Softs: Licht und Schatten an den Genussmittelmärkten
23.03.2017 | Eugen Weinberg (Commerzbank)
Das von der Internationalen Zuckerorganisation für 2017/18 in Aussicht gestellte Ende der Defizitphase und die Unklarheit über mögliche indische Zuckerimporte belasten den Zuckerpreis, der zu Jahresbeginn zu einem neuerlichen Höhenflug angesetzt hatte. Abgeschmolzene Lagerbestände nach zwei Jahren mit hohen Defiziten dürften aber preisstützend wirken.
Noch stärker bemerkbar dürfte sich dies am Kaffeemarkt machen, wo 2017/18 wohl das vierte Defizit in Folge ins Haus steht. Schon in der aktuellen Saison 2016/17 entspannt sich dagegen die Versorgungslage am Kakaomarkt. Auch wenn sich die Notierungen derzeit nach einem dramatischen Einbruch erholen, dürften Preise wie im letzten Sommer in weiter Ferne bleiben.
Zucker:
Angesichts eines zweiten globalen Defizits am Weltzuckermarkt in Folge war der Zuckerpreis 2016 stark gestiegen und hatte im Herbst ein 4½-Jahreshoch von rund 24 US-Cents je Pfund verzeichnet. Bis Jahresende gab er dann auf 18 US-Cents je Pfund nach, als sich die Vorhersagen für einen Überschuss in der kommenden Saison 2017/18 mehrten (Grafik 2).
Vor allem aufgrund der immer weiter reduzierten Schätzungen für die laufende indische Produktion und der Erwartung baldiger indischer Importe notierte Zucker im Januar und Februar wieder leicht über 20 US-Cents je Pfund. Tatsächlich enttäuscht die indische Produktion einmal mehr und dürfte nur rund 20 Mio. Tonnen betragen. Da aber noch immer unklar ist, ob es überhaupt zu Importen kommen wird, reagierte der Preis mit einem Abschlag auf inzwischen nur noch 17,2 US-Cents je Pfund.
Die magere indische Produktion trägt 2016/17 zu einem zweiten Defizit in Folge am globalen Zuckermarkt bei. Dieses wird auf über 5 Mio. Tonnen geschätzt. Bereits im Vorjahr hatte die Nachfrage die Produktion um 5 Mio. Tonnen überstiegen. An Brasilien dagegen liegt das neuerliche das Defizit nicht: Laut der brasilianischen Zuckerindustrievereinigung Unica wurden im Hauptanbaugebiet Center-South bis zum 1. März in der nun auslaufenden Verarbeitungssaison 2016/17 rekordhohe 35,3 Mio. Tonnen Zucker produziert, gut 15% mehr als im Vorjahr (Grafik 3). 
Und auch in Thailand ist die Produktion mit wohl knapp 10 Mio. Tonnen zumindest etwas besser als im Vorjahr. Die EU-Produktion dürfte etwa 17 Mio. Tonnen betragen nach knapp 15 Mio. Tonnen 2015/16. Bereits im April startet die Verarbeitungssaison in Brasilien für die Saison 2017/18, die international erst im Oktober beginnt.
Laut einer Reuters-Umfrage wird für die Hauptregion Center-South erwartet, dass wieder über 35 Mio. Tonnen Zucker produziert werden. Zwar wird die Zuckerrohrmenge von vielen Beobachtern niedriger angesetzt, der Anteil des Rohrs, der in die Zucker- und nicht in die Ethanolproduktion geht, soll aber mit 47% so hoch sein wie seit 2012/13 nicht. Bereits 2016/17 allerdings betrug der Anteil 46,5%. Wieviel Zuckerrohr zur Verfügung stehen wird ist unklar; nach Angaben von Unica wurden viele Plantagen erneuert und stehen erst in über einem Jahr wieder zur Ernte an.
Für Indien wird 2017/18 mit einer kräftigen Produktionserholung gerechnet, meist werden mindestens 25 Mio. Tonnen angesetzt. Auch die Zuckermühlenvereinigung ISMA nutzt bereits einen von ihr erwarteten Zuckerüberschuss im Land 2017/18 als Argument gegen die oft geäußerte Notwendigkeit zollreduzierter Importe in den nächsten Monaten.
Kräftig steigen dürfte die Produktion auch in der EU, wo die Produzenten erstmals seit Jahrzehnten nicht mehr an Produktionsquoten gebunden sein werden. Die meisten Beobachter rechnen mit einem Anstieg von zuletzt wohl knapp 17 Mio. Tonnen auf rund 19 Mio. Tonnen - teils sogar darüber.
Während die Internationale Zuckerorganisation ISO offiziell für 2017/18 nur von einem Ende der Defizitphase spricht, werden inzwischen auch konkretere Prognosen abgegeben. F.O. Licht etwa erwartet einen Überschuss in Höhe von 2 Mio. Tonnen, andere Schätzungen liegen bei rund 3, vereinzelt auch bis gut 5 Mio. Tonnen (Grafik 2).
[i]Kasten: Chinas Zuckermarkt
China produziert 2016/17 nach Angaben seines Agrarministeriums wohl knapp 10 Mio. Tonnen Zucker - zu über 90% aus Zuckerrohr. Im Vorjahr waren es sogar nur 8,7 Mio. Tonnen gewesen - ein 15-Jahrestief. Hohe Arbeitskosten, geringe Mechanisierung und die höhere Profitabilität anderer Produkte haben in China zu einer deutlichen Einschränkung der Zuckerproduktion geführt - ein Trend, der sich nach Aussage des USDA trotz der jüngsten Erholung fortsetzen dürfte.
Um den Rückgang zu bremsen, setzt die Regierung bereits Subventionen für Saatgut und Düngemittel ein. Auch bei Zucker hat China die frühere Politik staatlich festgelegter Mindestpreise abgeschafft. Die Preise werden nun aber auf lokaler Ebene zwischen den Akteuren auf Basis der Produktionskosten festgelegt.
Die Nachfrage im Land liegt 2016/17 wohl bei rund 15 Mio. Tonnen, aufgrund höherer Preise leicht unter dem Vorjahresniveau von 15,2 Mio. Tonnen. Die Differenz muss aus Importen und einem Abbau von Lagerbeständen überbrückt werden. In den letzten Jahren sind die Importe des Landes kräftig gestiegen, und sie werden in der laufenden Saison auf etwa 6 Mio. Tonnen geschätzt. Damit ist China der mit Abstand weltgrößte Zuckerimporteur.
Der wichtigste Lieferant von Zucker an China ist Brasilien. Für den Import nach China besteht eine zollreduzierte Importquote von 1,95 Mio. Tonnen. Darüber hinausgehende Importe unterliegen einem Zollsatz von 50%. Es wird aber auch berichtet, dass der illegale Import von Zucker in der vergangenen Saison eine Größenordnung von 1,5 bis 2 Mio. Tonnen aufwies, da der Zuckerpreis innerhalb Chinas deutlich über den Preisen der Nachbarländer lag. Inzwischen hat sich der Preisabstand etwas reduziert, so dass in der aktuellen Saison weniger Anreiz zu Schmuggel besteht.[/i]
Zwei Defizite in Folge lassen die globalen Lagerbestände abschmelzen - nach Ansicht der ISO sollen die Vorräte zum Ende der Saison 2016/17 mit 76 Mio. Tonnen und einem Lager-Verbrauchs-Verhältnis von 44% so niedrig sein wie seit 2010/11 nicht. Erst wenn sich ein nennenswerter Überschuss in der kommenden Saison tatsächlich absehen lässt, dürften die Preise dauerhaft nachgeben.
Einen großen Einfluss wird auch wieder der Wechselkurs haben. Sollte der brasilianische Real gegenüber dem US-Dollar bald wieder schwächer notieren, dürfte dies die Preisentwicklung an der Börse in New York ebenfalls dämpfen. Für das vierte Quartal 2017 erwarten wir einen Rohzuckerpreis von 17 US-Cents je Pfund.
Kaffee:
Der Preis für Kaffee Arabica musste zwar von seinem im November 2016 erreichten 22-Monatshoch von rund 175 US-Cents je Pfund wieder kräftig abgeben, nachdem der Brasilianische Real im Zuge der US-Wahl gegenüber dem US-Dollar stark abwertete. Dennoch hält sich der Arabica-Preis seit Anfang des Jahres über der Marke von 140 US-Cents je Pfund. Denn auch wenn 2016/17 die Versorgung mit Arabica-Kaffee insbesondere wegen der Rekordernte in Brasilien - aber auch der mit mindestens 14,5 Mio. Sack zweiten außerordentlich hohen kolumbianischen Ernte in Folge - sehr üppig ist, wirft die kommende Saison mit einer rückläufig erwarteten Produktion im wichtigsten Anbauland Brasilien ihre Schatten voraus.
Denn dort steht nun das ertragsschwächere Jahr im zweijährigen Zyklus an. Die Prognosebehörde Conab rechnet mit einem Rückgang der Arabica-Ernte von 43,4 Mio. Sack auf 35-37,9 Mio. Sack - im schlechtesten Fall also mit einem Ernterückgang um fast 20% (Grafik 4). Allerdings ist die Witterung bisher insgesamt positiv zu bewerten, so dass sich der Produktionsrückgang möglicherweise in Grenzen hält.
Im wichtigsten brasilianischen Robusta-Anbaugebiet Espirito Santo ist es aber noch immer zu trocken. Bereits in den Vorjahren hatte Trockenheit die Erntemengen sinken lassen, was maßgeblich zu einer knapperen Versorgung mit Kaffee beigetragen hat. Insbesondere drängten zuletzt die Hersteller von löslichem Kaffee in Brasilien darauf, Importe zulassen, um über ausreichend Rohware verfügen zu können. Eine entsprechende Erlaubnis der Regierung wurde aber rasch zurückgezogen. Zunächst soll weitere Klarheit über die Höhe der Lagerbestände im Land geschaffen werden.
Für 2017/18 rechnet Conab bei Robusta mit einem Produktionsanstieg von knapp 8 auf 8,6 - 9,6 Mio. Sack. Selbst im besten Falle wäre die Ernte trotz eines Anstiegs um 20% noch immer kleiner als alle Ernten zwischen 2007 und 2015. Brasilien kann also auch in der kommenden Saison nicht spürbar zu einer Linderung der Knappheit bei Robusta beitragen. Allerdings dürfte 2017/18 bei Robusta nicht nur in Brasilien, sondern auch in Vietnam, dem wichtigsten Robusta-Erzeugerland, ein Ernteplus zu Buche stehen (Grafik 5). 
Vietnams Ernte, die fast vollständig aus Robusta-Kaffee besteht, wird für 2016/17 auf enttäuschende 24,5 Mio. Sack geschätzt (rund 1,47 Mio. Tonnen), die Produzentenvereinigung Vicofa spricht sogar von unter 24 Mio. Sack. 2017/18 könnte die vietnamesische Erntemenge laut Marex Sprectron aber auf 28 Mio. Sack (ca. 1,7 Mio. Tonnen) steigen. Diese Ansicht wird etwa auch von den Kaffeeverarbeitungs- und Handelsunternehmen RCMA und Ecom geteilt.
Der Kaffeemarkt wäre aber nicht der Kaffeemarkt, wenn es auch hierüber nicht wieder Uneinigkeit gäbe: So rechnet etwa Vicofa für 2017/18 mit einem erneuten Produktionsrückgang, und eine Kaffeevereinigung im wichtigsten Anbaugebiet Dak Lak, das etwa ein Drittel der Gesamternte stellt, erwartet dort wegen der ungleichmäßigen Blüte nach ungewöhnlicher Witterung einen Einbruch um 30%. Die meisten Beobachter rechnen für 2017/18 vor allem aufgrund der rückläufigen Arabica-Produktion in Brasilien mit einem weiteren Defizit am internationalen Kaffeemarkt (Grafik 6).
Marex Spectron etwa schätzt dieses auf 3 Mio. Sack, Olam auf über 5 Mio. Sack. Schon in den drei Jahren zuvor konnte das Angebot nicht mit der Nachfrage mithalten, auch wenn dies zuletzt eher an Robusta-Kaffee lag. Denn trotz der Rekordernte an Arabica-Kaffee in Brasilien reicht 2016/17 der Überschuss am Arabica-Markt wohl nicht aus, um das Defizit bei Robusta vollständig auszugleichen.
Die ICO beziffert die Defizite der Jahre 2014/15 bis 2016/17 am globalen Kaffeemarkt auf 3,1, 4,3 und 3,5 Mio. Sack. Auch wenn die Exporttätigkeit global betrachtet noch immer hoch ist - die ICO meldet für die ersten vier Monate der Saison 2016/17 bei beiden Kaffeearten deutliche Zuwächse von 10% (Arabica) und 7,4% (Robusta), wird der Lagerabbau auch hier seine Spuren hinterlassen.
Die Perspektive eines weiteren Defizits am Kaffeemarkt dürfte die Preise weiter stützen. Wir erwarten, dass sich der Arabica-Preis über das gesamte Jahr 2017 über 140 US-Cents je Pfund hält. Für Q4 2017 erwarten wir einen Preis von 145 US-Cents je Pfund. Auch bei Robusta-Kaffee, der seit Jahresbeginn zumeist zwischen 2.100 und 2.200 US-Dollar je Tonne schwankt, erwarten wir trotz der für 2017/18 höher erwarteten Produktion nur einen moderaten Preisrückgang vom aktuellen Niveau auf 2.100 US-Dollar je Tonne im vierten Quartal 2017.
Die kurzfristig orientierten Marktteilnehmer setzen zwar noch immer mehrheitlich auf weitere Preissteigerungen bei Kaffee Arabica, haben aber die im letzten Herbst mit fast 60 Tsd. Kontrakten rekordhohen Netto-Long-Positionen drastisch auf nur noch gut 7 Tsd. Kontrakte reduziert. Bei Robusta-Kaffee hatten die Netto-Long-Positionen im Januar einen Rekord erreicht, sind inzwischen aber ebenfalls etwas zurückgeführt worden.
Kakao:
Die Kakaopreise haben sich zuletzt etwas gefangen. Zwischen Sommer 2016 - als sie in London ein 6-Jahreshoch erreicht hatten - und Ende Februar waren die Notierungen sowohl in London als auch in New York um rund 40% in den Keller gerutscht (Grafik 7). Anfang März hatten die Notierungen sogar mehrjährige Tiefstände markiert: In London war Kakao mit 1.570 GBP je Tonne so günstig wie zuletzt im Sommer 2013, in New York sank der Preis mit rund 1.900 US-Dollar je Tonne sogar auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2008. In New York kostet Kakao derzeit wieder über 2.100 US-Dollar je Tonne, in London gut 1.700 GBP je Tonne.
Je mehr sich die Erwartung eines Angebotsüberschusses 2016/17 im Markt verfestigte, desto mehr gaben die Notierungen nach. So hatte die Veröffentlichung des jüngsten Quartalsberichts von Ende Februar, in dem die Internationale Kakaoorganisation ICCO erstmals für 2016/17 diese Erwartung teilt, nochmals für Preisdruck gesorgt. Die ICCO schätzt, dass in der seit Oktober laufenden Saison 2016/17 die Produktion von Kakaobohnen die Nachfrage um 264 Tsd. Tonnen übersteigen wird (Grafik 8).
Die Nachfrage soll um 2,9% steigen, die Produktion aber sogar um 15% zulegen. So sollen im größten Anbauland Elfenbeinküste angesichts guter Witterung rekordhohe 1,9 Mio. Tonnen produziert werden (Grafik 9), 20% mehr als im Vorjahr. Der globale Marktüberschuss wäre der erste von bedeutender Höhe seit sechs Jahren. Dass die ICCO ihre Schätzung für das Marktdefizit 2015/16 von 150 Tsd. Tonnen auf 196 Tsd. Tonnen erhöhte, spielte dagegen am Markt keine Rolle.
In der zweiten Februarhälfte hatte der Kaffee- und Kakaorat der Elfenbeinküste CCC etwas mehr Klarheit über die bisherigen Anlieferungen des Landes seit Saisonbeginn im Oktober 2016 geschaffen. Demnach lagen die bis Ende Januar kumulierten Anlieferungen in die Häfen des Landes mit 1,2 Mio. Tonnen 7,5% über Vorjahr. In den Monaten zuvor hatten Schätzungen verschiedener Beobachter ein uneinheitliches Bild gezeichnet. Während Knowledge-Charts bereits seit Anfang Januar ein Plus gegenüber Vorjahr angab, sprach eine inoffizielle Quelle aus Regierungsnähe regelmäßig von einem Rückstand, hat dies inzwischen aber auch korrigiert.
Selbst wenn nun aber die Angabe des CCC diejenigen unterstützt, die wie die ICCO 2016/17 eine Rekordernte in der Elfenbeinküste erwarten, ist in dem Land die Lage doch keineswegs sorgenfrei. Vielmehr ist der ivorische Kakaomarkt auch aktuell von Problemen gekennzeichnet, die längerfristigen Aussichten für die Produktion trüben können. So hatten etwa eine Reihe kleinerer Exporteure auf weitere Preissteigerungen gesetzt. Sie hatten während der Hochpreisphase Abnahmeverträge mit Produzenten geschlossen, sich auf der Abnehmerseite aber nicht ebenfalls die hohen Preise gesichert.
Als die internationalen Preise für Kakao dann einbrachen, kündigten sie ihre Abnahmeverträge, so dass die Produzenten auf ihrer Ware sitzen blieben. Die Ware, die bereits auf Lastwagen verladen zu den Häfen gefahren wurde, wartet dort oft vergeblich auf Entladung. Staatliche Stellen mussten mehrere hundert tausend Tonnen Kakaobohnen neu absetzen. Zwar gibt es auch finanzielle Unterstützungsfonds, doch wurden diese bisher von der Regierung nur zögerlich angegriffen, um die Krise zu mildern.
Die Regierung lässt aber immer wieder verlautbaren, dass sie eine schnelle Verbesserung der Lage anstrebt. Dies dürfte angesichts der finanziell angespannten Situation vieler Kakaoanbauer auch nötig sein. Denn bei knappen Mitteln wird häufig auch an der Pflege der Plantagen gespart, weniger gedüngt und weniger energisch gegen Pflanzenkrankheiten vorgegangen. Dies könnte die künftige Produktion beeinträchtigen.
Im zweitgrößten Produzentenland Ghana wird ebenfalls mit einer deutlichen Erholung der Produktion gerechnet. Hier sollen 2016/17 etwa 850 Tsd. Tonnen erreicht werden, der Direktor des ghanaischen Kakaorats sieht sogar die Möglichkeit einer Ernte nahe der des Jahres 2013/14 von rund 900 Tsd. Tonnen, nachdem in den beiden letzten Jahren wegen Trockenheit und starken Harmattan-Winden nur magere 740 bzw. 778 Tsd. Tonnen erzielt worden waren.
Eine Gefahr für die westafrikanische Kakaoernte wäre ein Wiederauftreten des Klimaphänomens El Niño. Dieses geht in Westafrika häufig mit übermäßiger Trockenheit einher, die die Produktion beeinträchtigt. Wann und ob sich 2017 überhaupt ein solches Phänomen entwickelt, ist aber unklar.
Das Nachfrageplus von fast 3% basiert weitgehend auf der Erwartung eines Anstiegs in Asien um rund 5%. Die tatsächlichen Nachfragedaten hatten in den letzten Quartalen enttäuscht - kein Wunder bei den über weite Strecken von 2016 hohen Preisen. Einzig in Asien war die Verarbeitung im vierten Quartal 2016 deutlich gestiegen, und auch im Gesamtjahr 2016 war der Anstieg mit 9% gewaltig.
In Europa dagegen sank die Verarbeitung im vierten Quartal, für das Gesamtjahr ergab sich daher nur ein Plus von 1,5%. In Nordamerika stagnierte die Verarbeitung 2016 sogar. Auch soll die weltweite Nachfrage nach Schokolade im vergangenen Jahr zwischen September und November um 2,3% rückläufig gewesen sein.
Der massive Produktionsanstieg 2016/17 und der damit zusammenhängende Überschuss am Kakaomarkt haben zu Recht zu einem Preisrückgang bei Kakao geführt. Unterstützt wurde der Rückgang durch den Aufbau zwischenzeitlich rekordhoher Netto-Short-Positionen durch die kurzfristig orientierten Marktteilnehmer. Allerdings scheint uns der Einbruch übertrieben stark gewesen zu sein.
Daher erwarten wir, dass sich die jüngste Erholung noch etwas fortsetzten wird. Nicht zuletzt, weil wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt skeptisch sind, dass die Sorge der ICCO vor einer Periode struktureller Überschüsse am Kakaomarkt berechtigt ist. Für das vierte Quartal 2017 erwarten wir einen Kakaopreis von 2.300 USD je Tonne.
Auf einen Blick






© Eugen Weinberg
Senior Commodity Analyst
Quelle: 'Rohstoffe kompakt', Commerzbank AG
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