Ölpreise sinken - Lagerbestände weiter hoch
19.05.2012 | Frank Klumpp (LBBW)
Markt: Ölpreise geben nach
Die erhöhte Unsicherheit um die Eurozone sowie die gut gefüllten Lagerdaten aus den USA drückten auch in der laufenden Handelswoche auf die Preise an den Ölmärkten. Die Sorte Brent unterschritt erstmals seit Januar diesen Jahres die Marke von 110 US-Dollar. Europäische Öleinkäufer können sich darüber nur eingeschränkt freuen, hat doch die Kaufkraft des Euro in den letzten Wochen ebenfalls nachgegeben. An dem hohen Abschlag der Ölsorte WTI hat sich derweil nichts geändert: WTI ist rund 18 US-Dollar günstiger als Brent. Die Raffinerien im mittleren Westen erzielen also weiterhin hohe Erträge, da die Destillate wie z.B. Heizöl in Europa und den USA nahezu auf demselben Preisniveau gehandelt werden.
Lagersituation in den USA weiter mehr als komfortabel - Seaway-Pipeline ändert Fließrichtung
Die Läger in den USA sind weiterhin gut gefüllt. Das US Department of Energy vermeldete einen Anstieg der Öllager um 2,1 Mio. Barrel auf 381 Mio. Barrel, den höchsten Stand seit 1990. Auch die Lager in Cushing, Oklahoma, dem Lieferort für Nymex-Futures, quellen förmlich über und erreichten mit 45,1 Mio. Barrel einen neuen Rekordwert. Die in diesen Tagen geplante Änderung der Flussrichtung der Seaway-Pipeline könnte zwar etwas von dem Druck nehmen, die Kapazität von lediglich 150.000 Barrel pro Tag ist jedoch recht gering und entspricht gerade einmal dem jüngsten Wochenansteig der Cushing-Läger. Daher planen die Pipelinebetreiber bereits eine weitere Aufstockung der Kapazitäten im kommenden Jahr.

Seitwärtstrend an den Ölmärkten erwartet
Neben der skizzierten guten Lagersituation und der Sorge um eine schwächere Ölnachfrage aus Europa spricht auch das weiterhin gute Ölangebot für weiter fallende Preise. Saudi-Arabien fördert auf Rekordniveau, auch die Bohrtürme in den USA laufen auf Hochtouren. Dies ließe weiteren Raum für sinkende Notierungen. Die nach wie vor latenten politischen Risiken können jedoch immer wieder in den Vordergrund rücken und eine höhere Risikoprämie einpreisen, z.B. ist trotz der diplomatischen Bemühungen ein Militärschlag Israels gegen die Atomanlagen im Iran nicht vom Tisch. Wir gehen daher in den kommenden Monaten per Saldo von einem Seitwärtstrend der Ölsorte Brent aus. 
© Frank Klumpp, CFA
Commodity Analyst
Quelle: Landesbank Baden-Württemberg, Stuttgart
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