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Genussmittel: Der Geist ist aus der Flasche

29.06.2016  |  Eugen Weinberg (Commerzbank)

Die Preise für Zucker und Kaffee sind aufgrund höherer Angebotsdefizite deutlich gestiegen. Trotz besserer Ernten in Brasilien dürften die Defizite zunächst bestehen bleiben. Zudem hat starker Regen in den brasilianischen Anbaugebieten zu Verzögerungen bei der Verarbeitung von Zuckerrohr geführt und droht die Qualität der Kaffeebohnen zu beeinträchtigen.

Hinzu kommen mögliche Frostschäden. Der Kakaopreis schwankt auf hohem Niveau, nachdem die häufig zu optimistischen Ernteerwartungen für Westafrika enttäuscht wurden. Das nach dem "Brexit" schwache Britische Pfund wirkt bei Kakao zusätzlich preisunterstützend.


Zucker:

In den letzten zwei Monaten ist der Preis für Rohzucker in New York um 40% gestiegen und erreichte Mitte Juni mit gut 20 US-Cents je Pfund das höchste Niveau seit Herbst 2012. Grund hierfür sind nach oben korrigierte Schätzungen für das in diesem Erntejahr zu erwartende Angebotsdefizit am globalen Zuckermarkt. Inzwischen liegen die Schätzungen für das Defizit 2015/16 meist um 8 Mio. Tonnen, reichen aber auch bis 11 Mio. Tonnen.

Die Preisentwicklung unterstützt hat auch der rasante Aufbau von Netto-Long-Positionen durch die kurzfristig orientierten Marktteilnehmer von Null im Februar auf das derzeitige Rekordniveau von über 200 Tsd. Kontrakten. Zuletzt kamen die heftigen Regenfälle in Brasilien hinzu, die die Verarbeitung des Zuckerrohrs und die Beladung der Schiffe in den Exporthäfen lahmlegten und darüber hinaus den Zuckergehalt des Rohrs beeinträchtigen können.

Das Defizit in der kommenden Saison soll dagegen etwas niedriger ausfallen und bei 4-7 Mio. Tonnen liegen. Denn die brasilianische Zuckerrohrernte und Zuckerproduktion, die bereits zu 2016/17 zählen, sollen deutlich höher ausfallen als im Vorjahr. In ihrer ersten und bislang einzigen Einschätzung von April geht die brasilianische Prognosebehörde Conab von einem Anstieg der Zuckerproduktion um 12% auf 37,5 Mio. Tonnen aus, darunter 34,3 Mio. Tonnen aus der Hauptanbauregion Center-South, wo in der Vorsaison laut Zuckerindustrieverband Unica 31,3 Mio. Tonnen Zucker produziert worden waren (Grafik 2).

Andere Beobachter rechnen für Center-South sogar mit einer Zuckerproduktion von mehr als 36 Mio. Tonnen. Die insgesamt zur Verfügung stehende Zuckerrohrmenge soll um knapp 4% von 666 Mio. Tonnen im Vorjahr auf 691 Mio. Tonnen steigen, davon soll Center-South 638 Mio. Tonnen stellen. Landesweit soll 11% mehr Zuckerrohr der Verarbeitung zu Zucker zugeführt werden als im Vorjahr. Die Zuckerrohrmenge, die zu Ethanol verarbeitet wird, soll dagegen - wenn auch nur marginal - rückläufig sein, ebenso die Ethanolproduktion selbst.

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Es spricht nichts dagegen, dass die Verarbeitung das hohe Tempo des Saisonstarts wieder aufnehmen und das gesamte erntereife Zuckerrohr verarbeitet werden kann. Möglicherweise erweist sich die Feuchtigkeit mittelfristig als positiv für Menge und Zuckergehalt. Auch hat der kürzliche regionale Frosteinbruch anscheinend kaum Schäden mit sich gebracht.

Steigen soll die Zuckerproduktion 2016/17 auch in der EU, wo Zucker zuletzt knapper wurde und der durchschnittliche Preis für Weißzucker in der EU im März mit 433 EUR je Tonne so hoch war wie zuletzt im Dezember 2014 (Grafik 17). Die Produktion war 2015/16 nach einer kräftigen Flächeneinschränkung mit nur knapp 15 Mio. Tonnen 24% niedriger als im Vorjahr (Grafik 3).

Zudem bleiben die zollfreien Importe aus den über Präferenzabkommen mit der EU verbundenen Entwicklungsländern hinter den Erwartungen zurück. Die Kommission scheint aber nicht mehr beunruhigt, dass sich eine wirkliche Knappheit ergeben könnte. Denn von der wieder höher erwarteten nächsten EU-Ernte wird Entlastung kommen: Die Fläche soll laut Vereinigung der Europäischen Rübenbauern um 9% steigen und die Kommission erwartet die Erträge über dem 5-Jahresdurchschnitt. In ihrem Kurzfrist-Ausblick von März hat die Kommission für 2016/17
17,6 Mio. Tonnen eingestellt.

Die im Mai zu Ende gegangene Verarbeitungssaison 2015/16 in Thailand - dem zweitgrößten Zuckerexporteur - hatte wegen der El-Niño-bedingten Dürre nur 9,8 Mio. Tonnen Zucker erbracht. Dies bedeutete einen Rückgang um 13% vom Rekordniveau des Vorjahres, als 11,3 Mio. Tonnen Zucker produziert wurden. Für 2016/17 rechnet das Cane und Sugar Board wegen der Spätfolgen der Dürre und Umschichtungen in den Anbauplänen sogar mit einem weiteren Rückgang auf ein 7-Jahrestief von nur noch 9,4 Mio. Tonnen. Sicher ist dies allerdings nicht. Denn es gibt aber auch Marktbeobachter, die einen Anstieg auf 10 Mio. Tonnen erwarten.

Indien hatte in den beiden letzten Jahren unter einem schwachen Monsun zu leiden, der auch die Zuckerrohrernte 2016/17 noch belasten wird (Grafik 4), obwohl für die jetzige Monsunsaison überdurchschnittliche Regenfälle erwartet werden. Nach einer Produktion von 25 Mio. Tonnen Zucker 2015/16 und sogar 28,3 Mio. Tonnen im Jahr zuvor, erwarten die Teilnehmer einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg aus dem April im Durchschnitt eine indische Zuckerproduktion 2016/17 von nur 23,5 Mio. Tonnen.

Indien könnte dann eventuell neben dem weiteren Abbau der bereits stark reduzierten Lagerbestände sogar Zucker importieren müssen, da der heimische Verbrauch des weltgrößten Zuckerkonsumlandes bei etwa 26 Mio. Tonnen angesetzt wird. Das Land hat inzwischen eine Exportsteuer von 20% eingeführt, die nach Ansicht der Zuckermühlenvereinigung ISMA zu einem Erliegen der Exporte führen wird.

Die Erwartung eines weiteren Defizits am Zuckermarkt scheint also realistisch. Erste Erwartungen zu 2017/18 machen bereits die Runde: Wenn der Zuckerpreis hoch bleibt, die Produktion in der EU nach dem Wegfall der Quoten ausgedehnt wird und wenn ein guter Monsun in Indien die Trockenheit verringert bzw. beendet, dann ist für 2017/18 ein Überschuss am Zuckermarkt nicht ausgeschlossen. Aber bis dahin vergeht noch viel Zeit.

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Aufgrund der voraussichtlich deutlich höheren Zuckerproduktion in Brasilien dürfte in den kommenden Monaten mehr Zuckerangebot aus Brasilien auf den Markt gelangen. Zudem gibt das gestiegene Preisniveau den Exporteuren einen Anreiz, Zucker auf dem Weltmarkt anzubieten. Ein schwächerer Brasilianischer Real würde in die gleiche Richtung wirken. Wir rechnen daher mit einem etwas niedrigeren Zuckerpreis von 17,5 US-Cents je Pfund am Jahresende. Die erwarteten Angebotsdefizite dürften einem stärkeren Preisrückgang entgegenstehen.


Kaffee:

Der Arabica-Preis hat sich von seinem Absturz Anfang 2016 auf ein 2-Jahrestief inzwischen merklich erholt. Seither hat sich Arabica-Kaffee um knapp 30% verteuert und kostet inzwischen wieder rund 140 US-Cents je Pfund. Ähnliches gilt für Robusta-Kaffee. Dieser verteuerte sich seit Ende Februar um 25% auf fast 1.700 USD je Tonne. Ein wichtiger Einflussfaktor für die Preiserholung war der stärkere Brasilianische Real, welcher die Ausfuhr von Kaffee aus dem Hauptexportland Brasilien weniger attraktiv macht. Insbesondere Robusta-Kaffee erweist sich als knapp, doch auch der Kaffeemarkt insgesamt ist defizitär (Grafik 5).

Die Kaffeeexporte Brasiliens sind zuletzt stark zurückgegangen (Grafik 6). Das liegt nicht nur an dem erwähnten Wechselkurseffekt. Vielmehr sind nach den zuvor sehr hohen Exporten die Bestände aus den letzten Ernten fast aufgebraucht. Die Lagerbestände dürften mit der neuen Ernte wieder aufgestockt werden, welche bald ihren Höhepunkt erreichen soll. Bisher wird eine sehr gute brasilianische Ernte erwartet.

Die staatliche Prognosebehörde Conab geht in seiner Ende Mai veröffentlichten Prognose von 49,7 Mio. Sack aus, was einem Plus von 15% gegenüber dem von Dürre gekennzeichneten Vorjahr und der zweithöchsten Ernte nach dem Rekordjahr 2012/13 entsprechen würde. In den beiden Vorjahren wurden laut Conab nur 45,6 Mio. bzw. 43,2 Mio. Sack geerntet (Grafik 7).

Die heftigen Regenfälle haben die Feuchtigkeitsversorgung verbessert, könnten aber, wenn sie anhalten, auch zu Qualitätseinbußen, etwa in Hinblick auf den Geschmack, führen. Die Schäden durch den Frosteinbruch im Juni halten sich wohl in Grenzen: Die größte Kooperative Brasiliens, Cooxupe, zeigte sich in dieser Hinsicht jedenfalls erleichtert.

Allerdings täuscht die Zahl für die Gesamternte über die sehr ungleiche Entwicklung bei Arabica und Robusta hinweg: Bei Robusta ist nochmals dürrebedingt mit einem Rückgang um 16% auf 9,4 Mio. Sack zu rechnen. Bei Arabica soll dagegen wegen der in diesen Gebieten deutlich besseren Witterung ein Plus von 26% auf 40,3 Mio. Sack und damit ein neuer Rekord erzielt werden (Grafik 7, Seite 4). Im Vergleich zu den Prognosen anderen Institutionen ist die Conab-Schätzung sogar noch niedrig, allerdings auch was die Daten zu vergangenen Ernten angeht.

Das brasilianische Analysehaus Safras e Mercado etwa schätzt die brasilianische Kaffeeernte 2016/17 auf 56,4 Mio. Sack. Nur knapp darunter liegt die Ernteschätzung des Attachés des USLandwirtschaftsministeriums (USDA) in Brasilien mit 56 Mio. Sack. Die Brokerfirma Marex Spectron erwartet für 2016/17 eine Kaffeeernte in Brasilien von 56,5 Mio. Sack.

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Der zweitgrößte Anbieter von Arabica-Kaffee, Kolumbien, hatte für 2015 die höchste Ernte seit 23 Jahren gemeldet. Da doch mehr neue Kaffeebäume bereits erntereif sind und diese sich als widerstandsfähiger gegen die Trockenheit von El Niño erwiesen, hat die Vereinigung der kolumbianischen Kaffeeanbauer ihre Produktionsprognose nun für 2016 auf 14 Mio. Sack erhöht. Damit scheinen dort die Probleme in Zusammenhang mit der jahrelang grassierenden Roja-Erkrankung überwunden zu sein. Es gibt aber auch Stimmen, die trockenheitsbedingt bei der gerade laufenden Zwischenernte mit einem schlechten Ergebnis rechnen.

Auch für Mittelamerika wird 2016/17 mit einer Erholung der Produktion gerechnet. Diese war 2015/16 witterungs- und krankheitsbedingt auf ein 11-Jahrestief gesunken. Nun sollen 2016/17 mit 16,1 Mio. Sack immerhin 500 Tsd. Sack mehr produziert werden. Dies wären allerdings immer noch weniger als 2010-14, als durchschnittlich gut 17 Mio. Sack geerntet wurden. Vom Robusta-Angebot wird dagegen vorerst keine Entlastung der Marktbilanz bei Kaffee kommen. Ähnlich wie in Brasilien wird für das größte Robusta-Produzentenland Vietnam mit einem Ernterückgang gerechnet.

Laut Daten der Internationalen Kaffeeorganisation wurden dort bei den letzten drei Ernten jeweils zwischen 26,5 Mio. und 27,6 Mio. Sack erzielt, obwohl es auch damals schon sehr trocken war. Nun könnte die Ernte 2016/17, die im Oktober beginnt, Umfragen zufolge wegen der langen El-Niño-bedingten Trockenheit nur 25 Mio. Sack erbringen. Dies wäre ein Minus von etwa 10%. Der USDA-Auslandsdienst rechnet mit einem Minus von 7% und bis zu 15%, falls das sich inzwischen abzeichnende Wetterphänomen La Niña zur Unzeit Regen bringen sollte.

Zu viel Feuchtigkeit ist aber bisher kein Thema in Vietnam: Laut F.O. Licht ist die Dürre im wichtigsten Anbaugebiet durch die Regenfälle der letzten Wochen zwar beendet, doch sind die Wasserreserven in der wichtigsten Provinz Daklak noch immer niedriger als im Vorjahr und im Durchschnitt der letzten Jahre. Um höhere Preise zu erzielen, hatten die vietnamesischen Anbieter lange ohne spürbaren Erfolg Ware zurückgehalten. Es wurde erst dann viel exportiert, als die Preise stiegen. In den ersten fünf Monaten 2016 waren die Ausfuhren dann rund 40% höher als im Vorjahreszeitraum. Dies beschränkt zusammen mit der niedrigeren Produktion 2016/17 das Exportpotenzial Vietnams.

Auch in Indonesien dürfte sich das Angebot verknappen. Dort hatte die Produktion 2015/16 zwar einen neuen Rekord von 12,3 Mio. Sack erreicht, doch legt auch der interne Verbrauch stark zu. Das neue Erntejahr hat im April begonnen. Laut einer Bloomberg-Umfrage aus dem Mai ist mit einem Rückgang um rund 10% zu rechnen, da El Niño auch in Indonesien mit Dürre einherging und vor allem die Robusta-Entwicklung beeinträchtigte. Diese macht etwa ¾ der Gesamternte aus. Allein diese dürfte nach Erwartung des USDA-Auslandsdienstes um 15% sinken.

Das Handelshaus Olam rechnet damit, dass 2015/16 eine dreijährige Defizit-Phase am Kaffeemarkt endet. Die Händlergruppe Marex Spectron erwartet 2016/17 einen globalen Angebotsüberschuss von 1 Mio. Sack, hatte sich zuvor aber noch optimistischer geäußert. Das USDA vertritt die Meinung, dass 2016/17 die Produktion mit 155,7 Mio. Sack sogar deutlich über dem Konsum von 150,8 Mio. Sack liegen wird.



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Die Perspektive einer höheren brasilianischen Kaffeeernte spricht für einen niedrigeren Arabica-Preis in den kommenden Monaten, zumal auch der Brasilianische Real wieder nachgeben dürfte. Wir rechnen mit einem Preisrückgang bei Arabica auf 125 US-Cents je Pfund in Q4. Zwar haben inzwischen Regenfälle in Vietnam für Erleichterung gesorgt, doch dürfte Robusta knapper bleiben.

Aufgrund des knapperen Angebots dürfte sich der Robusta-Preis besser entwickeln und Ende des Jahres bei 1.700 USD je Tonne liegen. Die Preisrelation von Arabica zu Robusta würde sich dann von knapp zwei wieder auf 1,6 verringern, wo sie zuletzt schon Ende Mai lag.

Ein mittelfristiges Risiko bleibt das Auftreten von La Niña. In Brasilien geht dies häufig mit Trockenheit in den wichtigen Kaffeeanbaugebieten im Süden und Osten des Landes einher, weiter nördlich fällt dagegen oft mehr Regen. Dies kann etwa für Kolumbien zum Problem werden, wenn sich Pflanzenkrankheiten dadurch schneller verbreiten. Neue robuste Sorten haben die Risiken aber verringert und mehr Feuchtigkeit zur rechten Zeit würde der Fruchtentwicklung nach der Trockenheit sogar gelegen kommen.

Das USDA warnt in einem Ausblick auf die nächste Saison, dass heftiger Regen in Zusammenhang mit La Niña gegen Ende 2016 die Blüte der nächsten Zwischenernte negativ betreffen könnte. Über die Regenperiode hinaus verlängerte Niederschläge im Oktober und November könnten in Vietnam die dann startende Ernte erschweren und die Qualität der Bohnen beeinträchtigen. In der Vergangenheit wurden aber bei La Niña trotzdem auch gute Ernten eingebracht.


Kakao:

Seit letztem Herbst nahm der Kakaopreis in London mehrmals Anlauf auf die Marke von 2.300 GBP je Tonne, konnte dieses Preisniveau aber jeweils nur kurzzeitig überschreiten. Nach dem Brexit-Referendum und der damit zusammenhängenden kräftigen Abwertung des Britischen Pfundes gelang Kakao schließlich der Sprung auf ein 5-Jahreshoch von 2.400 GBP je Tonne. Deutlich darüber hinaus war der Preis nur im Juni 2010 gestiegen. Dass sich der Preis in diesen Höhen aufhält, ist auch der Vorhersage von Angebotsdefiziten am globalen Kakaomarkt geschuldet.

Zwar hat die Internationale Kakaoorganisation ICCO ihre Prognose für die letzte Saison inzwischen in einen kleinen Überschuss gedreht. Für die laufende Saison 2015/16 hat sie ihre Defizitprognose aber wiederholt nach oben revidiert und erwartet nun, dass die Produktion 180 Tsd. Tonnen unter dem Verbrauch bleibt. Und dies bei einer schwachen Nachfrage, die sich vom Einbruch des Vorjahres mit einem Plus von 0,8% nur marginal erholen soll (Grafik 8).

Bereits im letzten Jahr war die Produktion gegenüber der Rekordernte 2013/14 um 3% gesunken, nun geht es laut ICCO nochmals fast 5% bergab. Hauptgrund sind die enttäuschenden Ernten in Westafrika, der mit Abstand wichtigsten Anbauregion. Dort haben insbesondere die Bohnen zur Zwischenernte, der kleineren der beiden jährlichen Ernteperioden, stark unter den heftigsten Wüstenwinden ("Harmattan") seit Jahrzehnten gelitten.

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Und dabei ist die ICCO eher noch optimistisch. Sie hat für die Ernte 2015/16 der Elfenbeinküste 1,65 Mio. Tonnen eingestellt, womit das Niveau 8% unter dem Vorjahr läge. Jüngst äußerte das ivorische Kaffee- und Kakaoboard aber die Befürchtung, dass die Produktion unter 1,6 Mio. Tonnen liegen könnte. Nach inoffiziellen Daten bleiben die seit Saisonbeginn im Oktober kumulierten Anlieferungen in die Häfen inzwischen um 11% hinter dem Vorjahr zurück (Grafik 9).

Hinzu kommen Qualitätsprobleme. So sind die Bohnen häufig zu klein, um den Anforderungen beim Export zu genügen. Zwar hat die Regierung jüngst die Anforderungen an Exportware gesenkt, doch wurden bereits vor Monaten viele Verträge geschlossen, die Qualitätsanforderungen enthalten, die nun schwer einzuhalten sind.

Auch in Ghana wird sich die Hoffnung auf einen kräftigen Produktionsanstieg gegenüber dem extrem schlechten Vorjahr wohl nicht erfüllen. Mit 800 Tsd. Tonnen - statt der bisher angesetzten 840 Tsd. Tonnen - ist die ICCO aber auch hier noch recht optimistisch. Ende April kursierte in der Presse aus inoffiziellen ghanaischen Regierungskreisen eine Schätzung von nur 730 Tsd. Tonnen. Im letzten Erntejahr war die Kakaoernte in Ghana wegen starker Harmattan-Winde bereits um 18% auf 740 Tsd. Tonnen gefallen.

Von daher ist ein beachtliches Angebotsdefizit am Kakaomarkt 2015/16 realistisch. Für das nächste Erntejahr gibt es allerdings erste Stimmen, die einen kräftigen Produktionsanstieg erwarten. Ausgelöst werden soll dieser durch die hohen Preise und möglicherweise noch zusätzlich unterstützt von einem La-Niña-Phänomen mit ausreichenden Regenfällen. Das Kakao-Handelshaus Cocoanect erwartet etwa ein Produktionsplus von 5% in der Saison 2016/17. Da außerdem kein starkes Nachfragewachstum unterstellt wird, soll dieses einen Angebotsüberschuss am Kakaomarkt zur Folge haben.

Tatsächlich lahmt die Nachfrage insgesamt. Der weltgrößte Kakaoverarbeiter Barry Callebaut berichtet unter Berufung auf Daten des Informationsanbieters Nielsen, dass der weltweite Schokoladenabsatz zwischen September 2015 und Februar 2016 um 2,6% zurückging. Auch das Handelshaus Sucden et Denrees hält einen Überschuss 2016/17 für möglich. Angesichts der schleppenden Nachfrage erhalten die in der Vergangenheit mehrfach geäußerten Erwartungen eines strukturellen Defizits am Kakaomarkt derzeit keine Nahrung.

Entsprechend gehen wir davon aus, dass sich die Kakaopreise zunächst weiter auf hohem Niveau halten. Das wegen des Brexit schwache Britische Pfund dürfte zusätzlich preisunterstützend wirken. Verfestigen sich die besseren Aussichten für die nächste Haupternte, dürften die Preise gegen Jahresende leicht nachgeben. Im vierten Quartal 2016 erwarten wir einen kakaopreis in London von 2.300 GBP je Tonne.




Auf einen Blick

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© Eugen Weinberg
Senior Commodity Analyst

Quelle: 'Rohstoffe kompakt', Commerzbank AG



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