WTI Future verlässt mittelfristigen Abwärtstrend zur Seite
06:38 Uhr | Björn Heidkamp (Kagels Trading)
Der abgebildete Chart zeigt die langfristige Kursentwicklung des Rohöl-Futures von 2011 bis heute, bei Kursen von 59,34 USD/Barrel. Ein Notierungsstab bildet das Kursverhalten des Rohöl-Futures für jeden Monat ab.
Bestehender Abwärtstrend seit September 2023
Seit September 2023 hat sich eine saubere Abwärtstrendlinie ausgebildet, eingezeichnet im Monatschart. Mehrmalig setzten sich die Bären im Bereich dieser Linie durch, die jeweiligen technische Zwischenerholungen endeten dort sichtbar. Kurse oberhalb der eingezeichneten Abwärtstrendlinie bei etwa 68,30 (fallende Tendenz) würden die langfristig negative Ausgangssituation deutlich verbessern.
Langfristiger Abwärtstrend stockt
Parallel zu dem seit September 2023 bestehenden langfristigen Abwärtstrend hat der WTI Future im April 2025 die seit September 2022 bestehende eingezeichnete Seitwärtsbewegung mit den starken Unterstützungen zwischen 65 und 70 dynamisch nach unten aufgelöst. Dieser etablierte hat in den letzten Wochen an Dynamik verloren.
Tiefster Stand seit Februar 2021 – Anschlussbewegung bleibt aus
Am 16. Dezember wurde ein neues Bewegungstief bei 54,89 in den Chart geschrieben. Damit hat der WTI Future den tiefsten Stand seit dem 2. Februar 2021 erreicht. Trotz dieser negativen Grundvoraussetzung konnten die Bären diese Chance jedoch nicht nutzten, um weitere Kursverluste zu generieren.
Im Zusammenhang mit dem April-Tief bei 56,06, dem Oktober-Tief bei 55,96 und dem Dezembertief konnten die Bullen zum dritten Mal den Bereich erhöhter Aufnahmebereitschaft nutzen, um – zumindest kurzfristig – eine Erholung zu initiieren. In der abgelaufenen Börsenwoche stoppte dieser Erholungsversuch bei 61,90 vorerst knapp unter der 200-Tage-Linie, welche sich aktuell mit fallender Tendenz bei 62,20 befindet.
Monatshoch überschritten
Mit dieser Erholungsreaktion schafften es die Bullen in der letzten Woche erstmalig seit Juni 2025, nach der vermeintlichen intraday- Bärenfalle am 16. Dezember, ein Vormonatshoch zu überschreiten.
Abwärtstrend seit Ende Juni verlassen
Seit Ende Juni hat sich innerhalb des übergeordneten Abwärtstrends eine steilere Abwärtstrendlinie ausgebildet. Dieses mittelfristige Abwärtstrendlinie wurde gleich zum Start des neuen Jahres zur Seite verlassen (siehe Wochenchart).
Mittelfristiges technisches Bild verbessert
Neben dem MACD Indikator hat auch der Stochastik-Indikator seine Signallinie von unten nach oben durchstoßen. Abgeleitet aus einer rein markttechnischen Sichtweise wurden damit mittelfristige Kaufsignal generiert. In der isolierten Betrachtung eines solchen Oszillators weisen Ein/Ausstiegssignale höhere Trefferquoten in Seitwärtsbewegungen auf als in starken Trendmärkten.
In Kombination mit dem realen Kursgeschehen, wie z.B. ein Überschreiten einer eines wichtigen Widerstandsbereiches erhöht sich die analytische Bedeutung.
Positive Divergenz im Stochastik-Indikator
In den letzten Wochen hat sich eine positive Divergenz im Stochastik-Indikator gebildet. Als positive Divergenz bezeichnet man in der technischen Analyse eine Situation, in welcher der Kurs des Underlyings noch neue Tiefstände erreicht, während der Indikator keine neuen Tiefs erzielen kann.
Positive Divergenzen weisen zum Beispiel darauf hin, dass der Verkaufsdruck der Bären nachlässt und der Markt erholungsanfälliger wird.
Derartige Divergenzen sind allerdings nur als Warnzeichen zu charakterisieren und eignen sich nicht zum Timing von Erholungen. Divergenzen könnten sich zum Beispiel durch längere Seitwärtsphasen abbauen oder durch einen neuen Abschwung entkräftet/geheilt werden.
Seit 12 Wochen schließt der WTI Future im Messstab
Aus der Perspektive des mittelfristigen Wochencharts hat sich seit Oktober eine Konsolidierungszone zwischen dem Bereich erhöhter Abgabebereitschaft um 61,50 und 62,40 und dem Bereich erhöhter Aufnahmebereitschaft um 56, erweitert um das neue Bewegungstief bei 54,89 ausgebildet.
Typisch für derartige Seitwärtsbewegungen schließt der WTI Future seit zwölf Wochen in dem Expansionsbar der Woche vom 20. Oktober, im Wochenchart visualisiert als Messstab.
Bisher weist die Konsolidierung noch einen trendbestätigenden Charakter auf. Durch das o.a. Kursverhalten hat sich das mittelfristige technische Bild jedoch aufgehellt.
WTI Future im Januar mit neutraler Saisonalität
Aufgrund historischer Erfahrungswerte lassen sich für Aktien, Indizes und Rohstoffe statistische Durchschnittswerte berechnen.
Im langfristigen saisonalen Vergleich ist der Januar als tendenzloser Monat zu bewerten.
In den Wochen danach, von Mitte Februar bis Anfang März, lässt sich jedoch ein steiler saisonaler Anstieg mit deutlicher Überrendite aus der Historie ableiten.
Fazit:
Aus der Perspektive des langfristigen Monatscharts bleibt das Chartbild aufgrund des mehrfachen Unterschreitens der seit 2022 bestehenden Seitwärtsbewegung eingetrübt. Mit dem Bewegungstief vom 16. Dezember bei 54,89 hat der Bereich erhöhter Aufnahmebereitschaft, resultierend aus den Marktwendepunkten im April und im Oktober zum dritten Mal gehalten. Die Ausgangslage für eine tragfähige Bodenformation verbessert sich somit nochmals.
Zur Zeit bleibt die Wahrscheinlichkeit für die langfristige Fortsetzung des Abwärtstrends jedoch noch etwas größer als eine potentielle Trendumkehr.
Aus der Sichtweise des mittelfristigen Wochencharts hat sich seit Ende Oktober eine Konsolidierung zwischen 55 und 62,40 innerhalb des übergeordneten Abwärtstrends ausgebildet. Innerhalb dieser Seitwärtsbewegung hat sich das technische Bild in den letzten Wochen jedoch klar verbessert.
Kurse außerhalb des eingezeichneten Expansionsbars aus Oktober etablieren einen neuen mittelfristigen Trend: Fällt der WTI Future unter 55, ist mit einer Fortsetzung der Abwärtsbewegung zu rechnen. Weitere Kursverluste in Richtung Etappenziel bei 50 sind erwartbar.
Kurse über den wichtigen Widerstandskursbereichen um die 200-Tage-Linie (62,20, nicht eingezeichnet) und dem Hoch des Messstabes bei 62,40 müssen auf dem Weg zur Trendwende überschritten werden und würden die mittelfristige Ausgangslage deutlich verbessern. Als nächsthöherer Bereich erhöhter Abgabebereitschaft ist die Zone zwischen 65 und 68,30 zu nennen.
Jedoch erst Kurse über der eingezeichneten langfristigen Abwärtstrendlinie bei momentan etwa 68,30 neutralisieren die langfristig negative Ausgangslage.
© Björn Heidkamp
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