Gazprom: Eigentor in der Ukraine geschossen?
20.01.2012 | EMFIS
RTE Moskau - (www.emfis.com) - Der Kampf zwischen dem russischen Energie-Riesen Gazprom und der Ukraine über Gas-Lieferverträge geht in eine neue Runde, aus der die Russen am Ende möglicherweise als Verlierer hervorgehen könnten.
Die Ukraine ist der Meinung, viel zu viel für russisches Gas zu bezahlen und forderte massive Preisnachlässe - insbesondere, nachdem Gazprom unlängst einigen westeuropäischen Abnehmern preislich entgegen gekommen war (Emfis berichtete). Das vor kurzem gebildete internationale Gastransport-Konsortium, welches auf Basis des ukrainischen Pipelinesystems basiert, war verantwortlich für das Scheitern der jüngsten Verhandlungen. Die Ukraine bestand auf einen Anteil an dem System von 34 Prozent, 66 Prozent des Pipeline-Systems sollten laut Kiew zwischen Russland und den europäischen Partner aufgeteilt werden. Gazprom will allerdings mindestens einen 50prozentigen Anteil und lehnte das Angebot daher ab. Für ein Übernahmeangebot der Russen hinsichtlich des gesamten Pipeline-Systems in Höhe von vier Milliarden Dollar konnte sich Kiew nicht begeistern.
Lieber Kohle als Gas
Angesichts der ins Stocken geratenen Verhandlungen stellt sich die Ukraine mittlerweile auf rückläufige Gaslieferungen Russlands ein. Das Land rechnet nun mit erheblichen Kürzungen: 25 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr weniger dürften laut Regierungs-Schätzungen in die Ukraine fließen. Zu Versorgungsengpässen im Bereich Energie sollte es in der Ukraine dennoch nicht kommen. Denn der ukrainische Premier Nikolai Asarow ließ bereits verlauten, dass sein Land angesichts der derzeit hohen Gaspreise eher auf Kohle als Energieträger setzt. Daher scheint die Ukraine nicht in erster Linie auf russisches Gas angewiesen sein.
Wie der Gasstreit zwischen Gazprom und der Ukraine letztlich ausgeht, ist zur Stunde kaum abzuschätzen. Aber selbst wenn die Russen ihre Lieferungen signifikant reduzieren sollten, dürften sich die Auswirkungen auf den Aktienkurs in Grenzen halten, da es genügend andere Abnehmer für den von Gazprom geförderten flüchtigen Energieträger gibt.