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WTI Future in positiver saisonaler Phase

06:36 Uhr  |  Björn Heidkamp (Kagels Trading)

Der abgebildete Chart zeigt die langfristige Kursentwicklung des Rohöl-Futures von 2011 bis heute, bei Kursen von 62,89 USD/Barrel. Ein Notierungsstab bildet das Kursverhalten des Rohöl-Futures für jeden Monat ab.

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Abwärtstrendlinie seit September 2023 vor der Brust

Seit September 2023 hat sich die im Monatschart eingezeichnete saubere Abwärtstrendlinie ausgebildet. Mehrmalig setzten sich die Bären im Bereich dieser Linie durch, die jeweiligen technische Zwischenerholungen endeten dort sichtbar. Mit dem jüngsten Bewegungshoch vom 29. Januar bei 66,48 ist der WTI Future erstmalig wieder seit Juni 2025 in die Nähe dieses Abwärtstrends gelaufen. Kurse oberhalb dieser Abwärtstrendlinie bei etwa 67,40 (fallende Tendenz) würden die langfristig negative Ausgangssituation deutlich verbessern.


WTI Future knapp unter Widerständen aus langfristiger Seitwärtsbewegung

Im Zeitraum von September 2022 bis April 2025 pendelte das schwarze Gold in einem breiten neutralen Stauraum: Abgegrenzt wurde diese Region durch die Widerstände zwischen 90 und 94 und die starken Unterstützungen zwischen 65 und 70.

Im April 2025 wurde diese eingezeichnete Seitwärtsbewegung dynamisch nach unten aufgelöst. Mit dem tiefsten Stand seit dem 2. Februar 2021 stoppte die daraus resultierende Abwärtsbewegung am 16. Dezember bei 54,89 vorerst. Trotz dieser negativen Grundvoraussetzung konnten die Bären diese Chance nicht nutzten, um weitere Kursverluste zu generieren.

Im Zusammenhang mit dem April-Tief bei 56,06, dem Oktober-Tief bei 55,96 und dem genannten Dezembertief konnten die Bullen zum dritten Mal den Bereich erhöhter Aufnahmebereitschaft nutzen, um eine Erholung zu initiieren. Aktuell handelt der WTI Future knapp unter den Widerständen, resultierend aus den Tiefs der angegebenen großen Seitwärtsbewegung.


Vola-Quartalshoch überschritten

Mit Erholungsreaktion der letzten Wochen schafften es die Bullen Ende Januar erstmals seit Januar 2025 ein Quartalshoch zu überschreiten (nicht eingezeichnet). Das besondere an den letzten beiden Quartalen war die auffällig geringe Schwankungsbreite. Mit 9,06 US$ im 3. - und 8,03 US$ im 4. Quartal weist der WTI Future jeweils die niedrigste Volatilität der letzten 11 Quartale auf.

Wenn die Handelsspanne enger wird und die Volatilität zurückgeht, dann sehen weniger Investoren einen Absicherungsbedarf.

Insgesamt ist das besondere an der Volatilität, dass sie noch zyklischer verläuft als die Kursbewegung selber. Im Regelfall folgt die "Vola" ihrer eingeschlagenen Richtung weiter, bis sie einen kritischen Wert erreicht. Dann kommt es zu einer Umkehr und somit zu einer starken Zunahme („Explosion“). In einer Vielzahl der Fälle werden die Kurse dieser Explosion folgen und in die gleiche Richtung des Ausbruchs tendieren.


Erst Abwärtstrend seit Ende Juni verlassen, dann über Messstab geschlossen

Von Ende Juni bis Anfang Januar hat sich innerhalb des übergeordneten Abwärtstrends eine steilere Abwärtstrendlinie ausgebildet. Dieses mittelfristige Abwärtstrendlinie wurde gleich zum Start des neuen Jahres zur Seite verlassen (siehe Wochenchart). Ende Januar schafften es die Bullen zusätzlich erstmalig den Rohölpreis dynamisch über den im Wochenchat eingezeichneten Messstab vom 20. Oktober zu bewegen. Bestätigung fand dieses positive Ereignis mit einem Wochenschlusskurs über dem genannten Expansionsbar.




Mittelfristiges Konsolidierung nach oben aufgelöst

Die seit Ende Oktober bestehende mittelfristige Konsolidierungszone zwischen dem Bereich erhöhter Abgabebereitschaft um 61,50 und 62,40 und dem Bereich erhöhter Aufnahmebereitschaft um 56, erweitert um das neue Bewegungstief bei 54,89 wurde in den letzten Wochen dynamisch überschritten. Mit diesem Kaufsignal befindet sich der WTI Future wieder in einem mittelfristigen Aufwärtstrend.


Mittelfristiges technisches Bild bleibt positiv

Neben dem MACD Indikator hat auch der Stochastik-Indikator seine Signallinie von unten nach oben durchstoßen. Abgeleitet aus einer rein markttechnischen Sichtweise wurden damit mittelfristige Kaufsignal generiert. In der isolierten Betrachtung eines solchen Oszillators weisen Ein/Ausstiegssignale höhere Trefferquoten in Seitwärtsbewegungen auf als in starken Trendmärkten. In Kombination mit dem realen Kursgeschehen, wie z.B. ein Überschreiten einer eines wichtigen Widerstandsbereiches erhöht sich die analytische Bedeutung.

Die in der vergangenen Analyse angesprochene positive Divergenz im Stochastik-Indikator bestätigt eine Veränderung in dem bisherigen Verhaltensmuster der Investoren: Neue Tiefs konnten nicht zu weiteren Abverkäufen genutzt werden.

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WTI Future vor starker saisonaler Phase

Aufgrund historischer Erfahrungswerte lassen sich für Aktien, Rohstoffe und Währungen statistische Durchschnittswerte berechnen. Betrachtet man den WTI Future im langfristigen saisonalen Vergleich, so lässt sich in den Wochen von Mitte Februar bis Anfang März ein steiler saisonaler Anstieg mit deutlicher Überrendite aus der Historie ableiten. Aus dieser reinen statistischen Zyklenanalyse ist demnach mit einer Reaktion der Bullen zu rechnen.


Fazit:

Aus der Sichtweise des langfristigen Monatschart bleibt das Chartbild aufgrund des mehrfachen Unterschreitens der seit 2022 bestehenden Seitwärtsbewegung noch eingetrübt.

Mit dem Bewegungstief vom 16. Dezember bei 54,89 hat der Bereich erhöhter Aufnahmebereitschaft, resultierend aus den Marktwendepunkten im April und im Oktober zum dritten Mal gehalten. Die Ausgangslage für eine tragfähige Bodenformation verbessert sich somit nochmals und eine langfristige Trendwende rückt in die Nähe des Möglichen. Für dieses positive Szenario darf der WTI Future nicht mehr unter das Dezembertief zurückfallen, was aktuell auch weniger erwartbar ist.

Aus der Sichtweise des mittelfristigen Wochencharts hat sich mit dem Überschreiten der seit Oktober bestehenden Seitwärtsbewegung und der Verbesserung des technischen Bilds ein neuer Aufwärtstrend ausgebildet. Dieser mittelfristige Aufwärtstrend trifft in Kürze auf die seit September 2023 bestehende langfristige Abwärtstrendlinie.

Kurse über dieser eingezeichneten Abwärtstrendlinie bei momentan etwa 67,40 verbessern die langfristige Ausgangslage. Als erstes Etappenziel wäre der nächsthöhere Widerstandsbereich zwischen 73 und 74,50 zu nennen. Bei Kursen darüber rückt das Quartalshoch aus dem Januar 2025 bei 78 bis 79 als nächster Bereich erhöhter Abgabebereitschaft in den Fokus der Investoren.

Im Zusammenhang mit der saisonal positiven Phase können sich die Bullen berechtigte Hoffnungen machen, dass die bestehende langfristige Abwärtstrendlinie in den nächsten Wochen „in Angriff“ genommen werden kann.


© Björn Heidkamp
www.kagels-trading.de