramet hatte sich bereits 2023 umfassende Bergbaurechte in der Region gesichert, besitzt jedoch nicht die notwendige CEOL-Genehmigung für Lithium.

ENAMI wirft dem französischen Konzern nun vor, den Rechtsweg lediglich zu nutzen, um das staatlich geförderte Projekt zu blockieren, nachdem man im Bieterverfahren unterlegen war. Eramet hingegen argumentiert, dass ihre bestehenden Landrechte respektiert werden müssten. Rechtsexperten in Chile warnen bereits davor, dass der Widerstand von ENAMI gegen die privaten Ansprüche einer Enteignung nahekommen könnte, was das Vertrauen internationaler Investoren in den chilenischen Bergbausektor nachhaltig beschädigen könnte.

Sollte keine außergerichtliche Einigung erzielt werden, könnte sich der Rechtsstreit über mindestens zwei Jahre durch die Instanzen ziehen oder sogar vor internationalen Schiedsgerichten enden. Dies wäre ein herber Rückschlag für Chiles ambitioniertes Ziel, seine Lithium-Produktion bis 2035 auf jährlich 500.000 Tonnen zu verdoppeln. Während das Projekt „Salares Altoandinos“ mit geschätzten 4,5 Millionen Tonnen Lithium als Weltklasse-Vorkommen gilt, bleibt seine Zukunft im Dickicht veralteter Rüstungsgesetze und aktueller Wirtschaftspolitik vorerst ungewiss.


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