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Getreide-Baisse im Anmarsch?

08.01.2008  |  Marius Steininger

Im Segment der Soft Commodities war Getreide im vergangenen Jahr der absolute "Überflieger". Nachdem die Notierungen in der ersten Phase der Rohstoff-Hausse lange Zeit ziemlich lustlos im Bereich ihrer Tiefststände "herumdümpelten", tanzte in 2007 der sprichwörtliche "Bär" oder besser gesagt der "Bulle". Die schwächste Performance wies dabei Mais auf, was allerdings zum Großteil daran gelegen hat, dass das gelbe Futtergetreide bereits im Jahr zuvor eine fulminanten Rallye aufs Börsen-Parkett gelegt hatte. Sojabohnen und vor allem Weizen dagegen verzeichneten Kurs-Zuwächse im dreistelligen Prozentbereich. Und das natürlich nicht ohne Grund:


Weizen- und Sojabohnen-Bestände im Sinkflug

Bei Weizen führten hauptsächlich ungünstige Witterungsbedingungen in wichtigen Anbauregionen wie Australien, Kanada sowie Mittel- und Osteuropa zu teilweise gravierenden Ernteausfällen. Diese Einbußen wurden durch verstärkte US-Exporte kompensiert. Insofern ist es eigentlich nur konsequent, dass die amerikanischen Lager fast schon wie leergefegt sind. Zum 31. Mai 2008 erwarten Experten Vorräte von lediglich noch 280 Millionen Scheffeln. Das entspricht dem geringsten Niveau der letzten 60 Jahre. Auf globaler Ebene sieht es nur unwesentlich besser aus.

Etwas entspannter stellt sich die Lage bei Sojabohnen dar. Hier sorgten zwar die reduzierten Anbauflächen für geringere Erträge und einem Rückgang der Vorräte. Auf Grund der außerordentlich üppigen Ernten in den Jahren zuvor dürften sich zum 31. August aber immerhin noch 185 Millionen Scheffel in den Hallen befinden. Dies ist nur der drittniedrigste Wert in der letzten Dekade.

Lediglich bei Mais ist die Versorgungslage recht üppig. Die Ausweitung der Ackerfläche sollte zu einem deutlichen Anstieg der Lagerbestände auf knapp 1,8 Milliarden Scheffel zum 30. September führen, der sich damit erkennbar über dem historischen Durchschnitt bewegt.


Ausweitung der Ackerfläche wahrscheinlich

Sind also insbesondere Weizen und Sojabohnen eine annähernd “tot sichere“ Wette auf weiter steigende Kurse? Mitnichten! Bei den gegenwärtigen Weltmarktpreisen ist es für die Farmer äußerst lukrativ, diese beiden Getreide-Sorten anzubauen. Von daher werden die entsprechenden Ackerflächen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erheblich ausgeweitet. Bei Winterweizen konnte man eine solche Entwicklung bereits beobachten. In den Staaten wurden gut fünf Millionen Morgen mehr kultiviert.

Insofern muss man kein Prophet sein, um für dieses Jahr relativ hohe Weizen- und Sojabohnen-Ernten vorherzusagen, vor allem weil auch in Südamerika der Output an Sojabohnen seit Ewigkeiten kontinuierlich anschwillt. Und nach den jüngsten Kurs-Steigerungen bei Mais wird hier ebenfalls ordentlich ausgesät werden. Schließlich gilt Mais auf Grund von Genmanipulationen als über alle Maßen robust gegen widrige Umweltbedingungen. Für die Farmer ist das Futtergetreide daher immer eine gute Wahl. Da der "Kampf ums Ackerland" erst ab März so richtig beginnt, lässt sich zur Stunde noch nicht prognostizieren, welche Getreide-Sorten diese "Schlacht" letztlich für sich entscheiden werden. Eins jedoch dürfte bereits heute ziemlich klar sein: Für 2008 muss tendenziell mit überdurchschnittlich guten Ernten gerechnet werden. Als Folge werden sich die Lagerbestände erholen und Druck auf die Notierungen ausüben, selbst wenn die Nachfrage sich positiv entwickelt.


Wetter-Kapriolen als letzte "Bullen-Hoffnung"

Die letzte und einzige Hoffnung für die "Getreide-Bullen" sind daher neuerliche Wetter-Kapriolen. Solche sind angesichts des fortschreitenden Klimawandels freilich nicht auszuschließen. Aber zumindest jetzt aggressiv darauf zu setzen, erscheint viel zu riskant. Da ist es ganz bestimmt besser, regelmäßig unseren kostenlosen "Rohstoff Express" (www.derivate-online.de) zu lesen, in dem wir Sie - wie auch in den letzten Jahren - aktuell, kompetent und zudem noch kostenlos über neue Entwicklungen unter anderem auch bei Getreide informieren.

Unterm Strich kann festgehalten werden, dass die Getreidemärkte auch in diesem Jahr sicherlich spannend bleiben und zweifellos die eine oder andere lukrative Trading-Möglichkeit bieten werden, wobei diese eher auf der "kurzen Seite" zu finden sein sollten.


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