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Energie: Russland bleibt im Fokus - Ukraine-Krise schlägt ins Kontor

05.05.2014  |  Frank Klumpp (LBBW)

Markt bleibt angebotsgetrieben

Die laufende Handelswoche brachte etwas rückläufige Preise, da die Hoffnung auf eine Rückkehr Libyens an die Weltmärkte durch die Öffnung des Zuetina-Hafens neue Nahrung erhielt. Nach dem Ende der zehnmonatigen Blockade der Hafen-Infrastruktur gelangen zunächst lediglich 70.000 bpd an die internationalen Exportdestinationen - weitere 1,2 mbpd warten noch auf Wiederbelebung.

Die Situation um Russland hat derweil einen gemischten Einfluss auf die Märkte. Sollte die Lage dort weiter eskalieren, stehen Exporte in Höhe von rund 7,2 mbpd in der Diskussion um Wirtschaftssanktionen - rund 2,6 Mio. Barrel gehen in die EU.

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Sanktionen betreffen auch Öl- und Gasindustrie

Bis zur letzten Stufe der Sanktionsspirale ist es jedoch noch ein weiter Weg; zu sehr sind der Westen und Russland voneinander abhängig. Russland benötigt die Deviseneinnahmen aus den Energieexporten - über 50% der Steuereinnahmen werden hieraus gespeist. Und der Westen, allen voran Europa, benötigt russisches Öl und Gas, um die eigene Nachfrage zu decken.

Bestenfalls aus längerfristiger Perspektive können sich Deutschland und ihre europäischen Partner von der russischen Energiefessel lösen. Erste Sanktionsschritte wurden bereits getätigt und betreffen indirekt auch bereits die Ölund Gasindustrie. So wurde u.a. gegen Igor Setschin, den Chef von Rosneft, eine Visa- und Kontosperre verhängt, was die Geschäfte des staatlichen Ölkonzerns behindern könnte.

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Fazit: Russische Nachfrage eingetrübt

Zuletzt geriet in der Ukraine-Krise jedoch kurzzeitig die Nachfrageseite in den Mittelpunkt, die indirekt auch das globale Angebot betrifft. So hat der IWF in diesen Tagen die Konjunkturerwartungen für Russland nach unten korrigiert, da sich die krisenbedingte Zurückhaltung von Investoren bereits bemerkbar macht. Besonders der Außenhandel leidet darunter, weshalb die Institution das Wachstum für Russland von zuletzt 1,2% auf 0,4% gesenkt hat.

Davon dürfte auch die heimische Ölnachfrage betroffen sein, womit letztlich das für den Export verfügbare Angebot erhöht werden dürfte. Der globale Ölmarkt ist bereits jetzt gut versorgt. Wir bleiben daher bei unserer vorsichtigen Haltung und rechnen im Jahresverlauf mit sinkenden Preisen an den Ölmärkten, sofern eine weitere Eskalationsstufe in der Ukraine ausbleibt.

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© Frank Klumpp, CFA
Commodity Research

Quelle: Landesbank Baden-Württemberg, Stuttgart



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