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Sonne, Wind, Biokraftstoffe & Co.: Rückenwind und Gegenwind

14.09.2007  |  Natalia Wolfstetter

Sonne, Wind, Biokraftstoffe & Co.: Die Begeisterung für erneuerbare Energien ist groß. Rückenwind kommt alleine schon durch den hohen Ölpreis und die zunehmenden Sorgen um die globale Erwärmung. Die Kapazität kann mit der starken Nachfrage allerdings nicht immer mithalten. Und die Politik spielt für die Branche eine gewichtige Rolle.


Nicht erst seit der Klimawandel in breiten Bevölkerungsschichten diskutiert wird, sind Investments in erneuerbare Energien stark gefragt. Das Thema ist angesichts hoher Ölpreise und Unsicherheiten in der Energieversorgung schon länger auf dem Tisch. Staatliche Unterstützung durch Subventionen etwas für die Installation von Solardächern (Kalifornien) oder Einspeisevergütungen für Strom aus erneuerbaren Quellen (Deutschland) haben die Branche aus ihrem langjährigen Nischendasein herauskatapultiert.

Viele börsennotierte Unternehmen rund um die alternative Energieerzeugung - Solarworld bietet hier das beste Beispiel - legten in den letzten Jahren eine fulminante Kursentwicklung an den Tag. Eine Rendite von jährlich rund 30% lieferten auf alternative Energien spezialisierte Aktienfonds in den vergangenen drei Jahren. Eine Erwärmung, wenn nicht gar Überhitzung, ist nicht nur beim Klima zu beobachten, sondern wird auch bei der Bewertung vieler dieser Unternehmen spürbar.

So hoch die Nachfrage auch ist, das Angebot kann damit oft nicht Schritt halten. Die Windbranche wächst mit 30% pro Jahr. Die dänische Vestas, der weltweit größte Windanlagenhersteller, hat volle Auftragsbücher. Für viele Bauteile gibt es Lieferengpässe. Ähnlich sieht es beim Silicon aus, einem wichtigen Grundstoff zur Herstellung von Solarzellen. In dessen Herstellung wird zwar mittlerweile kräftig investiert, so dass sich die Engpässe in einigen Jahren sogar in ein Überangebot umkehren könnten, doch haben die Preise in den letzten Jahren angesichts der Knappheit deutlich angezogen.

Aus erneuerbaren Energiequellen wird derzeit etwas mehr als 10% des weltweiten Energiebedarfs bestritten. Dabei handelt es sich aber vor allem um Energieerzeugung aus Biomasse, Wasserkraft und Geothermie. Der Anteil der bei den Investoren stärker im Rampenlicht stehenden Sonnen- und Windenergie ist dagegen (mit Ausnahme einiger Länder) noch verschwindend gering.

Das Wachstumspotential ist also nur zu offensichtlich, doch die Reise wird in Anbetracht von Kapazitätsengpässen, aber auch politischen Fort- und Rückschritten keine geradlinige sein. Denn die Politik hat für die Branche höchste Bedeutung. Skeptiker weisen darauf hin, dass alternative Energien ohne Subventionen, regulatorische Maßnahmen oder die Einführung des Emissionshandels im Vergleich zu traditionellen Energieträgern wirtschaftlich nicht tragfähig sind.

Die Konkurrenzfähigkeit hängt natürlich an den Ölpreisen und konnte auch durch technologische Verbesserungen deutlich gesteigert werden. Die Art und Weise der politischen Förderung spielt aber für die Planbarkeit von Investitionsvorhaben eine große Rolle. Wenn wie in den USA steuerliche Anreize immer wieder auslaufen und erneuert werden müssen, machen sich die daraus entstehenden Unsicherheiten bei den Herstellern in deutlichen Umsatzschwankungen bemerkbar.

Die Bewertungen vieler Unternehmen sind von Euphorie über die künftigen Wachstumsaussichten getragen. Ob die Unwägbarkeiten in gleichem Maße eingepreist werden, ist weniger sicher. Auf viel Volatilität bei den Kursen sollten sich Anleger daher einstellen.

6 Aktienfonds auf dem deutschen Markt widmen sich derzeit den alternativen Energien. Welche Unternehmen letztendlich im Portfolio landen - hierzu gibt es von Fonds zu Fonds durchaus spürbare Unterschiede. Blickt man auf die Marktkapitalisierung, finden sich viele Nebenwerte. Das Anlageuniversum enthält zahlreiche aufstrebende Unternehmen mit überdurchschnittlichen Wachstumserwartungen und hohen Bewertungen. Dies wird durch die Morningstar Style Box sichtbar, die für diese Fonds eine deutliche Growthorientierung anzeigt. Nicht immer arbeiten diese Unternehmen bereits profitabel - eine Wette, die stark auf die Zukunft setzt und daher nur als Depotbeimischung zu empfehlen ist.




Auch etablierte Vertreter aus der Energie- und Versorgerbranche bauen ihr Geschäft rund um die alternative Energieerzeugung aus. Sie werfen oft sehr viel mehr Geld auf die Waagschale, als es ein reines New Energy Unternehmen jemals aufbringen könnten. Auf diese Schwergewichte stößt man in den Branchenfonds für regenerative Energien genauso wie auf reine New Energy Titel. Dadurch können traditionelle Energiekonzerne oder auch umstrittene Geschäftsfelder wie Nuklearenergie im Portfolio landen.

Beispielhaft dafür steht der cominvest Fund NewPower. Es handelt sich in dieser Fondsgruppe um das Produkt mit der höchsten durchschnittlichen Marktkapitalisierung. In der Anlagepolitik ist von Investments rund um zukunftsgerichtete Energieerzeugung die Rede. Ein Fokus rein auf erneuerbare Energien fehlt. Daher stößt man in diesem Fonds neben den Themen Wasser, Sonne oder Wind auch auf die Bereiche Öl und Gas (z.B. Total), Ölservices (National Oilwell Varco) oder Nuklearenergie (Cameco). Über 60% des Fondsvermögens entfällt damit auf den Energiesektor, während Industriewerte (Anlagenbauer, Ausrüster) im Vergleich zur Konkurrenz ein weniger starkes Gewicht aufweisen.

Stärker auf regenerative Energien setzen die anderen Fonds aus dieser Gruppe, z.B. der Vontobel Trend New Power. Hier machen regenerative Energien derzeit die Hälfte des Portfolios aus und sind auch unter den 10 größten Positionen prominent vertreten, etwa mit den bekannten Namen Q-Cells und Solarworld. Aufgrund der ambitionierten Bewertungen dieser reinen New Energy Titel mischt der Fondsmanager aber Versorger (E.On) bei oder sucht nach Unternehmen, die Produkte für eine höhere Energieeffizienz anbieten. Etwa ein Drittel des Fondsvermögens ist am deutschen Markt angelegt, der für die Solarbranche eine große Rolle spielt. Ähnliches ist beim Sarasin New Energy festzustellen.

Ein Vergleich anhand der Portfoliodaten zeigt, dass der MLIIF New Energy und der KBC Eco Fund Alternative Energy die größten Übereinstimmungen aufweisen. Das Produkt von Merrill Lynch/BlackRock ist der volumengrößte und auf Sicht von 5 Jahren auch mit Abstand volatilste Vertreter dieser Fondsgruppe. Die Wertschwankungen über ein Jahr haben sich allerdings an den Gruppendurchschnitt angenähert.

Gleichzeitig ist der Fonds aus dem Small Cap in den Mid Cap Bereich der Morningstar Style Box gewandert. Dennoch weist er im Konkurrenzvergleich weiterhin den höchsten Nebenwerteanteil auf. Dazu zählen neben den bekannten Akteuren aus der Wind- und Solarbranche auch Titel wie Climate Exchange (Betreiber der Chicagoer und europäischen Börse für CO2-Emissionsrechte) oder Itron (Produkte zur Messung von Strom-, Gas- oder Wasserverbrauch).

Die Fonds für alternative Energien lassen sich im weitesten Sinne dem Thema “Nachhaltigkeitsinvestments“ zuordnen. Ein Screening nach Nachhaltigkeitskriterien durchlaufen u.a. der KBC Eco Fund Alternative Energy und der Sarasin New Energy Fund. Was letztendlich unter Nachhaltigkeit zu verstehen ist - dafür gibt es allerdings keine allgemeingültige Definition. Auf den genauen Fondsinhalt kommt es an.


© Natalia Wolfstetter
Fondsanalystin bei Morningstar




Natalia Wolfstetter ist Fondsanalystin bei Morningstar Deutschland. Sie würde gerne Ihre Anmerkungen hören, kann jedoch keine Anlageempfehlungen aussprechen. Sie erreichen sie unter natalia.wolfstetter@morningstar.com.