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Gazprom: Was würde ein Einstieg bei E.ON bringen?

08.06.2011  |  Rainer Hahn

RTE Moskau/Berlin - (www.emfis.de) - Die Gerüchte über einen bevorstehenden Einstieg des russischen Gasriesen Gazprom bei E.ON haben neue Nahrung erhalten.  

Gazprom-Chef Alexej Miller hatte am Wochenende in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" - ganz generell - erklärt, den Einfluss seines Unternehmens in Deutschland ausbauen zu wollen.  

Zwar wurde von der Gesellschaft zwischenzeitlich dementiert, dass es konkrete Verhandlungen zwischen Gazprom und E.ON gebe. Dennoch liegt ein Zusammenrücken zwischen den beiden Konzernen nahe. E.ON sitzt nach wie vor auf einem Schuldenberg, und könnte eine Finanzspritze aus Moskau durchaus gebrauchen. Die Russen wiederum trachten naturgemäß danach, ihre Präsenz im industriellen Herzen Europas zu festigen und auszubauen. In Deutschland selbst sind E.ON und die Tochter Ruhrgas bereits die wichtigsten Abnehmer von Gazprom. 


Gazprom will mitbestimmen können

Klar ist allerdings, dass bei einer Beteiligung an E.ON oder Ruhrgas auch Möglichkeiten zur Mitsprache bestehen müssten. In dem Interview vom Wochenende machte Miller deutlich, dass Gazprom an reinen Finanzinvestitionen nicht interessiert sei. Und darin könnte letztlich die Crux für die deutschen Partner liegen. 

E.ON ist von den Gaslieferungen aus Russland ohnehin schon extrem abhängig. Und auch die deutsche Politik dürfte sich durchaus daran stören, dass der russische Monopolist dann auch noch Zugriff auf das hiesige Leitungsnetz erhält. Hinzu kommt noch, dass Gazprom bereits am Ruhrgas-Konkurrenten Wingas (einer BASF-Tohter) Anteile hält. Dies dürfte bei den deutschen Wettbewerbsbehörden zusätzliche Widerstände wecken. 

Gazprom wiederum will nicht nur den direkten Zugriff auf den deutschen Endverbraucher – denn dieses Geschäft gilt als vergleichsweise attraktiv. Interessant wäre es für den Konzern insbesondere, seinen Einfluss auf dem deutschen Markt zu zementieren, und den wichtigsten Abnehmer stategisch einzubinden. Das russische Unternehmen würde sich dadurch einen verbindlichen Partner aufbauen, dem man zur Not sicherlich auch bisweilen die eigenen Vorstellungen diktieren kann.


Deutschlands Abhängigkeit verstärkt sich noch

In jedem Fall werfen die Gerüchte ein grelles Schlaglicht auf die ohnehin schon enorme Abhängigkeit des deutschen Energiemarktes. Bereits jetzt werden 40 Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs von Gazprom abgedeckt. Mit der Inbetriebnahme der riesigen Pipeline North Stream wird sich dieser Anteil nochmals erhöhen. 

Und auch der deutsche Erdgasbedarf sollte deutlich anziehen - gerade auch angesichts des sehr raschen Ausstiegs aus der Kernenergie. Sonne und Wind können den dadurch entstehenden Zusatzbedarf nämlich vorerst nicht abdecken, und liefern außerdem ein stark unregelmäßiges Stromaufkommen. Dieses muss durch den Einsatz von Gasturbinen-Kraftwerken, die man schnell hochfahren kann, permanent ausgeglichen werden.

Der deutliche Ausbau der Erdgas-Nutzung ist in Deutschland deshalb bereits beschlossene Sache. Gazprom ist der natürliche Profiteur dieser Entwicklung - ob der Konzern nun in Deutschland zukaufen wird, oder auch nicht.